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Parktickets gaben entscheidenden Hinweis

Nach den Pariser Anschlägen mit 129 Toten führen immer mehr Spuren ins Ausland. Die heißeste Spur geht aktuell nach Belgien: Die Pariser Staatsanwaltschaft habe in vier Fällen um Amtshilfe gebeten, teilte die belgische Staatsanwaltschaft Samstagabend mit. Die Polizei nahm in Brüssel mehrere Verdächtige fest.

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Die Festnahmen hingen zusammen mit einem in Belgien gemieteten VW Polo, der vor dem Pariser Konzertsaal Bataclan gefunden wurde, sagte Justizminister Koen Geens. Der Polizeieinsatz in Brüssel betraf das Stadtviertel Molenbeek. Nach Medienberichten sollen in dem Auto, das in Paris gefunden wurde, Parktickets aus Molenbeek entdeckt worden sein.

Terrorzelle in Belgien?

Nach Angaben aus belgischen Ermittlerkreisen könnte ein Teil der Pariser Attentäter aus Belgien eingereist und dort von Mittätern unterstützt worden sein. Mehrere Augenzeugen in Paris sagten, ein Teil der Angreifer sei in einem Auto mit belgischem Kennzeichen eingetroffen. Es bestehe der Verdacht, dass einer der in Molenbeek Festgenommenen sich am Freitagabend in Paris aufgehalten habe, sagte Regierungschef Charles Michel.

Straßensperre in Belgien

Reuters/Eric Vidal

In Belgien gab es Straßensperren und Kontrollen der Polizei

Zur Identität des Mannes, der den Wagen mietete, gab es unterschiedliche Angaben. Der belgische Justizminister sprach von einem Belgier, der den Behörden bekannt gewesen sei. Der Pariser Staatsanwalt Francois Molins sagte, der Wagen sei von einem Franzosen mit Wohnsitz in Belgien gemietet worden. Die belgische Staatsanwaltschaft leitete nach eigenen Angaben ein formelles Ermittlungsverfahren wegen Terrorismus ein.

Über Griechenland gereist?

Auch wurde bekannt, dass schon am 5. November in Bayern ein 51-jähriger Mazedonier verhaftet wurde, der in seinem Auto Waffen und Sprengstoff versteckt hatte und sich auf dem Weg nach Paris befunden haben dürfte. Und zudem wurde bei einem der Täter ein syrischer Pass gefunden, bei einem anderen angeblich ein ägyptischer Pass. Der Syrer kam laut griechischen Behördenangaben Anfang Oktober auf legalem Weg über die Insel Leros in die EU. Auch ein zweiter Angreifer soll durch Griechenland gereist sein, hieß es am Abend aus Athen.

Die Rede ist von einer Fahndung nach mindestens zehn Personen in Paris. Nach dem Bekenntnis der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gehen die Ermittler Spuren ins Ausland nach. Die ersten Spuren, denen derzeit bis zu 2.000 an dem Fall arbeitende Beamten von Polizei, Justizapparat und Geheimdiensten nachgehen, legen aber nahe, dass die Aufklärung der Taten, so überhaupt möglich, lange dauern wird: Die Planung der Tat blieb unentdeckt, obwohl einer der Täter polizeibekannt war.

In Gruppen unterwegs - ein Täter identifiziert

Einer der Angreifer, die in der Konzerthalle Bataclan während eines Rockkonzerts am späten Freitagabend ein Blutbad anrichteten, ist als 29-jähriger Franzose identifiziert worden, der den Behörden wegen seiner Radikalisierung bekannt war. Er sei mehrfach vorbestraft, allerdings niemals wegen Verbindungen in dschihadistische Netzwerke. Das gab die Pariser Staatsanwaltschaft am Samstagabend bekannt.

Am späten Abend wurde bekannt, dass der Vater und der Bruder des 29-Jährigen in Polizeigewahrsam genommen worden sind. Außerdem wurden am Samstagabend die Wohnungen der beiden Männer durchsucht, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Bei dem Vorgehen der Sicherheitskräfte in den Gemeinden Bondoufle nahe Paris und Romilly-sur-Seine in der Champagne waren auch Spezialeinheiten der französischen Polizei im Einsatz. Im familiären Umfeld des von den französischen Behörden identifizierten Attentäters wurden zudem weitere Menschen festgenommen.

Analyse des Islamismus-Experten Asiem El Difraoui

Des Islamismus-Experten Asiem El Difraoui analysiert, wie es den Attentätern gelingen konnte, nach den Anschlägen Anfang des Jahres unerkannt zu bleiben.

Laut Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die Angreifer in drei Gruppen unterwegs gewesen sein: „Wahrscheinlich sind es drei koordinierte Teams von Terroristen, auf die diese Barbareien zurückgehen“, erklärte Staatsanwalt Francois Molins. Jene Angreifer, die in der Konzerthalle Bataclan ein Blutbad anrichteten, hätten sich währenddessen über Syrien und den Irak unterhalten, unterstrich der Staatsanwalt. Molins bestätigte 129 Tote, allein in der Konzerthalle wurden 89 Menschen getötet. Es gab 352 Schwerverletzte, davon 99 akute Notfälle, hieß es.

Sieben tote Attentäter

Die Staatsanwaltschaft sprach von sieben toten Terroristen, zunächst war von acht Attentätern die Rede gewesen - das befeuerte wiederum Spekulationen, wonach mindestens ein Attentäter flüchtig sein könnte. Die Terroristen benutzten Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow. Außerdem hätten sie die absolut gleiche Art von Sprengstoffwesten getragen, sagte Molins.

