Vier Demokraten, 16 Republikaner
Die USA wählen 2016 ihren neuen Präsidenten. Im Kampf um die Kandidatur sind die ersten Kandidaten bereits wieder abgesprungen - 20 stehen zurzeit noch im politischen Ring. Während bei den Demokraten Hillary Clinton bereits als Fixstarterin gilt, zeichnet sich beim breiten Feld der Republikaner ein knappes Rennen um die Kandidatur ab.
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Vier Kandidaten der Demokraten stehen derzeit 16 Kandidaten der Republikaner gegenüber. Ein Überblick über die aktuellen Anwärter:
Hillary Rodham Clinton (Demokraten)
Bevor Hillary Clinton die Politikbühne betrat, war sie Anwältin. Während des Jusstudiums in Yale lernte sie auch ihren späteren Mann Bill kennen, dem sie in Sachen politischer Karriere nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Chelsea erst einmal den Vortritt ließ - die beiden zogen 1993 auch tatsächlich ins Weiße Haus ein und verblieben dort bis 2001. 1998 sollte die Affäre rund um Bill Clinton und Monika Lewinsky sie schwer demütigen.

AP/David Goldman
Im Hintergrund bastelte Clinton jedoch an ihrer eigenen politischen Karriere und gewann im Jahr 2000 einen Senatssitz für den Bundesstaat New York, das Sprungbrett für ihre Bewerbung für die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2008. Im Vorfeld als Favoritin gehandelt, musste sie sich bei diesem Wahlkampf letztlich allerdings ihrem Konkurrenten Barack Obama geschlagen geben. Dieser holte sie nach seinem Wahlsieg als Außenministerin ins Kabinett, wo sie vier Jahre blieb und ausgezeichnete Beliebtheitswerte erlangte.
Rücklagen, die sie jetzt brauchen kann, denn die Affäre rund um die Verwendung ihrer privaten E-Mail-Adresse in ihrer Zeit als Außenministerin beschädigte ihr Ansehen bereits vorm Start ihrer Kampagne. Mit dieser will die 67-Jährige ganz den Mittelstand ins Visier nehmen, ihr Schlagwort ist soziale Gerechtigkeit.
Lawrence Lessig (Demokraten)
Lawrence Lessig ist Professor für Rechtswissenschaften an der Harvard Law School und führt bereits seit Jahren einen Kampf gegen erkauften Einfluss in der US-Politik. Er vertritt die Meinung, dass die Wahlkampffinanzierung ein Kern der politischen Probleme in den Vereinigten Staaten sei. Mit seiner Kandidatur für das Präsidentenamt will der 54-Jährige das politische System „hacken“, das seiner Meinung nach Kandidaten mit reichen Spendern im Hintergrund unverhältnismäßig bevorzugt.

Reuters/Brian Snyder
Martin O’Malley (Demokraten)
Als progressivere Alternative zu Hillary Clinton will sich Martin O’Malley, dritter Demokraten-Kandidat und ehemaliger Bürgermeister von Baltimore sowie Gouverneur von Maryland, positionieren. Während seiner Zeit als Gouverneur führte der 52-Jährige die Homosexuellenehe ein, schaffte die Todesstrafe ab und erhöhte den Mindestlohn. Für die große Mehrheit der US-Bürger außerhalb der Gegend zwischen Washington und New York ist er jedoch ein Unbekannter.

AP/Cheryl Senter
Bernie Sanders (Demokraten)
Der vierte in der Runde der Demokraten ist der US-Senator Bernie Sanders. Sein Plan ist es, Hillary Clinton „von links“ unter Druck zu setzen. Sanders bezeichnet sich selbst als Sozialist und warnt seit Jahren vor der wachsenden Kluft zwischen dem Großteil der US-Bevölkerung und den Superreichen. „99 Prozent des in diesem Land geschaffenen Einkommens geht an das oberste Prozent“, so der 73-Jährige. Diese Wirtschaftsform sei „unmoralisch“ und „nicht nachhaltig“. Vor allem den Einfluss der Reichen auf die Politik findet er alarmierend. Wie alle anderen Kandidaten dürfte Sanders zwar kaum Chancen gegen Clinton haben, er könnte die frühere Außenministerin und First Lady aber zu einem schärferen wirtschaftspolitischen Profil drängen.

