Hartnäckiges Gebäude
Die Sprengung des steirischen Kraftwerks Voitsberg ist am Sonntag fehlgeschlagen. Das Kesselhaus hielt der Sprengladung stand und stürzte nicht wie geplant in sich zusammen. Sehr wohl umgekippt war das seitlich angebrachte Stiegenhaus und der Mittelbau.
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Viele Schaulustige waren nach Voitsberg gekommen, um das groß angekündigte Spektakel zu beobachten. 666 Kilogramm Sprengstoff waren bei der Sprengung im Einsatz. Beim Bundesheer hat man am späten Sonntagnachmittag erste Untersuchungen angestellt, warum das Kesselhaus des Dampfkraftwerks nicht wie geplant nach der Sprengung kollabiert ist.

ORF.at/Nadja Igler
Nach Abzug der Staubwolken die Gewissheit: Die Sprengung schlug in wesentlichen Teilen fehl
Weitere Ursachenforschung am Montag
Demnach wurden einige Stahlträger nicht durchtrennt, hieß es nach einer ersten Besichtigung durch Projektleiter, Sprengtechniker und Statiker. Am Montag wird die Begutachtung fortgesetzt. „Ein Betreten des Gebäudes ist derzeit lebensgefährlich, weshalb morgen mittels technischer Aufstiegshilfen die Begutachtung durchgeführt wird“, heißt es in einer Aussendung des Militärkommandos. Gemeinsam mit der Porr werde man nach Vorliegen von Detailkenntnissen weitere Versuche zur Demontage des Gebäudes unternehmen. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, alle Sprengladungen seien detoniert.
Mit 1.760 Einzelsprengungen sollten innerhalb weniger Sekunden die drei Bauten zum Umstürzen gebracht werden. „Die Sprengung wurde von Experten des Bundesheers nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet. Es wurden die besten am Markt erhältlichen Zünder und der beste Sprengstoff verwendet“, sagte Christian Fiedler, Sprecher des Militärkommandos Steiermark.

PORR
So wäre der Sturz geplant gewesen
Wegen der Sprengung war das Gelände im Umkreis von 300 Metern von Polizei und Bundesheer abgeriegelt worden, mehrere Straßen und Verkehrswege der Umgebung waren gesperrt. Der 180 Meter hohe Schlot war schon Anfang August von Roboterbaggern zum kontrollierten Umstürzen gebracht worden.
Spezialvorkehrungen für Lärmschutz
Um Staub, Lärm und Erschütterungen zu minimieren, hatten die Fachleute mehrere Maßnahmen getroffen: Mit Fallbetten aus angehäufter Erde und Gräben sollten der Aufprall gedämpft und die Bodenerschütterung nicht zu stark an die Umgebung weitergegeben werden. 15 Wasserbecken, gefüllt mit 84.000 Litern Wasser, in denen ebenfalls Sprengladungen hochgingen, bildeten einen Wasserschleier, der die Staubentfaltung eindämmte. Spezielle Vorhänge vor dem Kesselhaus waren dazu da, den Lärm ebenfalls zu reduzieren und Splitter abzufangen.
Übungssprengung für Bundesheer
Die Kosten für die Unterstützungsleistung des Bundesheeres werden übrigens vom Bauunternehmen Porr bezahlt. Die Sprengung wurde von erfahrenen Fachleuten der Lehrgruppe Sprengdienst des Bundesheeres durchgeführt. 118 Soldaten waren in die Vorbereitungen eingebunden und nutzten das Projekt vor allem für Ausbildungszwecke.
Der laut Porr momentan größte industrielle Rückbau in Österreich geht mit dieser letzten Sprengung in die Endphase. Das Kraftwerk, dessen Block 1 seit 1948 in Betrieb war und dessen letzter produzierter Strom 2006 aus Block 3 floss, war prägend für die Region und von Weitem sichtbar. Nachdem die Reste der Sprengung beseitigt sind, will die Porr das rund 250.000 Quadratmeter große Areal rekultivieren. Die Gemeinde als Käufer erwartet eine „grüne Wiese“, auf der in Zukunft Gewerbe und Industrie Platz finden sollen.

Robert Cescutti
Kontrollierter Sturz des Kamins
Kamin schon im August gestürzt
Der 180 Meter hohe Schlot des Gebäudes war übrigens Anfang August vorzeitig von Roboterbaggern zum kontrollierten Umstürzen gebracht worden. Bei Abbrucharbeiten an Rohren im Inneren des Kamins war das Fundament beschädigt worden, weshalb der Turm in eine leichte Schieflage geraten war.
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