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Die Welt der Familie von Trapp

Genau 50 Jahre nach dem Welterfolg von „The Sound of Music - Meine Lieder, meine Träume“ kommt am 13. November 2015 „Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik“ in die österreichischen Kinos. Ben Verbong hat aus dem populären Stoff ein modernes Unterhaltungsmärchen gemacht, in dem statt Ruth Leuwerik und Julie Andrews nun Yvonne Catterfeld in Dirndl und Zöpfen durch die Berge trällert.

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Man könnte meinen, es gebe bereits ausreichend Filmmaterial über die Familie von Trapp: 1956 erschien „Die Trapp-Familie“, zwei Jahre später die Fortsetzung „Die Trapp-Familie in Amerika“. Wolfgang Liebeneiner schuf damit gleich zwei der erfolgreichsten deutschen Heimatfilme. 1959 folgte das US-amerikanische Musical „The Sound of Music“ von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein. Dieses wurde wiederum 1965 von Robert Wise unter demselben Titel verfilmt - in den Hauptrollen Julie Andrews und Christopher Plummer - und gewann insgesamt fünf Oscars.

Szene aus "Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik"

Concorde Filmverleih/Jan Betke

Agathe (Eliza Hope Bennett) und das ungeliebte Kindermädchen Maria Gustl (Yvonne Catterfeld)

Doch der 1949 geborene niederländische Regisseur Ben Verbong („Das Sams“) hat sich ein wiederholtes Mal an die Geschichte gewagt. Im Gegensatz zu Liebeneiner und Wise, deren Verfilmungen auf den Erinnerungen von Maria von Trapp basieren („Vom Kloster zum Welterfolg“), wechselt Verbong in seinem Film die Perspektive und macht die älteste Tochter Agathe von Trapp zur Hauptdarstellerin. Ihre 2003 veröffentlichte Autobiografie („Memories Before and After the Sound of Music“) bildet die Grundlage für die nun in Zusammenarbeit mit dem ORF entstandene Produktion.

Der Vater-Tochter-Konflikt

Einige wenige Szenen spielen in der amerikanischen Gegenwart, am Weihnachtsabend, an dem die alte Agathe von Trapp (Rosemary Harris) ihrer Großnichte Kirsty (Lauryn Canny) von ihrer Kindheit und Jugend als eines der singenden Trapp-Kinder zu erzählen beginnt. In langen Rückblenden wird die Geschichte geschildert: Wie Kirsty wächst die junge Agathe (Eliza Hope Bennett) in einer Patchwork-Familie auf und erlebt dort nicht nur glückliche Tage.

Als Neunjährige verliert sie zunächst ihre geliebte Mutter Agathe (Bettina Mittendorfer), die an Scharlach erkrankt war. Nach dem Verlust ist die unbeschwerte Zeit in Zell am See vorbei, und ihr Vater Georg von Trapp (Matthew Macfadyen) übersiedelt mit seinen sieben Kindern nach Salzburg-Aigen.

Szene aus "Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik"

Concorde Filmverleih/Jan Betke

Der Chauffeur (Cornelius Obonya) und Georg von Trapp (Matthew Macfadyen)

Gegen den Willen ihres Vaters übernimmt die jugendliche Agathe als älteste Tochter die Mutter- und Hausfrauenrolle. Keinesfalls möchte sie das Zepter aus der Hand geben und vergrault deshalb jedes Kindermädchen. Das Verhältnis von Vater und Tochter wird zunehmend schlechter. Immer betrübter und depressiver wirkt der ehemalige Korvettenkapitän, der nicht nur seine Frau verloren hat, sondern mit dem Zerfall der österreichischen Monarchie auch seinen Beruf. Umso glücklicher ist er, als die junge Novizin und neue Kinderfrau Maria Gustl (Yvonne Catterfeld) bei der Familie einzieht. Agathe sieht in ihr von Anfang an eine Konkurrentin und hat große Schwierigkeiten, sich an das Zusammenleben zu gewöhnen. Ganz besonders, als ihr Vater und Maria heiraten und das erste ihrer drei gemeinsamen Kinder auf die Welt kommt.

Brenzlige Lage

Der kaisertreue Georg von Trapp will die politische Entwicklung, die eine Machtübernahme der Nationalsozialisten immer realistischer macht, nicht wahrhaben. Nachdem er von einem zum anderen Tag sein gesamtes Vermögen verliert, Agathes Kinderfreund Sigi (Johannes Nussbaum) ermordet wird und sein ehemaliger Chauffeur Konrad (Cornelius Obonya) ihm zu drohen beginnt, kommen auch ihm langsam Zweifel.

Szene aus "Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik"

Concorde Filmverleih/Jan Betke

Yvonne Catterfeld mit Schnittlauchbrot

Als die berühmte Sopranistin Lotte Lehmann (Annette Dasch) auf die Gesangsbegabung der Familie aufmerksam wird und genauso sorgenvoll wie Agathe und Maria in die politische und gesellschaftliche Zukunft Österreichs blickt, gibt es für die beiden so lange verfeindeten Frauen kein Halten mehr: Stiefmutter und Stieftochter versuchen, das Familienoberhaupt mit allen Mitteln von einem Umzug nach Amerika zu überzeugen. Vor allem durch die Unterstützung der Sängerin Lotte Lehmann wird der Welterfolg der „Trapp Family Singers“ wahr.

Internationale Vanillekipferln

Die deutsch-österreichische Produktion richtet sich ganz klar an ein internationales Publikum. Auf Englisch gedreht, mit einer für diesen Zweck strategisch klug gewählten Besetzung, setzt sie sowohl die glatte amerikanische Blockbuster-Ästhetik als auch die Darstellungsweise der deutschen Vorabendsendung ein.

Die Ausstattung wirkt zeitweise wie ein formvollendetes Klischee: Berg- und Wiesenpanoramen wechseln sich ab, Vanillekipferln werden gebacken, Marillenknödel gekocht, Polster aufgeschüttelt, Zöpfe geflochten, Dirndln gebunden, Ärmel werden aufgekrempelt und Arbeiten verrichtet; ja sogar die immer artig und bescheiden dreinblickenden Gesichter der Protagonisten wirken beinahe wie aus den Heimatfilmen der 1950er Jahre herausgeschnitten.

Abgesehen vom Alpenidyll als beliebtes Klischee könnte der vergleichsweise gelungene Familien- und Weihnachtsfilm international auch dramaturgisch funktionieren. Ganz im Rosamunde-Pilcher-Stil wird hier mit einfachsten Mitteln erzählt, das natürliche und logische Happy End ein paar Mal hinausgezögert, historische Abweichungen werden beibehalten und Beschönigungen im Vergleich zu früheren Umsetzungen des Stoffs bekräftigt. Die Geschichte kann ja viel hübscher dargestellt werden, als sie tatsächlich war.

Lena Eich, ORF.at

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