Kanada: Premier macht in Regierung „halbe-halbe“
Kanada hat nun auch offiziell einen neuen Regierungschef. Zwei Wochen nach der Parlamentswahl mit einem überraschend deutlichen Sieg der Liberalen wurde gestern Justin Trudeau zum neuen Premierminister des zweitgrößten Landes der Erde vereidigt. Der 43-Jährige hatte Stephen Harper von den Konservativen nach zehn Jahren aus dem Amt gedrängt.
Trudeau stellte zugleich sein neues Kabinett vor, das aus vielen Neulingen besteht. Von den 30 Regierungsmitgliedern neben Trudeau sind 15 Frauen. Auf die Frage, wieso er in der Regierung „halbe-halbe“ mit Männern und Frauen macht, antwortete er kurz: „Weil wir 2015 haben.“

APA/AFP/Chris Wattie
Sikh als Verteidigungsminister
Außenminister wird Stephane Dion, der für die Liberale Partei seit Jahrzehnten einflussreiche Posten bekleidet hatte. Der in Indien geborene Harjit Sajjan wird Verteidigungsminister. Er ist Offizier und trug als Sikh zur kanadischen Uniform offiziell einen traditionellen Turban.
Zu den Neulingen gehört Bill Morneau. Der Geschäftsmann wurde als Finanzminister vereidigt. Jody Wilson-Raybould, eine Nachfahrin von Kanadas Indigenen, wurde Justizministerin.
Trudeau hatte seinen Wählern eine „positive Politik“ versprochen und will sich vor allem auf die Mittelklasse konzentrieren. Reiche sollen unter ihm höhere Steuern zahlen, staatliche Konjunkturspritzen die Wirtschaft ankurbeln. Dafür will Trudeau auch neue Staatsschulden in Kauf nehmen.
In einem seiner ersten Schritte hatte er die Flugzeuge der kanadischen Luftwaffe von den Einsätzen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat abberufen. Er ist der Sohn des 2000 gestorbenen Pierre Trudeau, der als Premier Kanada in den 70er Jahren geprägt hatte.