Faires Gold für Platinen
Nach Fairtrade-Lebensmitteln, Kleidung, Blumen und Kosmetik hat die ökologisch und sozial nachhaltige Produktion mit dem Fairphone auch die Elektronik erreicht. Doch die faire Herstellung der über 1.500 Handyeinzelteile von zahlreichen Zulieferern und den verantwortungsvollen Abbau der 40 genutzten Mineralien sicherstellen, das lässt sich nur in kleinen Schritten realisieren.
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Pionier Fairphone setzt bei seinem zweiten Modell vor allem auf eine lange Lebensdauer, um die Nachhaltigkeit seiner Geräte zu erhöhen und Ressourcen zu schonen. Denn je länger ein Gerät genutzt wird, desto besser für die Umwelt. „Wenn Menschen ihre Smartphones nicht mehr nur zwei Jahre, sondern doppelt so lange und länger nutzen würden, wäre bei der Nachhaltigkeit schon vieles erreicht“, so Fairphone-Chef Bas van Abel am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.
Defekte Teile selber austauschen
Dafür wurde bei dem Fairphone 2 erstmals eine modulare Bauweise realisiert. Ist ein Bauteil kaputt oder nicht mehr auf dem neuesten Stand, muss nicht das komplette Smartphone ausgetauscht werden, sondern nur die einzelne Komponente. Das spart Geld und verringert den Elektroschrott.

Fairphone
Die Einzelteile des Fairphone 2 sind nicht fest verlötet
Auch das Design des Geräts ist auf eine hohe Haltbarkeit ausgelegt. Die Schutzhülle ist als Rückseite fixer Bestandteil des Fairphones und schützt bei Stürzen. Wird doch einmal etwas kaputt, kann der Nutzer selbst Hand anlegen und die Reparatur vornehmen. Denn im Gegensatz zu den fix verlöteten oder verklebten Komponenten bei Topgeräten bekannter Marken können Einzelteile wie Bildschirm und Akku beim Fairphone 2 schnell und mit wenigen Handgriffen abgenommen und ausgetauscht werden. Die einzelnen Module können über den Onlineshop von Fairphone bestellt werden.
Probleme mit Rohstoffen
Weitaus schwieriger als das langlebige Design gestaltet sich laut Fairphone-Chef Bas van Abel der Einkauf der Rohstoffe aus fairer Produktion. Denn viele der benötigten Mineralien werden in Minen in afrikanischen Ländern abgebaut, die von lokalen Warlords kontrolliert werden und deren Gewinne in die Aufrüstung von Privatarmeen fließt. Das will das Fairphone-Projekt durch Transparenz in der gesamten Lieferkette verhindern.
Know-how aus Österreich
Mit an Bord ist hier der österreichische Leiterplattenspezialist AT&S, der die Platinen für das Handy herstellt und dafür neben recyceltem Kupfer künftig auch Fairtrade-Gold aus Südafrika einsetzt. 30 Milligramm Gold finden sich demnach in jedem Fairphone 2, sechs davon in der Platine. „Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung fairer Elektronik. Wir werden diesen Weg auch bei anderen Mineralen weitergehen und hoffen, weitere Kunden dafür zu begeistern,“ so AT&S-CEO Andreas Gerstenmayer bei der Vorstellung in Wien.

AT&S
Im AT&S-Werk in China zeigt ein Mitarbeiter Goldsalz, künftig soll es aus Fair-Trade-Minen in Südafrika kommen
Auch Fairphone nicht ganz fair
Auch der Abbau von konfliktfreiem Zinn (Lötpaste) und Tantal (Kondensator) aus geprüften Minen der Demokratischen Republik Kongo, bessere Arbeitsbedingungen für Fabriksarbeiter in China und eine Reduktion von E-Abfall durch das Sammeln und Recycling von alten Handys in Ghana gehören zum bisher Erreichten. Im Aufbau ist des Weiteren die konfliktfreie Gewinnung von Wolfram (Vibrationsmotor) aus Ruanda.
Dass das Fairphone damit für eine hunderprozentige faire Produktion noch einen langen Weg vor sich hat, ist den Machern bewusst. „Derzeit ist es natürlich nicht möglich, ein hundert Prozent faires Telefon zu produzieren“, gibt Fairphone-Chef van Abel offen zu.
Andere Hersteller zum Umdenken bewegen
Die Idee hinter dem Fairphone sei allerdings in erster Linie die bespielhafte Umsetzung eines Mobiltelefons, das möglichst viele gute Ansätze für eine faire Produktion aufzeige. „Unser Ziel ist nicht, dass alle Leute nur noch Fairphones kaufen, sondern dass es zu einem Umdenken und Veränderungen bei der Lieferkette und im Produktionsprozess auch bei anderen Herstellern führt“, so der Fairphone-Chef.
Umwelt- und Verbraucherorgansiationen begrüßen die Initiative. „In der IT-Branche sind die Arbeitsbedingungen sehr problematisch, weshalb auch hier die Entwicklung sozialer und ökologischer Standards sehr begrüßenswert ist. Die Fairphone-Initiative leistet auf jeden Fall einen wichtigen Beitrag und einen Schritt in die richtige Richtung, hin zu einer menschenwürdigeren Produktion unserer IT-Geräte. Dieser Schritt verdient unsere volle Unterstützung“, so Hartwig Kirner von Fairtrade Österreich.
Fairphone zumindest fairer als andere
„Bis dato kann man kein einziges Smartphone als hunderprozentig fair hergestellt bezeichnen. Das Fairphone schneidet aber deutlich besser ab als andere Smartphones, die als nachhaltig und ‚fair‘ bezeichnet werden“, fasst Elisabeth Schinzel von Südwind die Ergebnisse einer Studie des niederländischen Forschungsinstituts SOMO zusammen.
Von den 34 darin überprüften Nachhaltigkeitskriterien erfüllte das Fairphone 20, die über den industrieüblichen Standards liegen. Samsung-Smartphones der Serie Galaxy S4 sowie das Galaxy Note konnten nur sieben Kriterien über dem industrieüblichen Standard erfüllen, bei elf entsprechen sie anderen konventionell hergestellten Produkten. 16 wurden als „nicht genügend erfüllt“ eingestuft.

Fairphone
Neun Euro Gewinn pro Gerät
Der Preis des Fünf-Zoll-Smartphones Fairphone 2 mit einer Auflösung von 1.920 mal 1.080 Pixel liegt bei 525 Euro - der Nettogewinn beträgt dabei neun Euro, wie Fairphone in einer Kalkulation aufschlüsselt. Das Dual-SIM-Gerät ist LTE-fähig und läuft mit dem Betriebssystem Android 5.1 alias Lollipop, kürzlich wurde zudem eine Kooperation mit den finnischen Entwicklern des Sailfish OS, Jolla, bekanntgegeben.
Im Inneren sind zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, 32 Gigabyte Flash-Speicher und ein Micro-SD-Steckplatz für Speicherkarten verbaut. Der Quad-Core-Prozessor Snapdragon 801 stammt von Qualcomm. Die Kamera hat eine Auflösung von acht Megapixeln. Die Akkukapazität liegt bei 2.420 Milliamperestunden (mAh). Über 20.000 Fairphone 2 sind bereits vorbestellt, das Vorgängermodell wurde über 60.000-mal verkauft.
Beate Macura, ORF.at
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