AP/CQ Roll Call/Tom Williams
Während bei den Demokraten die Fronten weitestgehend geklärt seien dürften, zeichnet sich bei den Republikanern im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur ein harter Kampf ab.
Jeb Bush (Republikaner)
Als dritter Angehöriger des Bush-Clans will Jeb Bush 2016 ins Oval Office einziehen. Auch der 62-Jährige war Gouverneur, von 1999 bis 2007 regierte er den Bundesstaat Florida. Mit seiner mexikanischstämmigen Frau und seinen Spanischkenntnissen versucht Bush, die Hispanics im Lande auf seine Seite zu ziehen. Neben Wirtschaftswachstum und Einwanderungsreform erklärte er auch die Außenpolitik zum Wahlkampfthema. Die Frage, die Beobachter natürlich besonders beschäftigt, ist, wie Jeb Bush es mit seinem Clan hält. Dass er bei seiner Bewerbungsrede Bruder und Vater nicht einmal erwähnte und auch seine Kampagne den schlichten Namen „Jeb“ trägt, könnte dabei Bände sprechen.

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Ben Carson (Republikaner)
Der pensionierte Neurochirurg Ben Carson sorgte bereits 1987 für ein breites Medienecho, als er die erste Trennungsoperation an am Kopf zusammengewachsenen Zwillingen durchführte und beide Kinder überlebten. Jetzt feiert Ben Carson sein Debüt auf der Politbühne und mausert sich dabei zum Liebling der Tea-Party. Carson ist ein ausgemachter Gegner der Gesundheitsreform - einmal nannte er Obamacare „das Schlimmste, was dieser Nation seit der Sklaverei widerfahren ist“. Auch in Sachen Homorechte ist der 63-Jährige ein Hardliner. So verglich Carson Schwule mit Pädophilen und erklärte, die Erfahrung aus Gefängnissen zeige, dass Homosexualität eine „freie Entscheidung“ sei.

AP/Paul Sancya
Marco Rubio (Republikaner)
Marco Rubios Eltern stammen aus Kuba, er spricht fließend Spanisch - und gilt vielen als Mann der Zukunft bei den Republikanern, die gegen ihren Ruf als weißer Altherrenclub ankämpfen wollen. Der ehemalige Anwalt gilt als Zukunftshoffnung der Partei, denn ihm könnte es gelingen, die große Wählergruppe der Latinos für die Republikaner anzuzapfen. Der Einstieg in die Politik gelang dem 44-Jährigen als Stadtrat von Westmiami, ehe er im Jänner 2000 mit 28 Jahren in das Repräsentantenhaus von Florida einzog und dort 2007 erster hispanischstämmiger Parlamentspräsident wurde. Sein Mentor war ausgerechnet Jeb Bush, dem er jetzt durchaus gefährlich werden könnte.

AP/Molly Riley
Ted Cruz (Republikaner)
Der sowohl erzkonservative als auch scharfzüngige US-Senator Ted Cruz war der erste Republikaner, der offiziell seine Kandidatur für das Präsidentenamt bekanntgegeben hatte. Der Texaner zählt mit 44 Jahren gemeinsam mit dem gleich alten Rubio zu den jüngsten unter den Kandidaten. Mit seiner Haltung gegen Abtreibung, Waffengesetze und „Big Government“ positioniert er sich im Herzen der Tea-Party. Wie Carson ist auch er ein erbitterter Gegner von Obamas Gesundheitsreform.

