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Ein Hype setzt sich fort

Nach einer Pause von vier Jahren erscheint am Freitag „25“, das neue Album von Adele. Die Erwartungshaltung ist nicht nur bei den Fans groß. Die Musikindustrie hofft nach einem eher durchwachsenen Jahr darauf, dass die Sängerin an den Erfolg ihres Werks „21“ anschließen kann. Inhaltlich ist Adele mit den elf Songs auf „25“ nach eigenen Angaben vor allem auf eines aus: Wiedergutmachung.

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Im Zentrum ihrer vorherigen Platte seien Trennungen gestanden. Nun sei es Zeit, die Dinge wieder zurechtzurücken. „Was vorbei ist, ist vorbei“, schrieb Adele in einem Ende Oktober auf Twitter veröffentlichten Text. Vorbei mit dem Festhalten an der Vergangenheit, wie sie es früher so oft gemacht habe.

Adele mit Grammy Awards, 2012

Reuters/Lucy Nicholson

Adele mit ihren sechs Grammys im Jahr 2012

Der Text liest sich ein wenig, als würde eine Sängerin, die schon ewig im Geschäft ist, Bilanz ziehen über ihr Leben. Adele Laurie Blue Adkins ist erst 27 Jahre alt. Allerdings gehört sie, zusammen mit Beyonce, Rihanna und Taylor Swift, zu den ganz Großen der Branche. Ihr 2011 erschienenes Herzschmerzalbum „21“ verkaufte sich weltweit 30 Millionen Mal, so oft wie kein anderes Album der Nullerjahre und öfter als „Abbey Road“ von den Beatles.

„Ich bin keine Einsiedlerin“

Adeles Botschaft an ihre ungeduldig wartenden Fans endete mit einer Entschuldigung: „Es tut mir leid, dass es so lange dauerte. Aber mir ist das Leben dazwischengekommen.“ 2012 sang die gebürtige Londonerin den Titeltrack zum gleichnamigen James-Bond-Abenteuer „Skyfall“, wofür sie auch einen Oscar gewann. Im selben Jahr kam ihr Sohn Angelo zur Welt.

Danach herrschte erst einmal Funkstille. Da sich Adele, im Gegensatz zu Taylor Swift oder Rihanna, in den Sozialen Netzwerken nur sehr sparsam äußert, entstand der Eindruck, sie habe sich zurückgezogen. Dem sei aber nie so gewesen, stellte sie unlängst gegenüber dem „Guardian“ klar: „Ich bin keine Einsiedlerin! Ich habe nie aufgehört, in Geschäfte zu gehen, in Parks und in Museen. Ich wurde nur nie fotografiert dabei.“

Songs mit übernatürlichen Kräften

Ein Grund für die verhältnismäßig lange Pause könnte auch gewesen sein, dass der Hype um die Sängerin vor vier Jahren skurrile Ausmaße angenommen hatte. In den USA waren Adeles Lieder die meistgespielten Songs auf Begräbnissen und die gefragtesten Songs in Karaokebars.

Zudem wurden ihren Liedern fast schon übernatürliche Kräfte zugesprochen. Adeles Songs seien zum besten Mittel gegen Flugangst und Einschlafstörungen gewählt worden, so der „Guardian“. Und in einem Krankenhaus im nordenglischen Leeds soll ein Mädchen aus dem Koma erwacht sein, als ein Adele-Song im Radio lief.

„Hello“ bricht alle Rekorde

Dass der Hype um „25“ geringer ausfällt, ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Die erste Singleauskoppelung „Hello“ brach im Internet alle Rekorde. Innerhalb von nur einer Woche wurde der Song auf digitalem Wege mehr als 1,11 Millionen Mal verkauft. Der bisherige Rekordhalter Flo Rida brachte es mit „Right Round“ im selben Zeitraum auf 636.000 kostenpflichtige Downloads.

Adele bei den Oscars, 2013

APA/AP/Invisin/Chris Pizzello

Auftritt bei den Oscars - wo sie für ihren James-Bond-Song augezeichnet wurde

Die sanften Klavierakkorde und das gedämpfte Schlagzeug auf „Hello“ öffnen den Raum für Adeles kraftvolle Stimme. Der Text ist tieftraurig, „gefüllt mit Gedanken über Distanz, das unaufhaltsame Voranschreiten der Zeit, Entschuldigungen und das Ins-Reine-Kommen mit der Vergangenheit“, wie es die „New York Times“ ausdrückte.

Das in Sepia getauchte Video zur Single von Regisseur Xavier Dolan wurde an nur einem Tag 27,7 Millionen Mal auf YouTube aufgerufen - auch das ist Rekord. Binnen kürzester Zeit tauchten auf YouTube auch Dutzende Parodien der Ballade auf. Damit wandelt der Song auf den Spuren von Lionel Richies Hit „Hello, is it me you’re looking for?“, der ebenfalls zum Internet-Meme wurde.