Karte zur Anschlagserie in Paris

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Orte der Terrorangriffe, im Überblick und im Detail

Die Ermittler versuchen vorerst, die Chronologie der Anschläge zu rekonstruieren. Gegen 21.20 Uhr sprengten sich am Stade de France im Norden von Paris drei Attentäter in die Luft, die Staatsanwaltschaft bestätigte am Samstag drei Explosionen. Die Leiche eines Selbstmordattentäters wurde in der Nähe gefunden.

Hotline für Betroffene

Weiterhin gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass sich Österreicher unter den Todesopfern oder lebensgefährlich Verletzten befinden.

Für Angehörige, die sich informieren wollen, ob Familienmitglieder oder Freunde aus Österreich von den Anschlägen in Paris betroffen sein könnten, wurden nachfolgende Hotlines eingerichtet:

  • In Österreich: 050 11 50 44 11
  • Für Österreicher in Frankreich: 0043/190 115 44 11
  • Hotline der Stadt Paris (lokal): 0800 6 005

Fast gleichzeitig eröffneten Attentäter in mehreren Straßen im Osten von Paris das Feuer auf Cafes, Bars und Restaurants. Einer von ihnen sprengte sich auf dem Boulevard de Voltaire in die Luft. Anschließend griffen vier Männer im selben Viertel das Bataclan an, bevor sie sich drei von ihnen selbst in die Luft sprengten und einer erschossen wurde.

Suche nach Hintermännern

Dass die Attentäter im Bataclan und jene, die in der Umgebung Cafes und Fastfood-Lokale attackierten, dieselben Männer waren, ist vorerst nicht bewiesen. Gerichtsmediziner untersuchten am Samstag die Leichen der Attentäter. Sie hofften auch, dass ein Abgleich der DNA mit den Datenbanken der Polizei erste Hinweise auf ihre Identität gibt. Es ist aber anzunehmen, dass es zumindest noch weitere Komplizen gibt - etwa einen Sprengstoffexperten.

Der Einsatz von Sprengstoffgürteln ist bisher beispiellos in Frankreich und deutet darauf hin, dass ein Sprengstoffexperte an der Planung der Anschläge beteiligt war. Derartige Experten seien für die Hintermänner zu „kostbar“, als dass sie selbst für Anschläge eingesetzt würden, sagt der Geheimdienstexperte Alain Chouet gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Der Sprengstoffexperte müsse also noch irgendwo sein.

„WSJ“: Attentäter am Stadioneingang aufgehalten

Außerdem werden über Medienberichte erste Details über den mögliche Tathergang vor dem Stade de France bekannt: Die Attentäter wollten einem Bericht des „Wall Street Journal“ („WSJ“) zufolge offenbar einen Anschlag direkt im Fußballstadion verüben. Mindestens ein Attentäter habe ein Ticket für das Spiel gehabt. Er sei von einem Ordner beim Sicherheitscheck aufgehalten worden, berichtet die Zeitung am Samstag (Online-Ausgabe) unter Berufung auf einen anderen Ordner und einen Polizisten.

Bei dem Attentäter sei etwa eine Viertelstunde nach Spielbeginn am Stadioneingang eine Sprengstoffweste entdeckt worden. Beim Versuch zu entkommen, habe der Mann den Sprengstoff zur Explosion gebracht. Der Polizist vermutetet laut „Wall Street Journal“, dass der Angreifer den Sprengstoff im Stadion zünden wollte. Ziel sei vermutlich eine Massenpanik bei den Zuschauern gewesen, hieß es weiter.

Wie schnell die Ermittler Erkenntnisse zu den Komplizen, Handlangern und Auftraggebern gewinnen, hängt davon ab, wie gut die Attentäter ihre Spuren verwischt haben. Schon bei den Anschlägen auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris im Jänner hatten die Angreifer ungewöhnlich genau darauf geachtet, möglichst wenige Spuren zu hinterlassen.

Soldaten ein einem Einkaufszentrum

APA/AP/Kamil Zihnioglu

Die Präsenz des Militärs in Paris wurde weiter verstärkt

3.000 weitere Soldaten mobilisiert

Als Reaktion auf die Anschläge in Paris schickt die französische Regierung 3.000 zusätzliche Soldaten auf die Straße. Das teilte die französische Präsidentschaft am Samstagabend nach einer Kabinettssitzung in Paris mit. In der Nacht direkt nach den Anschlägen seien bereits 500 Soldaten mobilisiert worden, hieß es aus dem Umfeld von Staatschef Francois Hollande.

1.000 weitere Soldaten seien am Samstag eingesetzt worden, bis Dienstag sollten 1.500 weitere folgen. Die französische Armee hat in Frankreich im Zuge des Anti-Terror-Einsatzes „Operation Sentinelle“ bereits 7.000 Soldaten im Einsatz. Sie patrouillieren unter anderem an Bahnhöfen und Touristenattraktionen und schützen jüdische Einrichtungen.

„Ja, wir sind im Krieg“

Der französische Premierminister Manuel Valls sieht sein Land im Krieg mit der dem IS. „Ja, wir sind im Krieg“, sagte der Regierungschef am Samstag dem Sender TF1. Frankreich werde handeln, um diesen Feind zu zerstören. „Wir ergreifen daher außergewöhnliche Maßnahmen. Und diesen Krieg werden wir gewinnen“, schrieb Valls auf Twitter.

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