AP/Cliff Owen
Carly Fiorina (Republikaner)
Bis dato ist Carly Fiorina die einzige Frau unter den republikanischen Kandidaten. Die 60-Jährige war von 1999 bis 2005 Chefin von Hewlett-Packard, musste aber auf Druck des Verwaltungsrats das Feld räumen, weil die Entwicklung des Unternehmens unter den Erwartungen der Aktionäre blieb. Politische Erfahrung sammelte Fiorina als Wirtschaftsberaterin in John McCains Präsidentschaftskampagne im Jahr 2008, ihr daraufhin ersehntes Senatorenamt blieb ihr allerdings verwehrt. Jüngste Statements von ehemaligen Mitarbeitern dieser Kampagne rücken sie auch in kein gutes Licht: Zwölf von 30 ehemaligen Kampagnenmitarbeitern würden nicht mehr für die Managerin arbeiten, weil sie vier Jahre lang nicht bezahlt wurden. Und das, obwohl Fiorina ein Vermögen von 59 Millionen Dollar besitzt.

AP/CQ Roll Call/Bill Clark
Donald Trump (Republikaner)
Der steinreiche Immobilienmogul Donald Trump geht ebenfalls ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Bei seiner Bewerbungsrede kündigte Trump an, er wolle „Amerika wieder großartig machen“. Dass Großspurigkeit zu seinem Markenzeichen geworden ist, stört „The Donald“ nicht. Sie sichert ihm die Aufmerksamkeit, die er stets will. Mit seiner reißerischen und konfrontativen Art sowie Attacken gegen seine politischen Gegner und illegal Eingewanderte sorgt er regelmäßig für Aufregung. Trump selbst gibt sein Vermögen mit mehr als zehn Milliarden Dollar (9,2 Mrd. Euro) an, das Magazin „Forbes“ stuft es mit vier Milliarden (3,6 Mrd. Euro) deutlich niedriger ein.

AP/Richard Drew
Chris Christie (Republikaner)
Mit demonstrativer Bürgernähe geht Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, ins Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Der Gouverneur, ideologisch in der Mitte platziert, lebt dabei vor allem von dem Ruf, dass er sich nicht an politischen Spielchen beteiligt und das Wohl der Bürger über alles stellt. Auch sein Wahlkampfslogan „Die Dinge beim Namen nennen“ pflegt dieses Image. Sein Ruf erlitt allerdings Anfang 2014 einen schweren Kratzer, als der „Bridgegate“-Skandal aufkam. Mitarbeiter von Christie sollen mit der Teilsperrung einer stark befahrenen Brücke nach New York ein Verkehrschaos angerichtet haben, um einen Bürgermeister für mangelnde politische Unterstützung zu bestrafen. Die Provinzposse hängt dem Präsidentschaftsbewerber noch heute nach.

Reuters/Brendan McDermid
Jim Gilmore (Republikaner)
Jim Gilmore war von 1998 bis 2002 Gouverneur von Virginia. Er führte die Regierungsgeschäfte, als bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auch ein Flugzeug in das in Virginia gelegene Pentagon stürzte. Später leitete er eine nach ihm benannte Kommission, die den damaligen US-Präsidenten George W. Bush in Fragen der inneren Sicherheit und der Terrorismusbekämpfung beriet. Außerhalb von Virginia ist der 63-jährige Gilmore kaum bekannt.

AP/Jim Cole
Lindsey Graham (Republikaner)
Als außenpolitischer Hardliner präsentiert sich der US-Senator Lindsey Graham. „Ich will Präsident werden, um die Feinde zu besiegen, die versuchen, uns zu töten“, sagte er. Präsident Barack Obama warf er vor, die USA mit seiner internationalen Zurückhaltung „unsicherer“ gemacht zu haben. Außerdem ging er die frühere Außenministerin und demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton scharf an, die in ihrer Amtszeit „gefährliche Fehler“ begangen habe. Bei innenpolitischen Themen wie der Einwanderungsreform zeigte sich der Jurist und frühere Luftwaffenoffizier bereit zu Kompromissen mit Obamas Demokraten und musste dafür Kritik von erzkonservativen Parteifreunden einstecken. Der 59-jährige Junggeselle musste sich allerdings fragen lassen, wen er im Fall eines Wahlsiegs als First Lady mit auf Staatsreisen nähme.