„Adele ist hier, um die Musikindustrie zu retten“

Adeles neues Album ist aber nicht nur für ihre Fans wichtig. Wenn „25“ am Freitag erscheint, „atmet die gesamte Musikindustrie erleichtert auf“, kommentierte der „Independent“. In den vergangenen drei Montane seien die Verkäufe digitaler Alben in Großbritannien um fast 23 Prozent gesunken, jene von CDs um zehn Prozent.

Der britische Musikmarkt habe heuer bisher einen „Durchhänger“ erlebt, sagte Geoff Taylor vom Branchenverband BPI der Zeitung. Das vierte Quartal könnte die Wende einleiten. Neben Adele werden auch neue Alben von Coldplay und One Direction erwartet, beide Bands gelten als „Cashcows“. Noch optimistischer zeigten sich die Autoren bei „Fortune“: „Adele ist hier, um die Musikindustrie zu retten“, befand das Wirtschaftsmagazin. In der Welt von Spotify, YouTube und Apple Music seien Künstler, für deren Werke Fans freiwillig bezahlen, „äußerst dünn gesät“, so „Fortune“.

Spannung bei Streaminganbietern

Hinzu kommt, dass Adele Streaminganbietern mit einem gewissen Misstrauen entgegentritt. Die Sängerin und ihr Management haben laut „New York Times“ noch nicht entschieden, ob „25“ auch für Nutzer von Spotify und Apple Music zugänglich gemacht wird. Sollte sie sich dazu entscheiden, ihre Songs eine Zeit lang nicht über Streamingdienste anzubieten, wäre das „ein Signal an andere Künstler“, sagte Casey Rae von der „Future of Music Coaliton“, einer privaten Interessenvertretung von Musikern.

Ob ihres Verkaufserfolgs gilt Adele als eine der einflussreichsten Künstlerinnen in der Branche. Ihr Privatvermögen wird auf umgerechnet 71 Mio. Euro geschätzt. In den USA gingen die CD-Verkäufe in den letzten Jahrzehnten um 80 Prozent zurück. Der Streamingmarkt ist hingegen gewachsen. US-Labels erwirtschaften mittlerweile mehr als ein Drittel ihrer Einnahmen in diesem Marktsegment.

„Alle haben die Klappe gehalten“

Verstärkt wurde die Erwartung an das neue Album durch die rigorose Geheimhaltungspolitik von Adeles Management. Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob kein einziger Song vorab im Internet aufgetaucht sei. Wenige Tage vor Veröffentlichung des Albums allerdings preschte - offenbar ohne Absprache - der Musikhändler Juno vor und ließ Interessierte auf seiner Website ein paar Stunden lang zweiminütige Auszüge der Songs hören. Der „Cosmopolitan“ sprach daraufhin von tieftraurigen Liedern im Stil von „Hello“.

Dabei hatte man alles getan, um genau das zu vermeiden. „Das war schwer, glauben Sie mir“, sagte Adele dem „Zeit-Magazin“. „Es waren schließlich ziemlich viele Leute involviert, was nie ohne Risiko ist. Aber alle haben die Klappe gehalten.“ Ihr Label XL Recordings hätte dabei auf vergleichsweise radikale Methoden gesetzt, so die Nachrichtenagentur dpa: Nicht einmal ein Internetstream sei Medien für Albumbesprechungen angeboten worden, geschweige denn ein Download der „25“-Songs mit digitalem Wasserzeichen gegen unerwünschte Weiterverbreitung. Weniger gut gelaufen war es im Vorjahr für Madonna. Als Songdemos ihrer Platte „Rebel Heart“ im Netz auftauchten, beklagte sie „künstlerische Vergewaltigung“.

Die Schattenseite der Vorfreude

Auch wenn Adeles Album aller Voraussicht nach ein Erfolg wird: Wie schnell eine übertriebene Erwartungshaltung ins Negative kippen kann, musste Lady Gaga vor zwei Jahren auf schmerzliche Art erfahren. Am 20. November 2013 stieg „Artpop“, das vierte Album der Künstlerin, auf Platz eins der US-Charts ein. Die Enttäuschung war trotzdem groß. Zwar verkaufte sich „Artpop“ in einer Woche etwa 258.000 Mal, an den Erfolg des Vorgängers „Born this Way“ mit 1,1 Mio. verkauften Exemplaren in der ersten Woche konnte die Sängerin aber nicht anschließen.

In weiterer Folge erklärten zahlreiche Medien Lady Gagas Karriere für tot. Falsche Gerüchte machten die Runde, Gagas Plattenfirma hätte wegen des Flops Personal abgebaut. Aus einem imaginären wurde so ein realer Karriereknick. „Ich werde diesen Hass, der mir entgegenschlägt, nie verstehen. Aber vielleicht ist die Unterhaltungsbranche heutzutage einfach so“, kommentierte sie damals auf Twitter. Adele darf auf Liebe hoffen.

Philip Pfleger, ORF.at

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