AP/Rainier Ehrhardt
Mick Huckabee (Republikaner)
Ein weiterer wertkonservativer Kandidat der Republikaner ist Mick Huckabee, Ex-Gouverneur von Arkansas, Baptistenprediger, Autor mehrerer Bücher und ehemaliger Fernsehmoderator beim Fox News Channel. Bereits 2008 ging Huckabee in das Rennen um die Präsidentschaft, konnte die Nominierung aber nicht gewinnen. Der 59-jährige Vater dreier erwachsener Kinder ist vor allem beim evangelikalen Wählerblock innerhalb der Republikanischen Partei beliebt. Huckabee lehnt Abtreibungen und die Homosexuellenehe strikt ab. In der Außenpolitik warnte er am Dienstag vor allem vor den Gefahren durch radikale Islamisten. „Als Präsident, das verspreche ich, werden wir nicht länger nur versuchen, den Dschihadismus einzudämmen“, sagte er. „Wir werden ihn besiegen.“

AP/Danny Johnston
Bobby Jindal (Republikaner)
Mit Louisianas Gouverneur Bobby Jindal stieg der 13. Kandidat in das Rennen um die Nominierung bei den republikanischen Vorwahlen ein. Jindal richtet sich an die religiöse Rechte und verkauft sich gern als Musterbeispiel gelungener Integration: Seine Eltern wanderten aus Indien ein, den eigenen indischen Vornamen Piyush tauschte er gegen „Bobby“. Jindal wuchs als Hindu auf, bekennt sich aber zum Katholizismus - und hat schon mehrfach vor angeblich von Muslimen geschaffenen „No-Go-Areas“ in Europa gewarnt.

Reuters/Jonathan Bachman
John Kasich (Republikaner)
Auch der Gouverneur des Bundesstaats Ohio hat sich für eine Kandidatur entschieden. John Kasich gilt als moderater Konservativer, der als oberste Priorität die Sanierung der Staatsfinanzen anführt. Der 63-Jährige war unter Bill Clinton Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus, saß dort von Jänner 1983 bis Jänner 2000 als Abgeordneter und arbeitete bis zum Kollaps des Geldhauses für die Investmentbank Lehman Brothers. Kasich will seine Wähler vor allem mit seiner politischen Erfahrung überzeugen.

AP/The Detroit News/Max Ortiz
George Pataki (Republikaner)
Trotz der Tatsache, dass George Pataki als Republikaner im stark demokratisch geprägten Bundesstaat New York für ganze drei Amtszeiten als Gouverneur reüssieren konnte, gilt der 69-Jährige unter den republikanischen Kandidaten als Underdog. Während seiner Amtszeit fanden auch die Anschläge vom 11. September statt, was ihn laut eigenen Angaben wertvolle Vorteile im Kampf gegen den Islamischen Staat liefert. Pataki gilt als gemäßigter Republikaner, hat unter anderem das Recht auf Abtreibung gestärkt und harte Gesetze zur Registrierung von Schusswaffen durchgebracht.

AP/Jim Cole
Rand Paul (Republikaner)
Rand Paul, Senator aus Kentucky, steht für die libertäre Strömung, die den Staat auf das Allernötigste reduzieren will. Zugleich vertritt der 52-Jährige eher liberale Haltungen in der Drogenpolitik, beim Schutz der Bürgerrechte und in Sachen Einwanderung. Das Engagement des US-Militärs in der Welt sieht er skeptisch. Bei seiner Bewerbungsrede kündigte der ehemalige Augenarzt an, eine „andere Art von Republikaner sein zu wollen“. Außerdem schwor er, die „Washington-Maschine“ zerstören zu wollen.

AP/Ross D. Franklin
Rick Santorum (Republikaner)
Auch Rick Santorum versucht es nach 2012 noch einmal. Schon damals zählte der Katholik mit den erzkonservativen Ansichten zu den Außenseitern, konnte aber gute Resultate einfahren. Heuer will der 57-jährige Ex-Senator der arbeitenden Bevölkerung in den USA eine Stimme geben und konservative Werte verteidigen. Santorum ist ein entschiedener Gegner von Homosexuellenehe und Abtreibung und ein harter Kritiker von Barack Obamas „zu lascher“ Außenpolitik. Santorum könnte dieses an den zahlreichen konservativen Hardlinern im republikanischen Kandidatenfeld zu knabbern haben.

Reuters/Aaron Josefczyk