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„Wiedervereinigung ist ein voller Erfolg“

25 Jahre deutsche Einheit: Ganz Deutschland hat am Samstag der denkwürdigen Ereignisse vom 3. Oktober 1990 gedacht - sei es auf der von Zehntausenden besuchten Festmeile vor dem Brandenburger Tor in Berlin oder beim offiziellen Festakt in Frankfurt am Main. Dort lobte Deutschlands Präsident Joachim Gauck die Wiedervereinigung als große Leistung von Millionen von Menschen - Deutschland stehe nun aber bereits vor einer neuen, möglicherweise noch größeren Herausforderung.

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„Wie 1990 erwartet uns eine Herausforderung, die Generationen beschäftigen wird. Doch anders als damals soll nun zusammenwachsen, was bisher nicht zusammengehörte“, sagte das deutsche Staatsoberhaupt vor den rund 1.500 in der Alten Oper versammelten Gästen. Auch damals habe es kein historisches Vorbild gegeben, trotzdem hätten Millionen Menschen die Aufgabe angenommen und bewältigt.

Europa „mitten in Zerreißprobe“

Gauck würdigte die Leistungen der Bürgerrechtsbewegung in der DDR auf dem Weg zur deutschen Wiedervereinigung. Mit ihrem Aufbegehren von 1989 hätten die Ostdeutschen den Westdeutschen ein großes Geschenk gemacht. „Die friedliche Revolution zeigt: Wir Deutschen können Freiheit.“ Umgekehrt hätten die Westdeutschen auch den Ostdeutschen ein Geschenk gemacht: das Grundgesetz, eine funktionierende Demokratie, eine unabhängige Justiz und das Sozialsystem.

Deutschlands Präsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Tag der deutschen Einheit in Frankfurt

APA/AP/dpa/Boris Roessler

Gauck und Merkel auf dem Weg zum offiziellen Festakt

Auch damals habe es Ängste und Fragen gegeben - wie heute angesichts der hohen Flüchtlingszahlen. Allerdings: Ost- und Westdeutsche sprächen dieselbe Sprache und blickten auf dieselbe Kultur und Geschichte zurück. „Wie viel größere Distanzen dagegen sind zu überwinden in einem Land, das zum Einwanderungsland geworden ist.“ Die Debatte über die neue Aufgabe sei auch mit Kontroversen verbunden. „Lassen Sie aus Kontroversen keine Feindschaften entstehen“, mahnte Gauck unter großem Beifall der Gäste.

„Unsere Möglichkeiten sind endlich“

Gauck äußerte in seiner Festrede aber auch Verständnis für Ängste in der Bevölkerung. Es spüre wohl fast jeder, wie sich in die große Hilfsbereitschaft der Menschen auch Sorge schleiche. „Dies ist unser Dilemma: Wir wollen helfen. Unser Herz ist weit. Aber unsere Möglichkeiten sind endlich.“ Europa stehe „mitten in einer Zerreißprobe“. Noch habe der Druck die Staaten nicht zusammengeführt. „Allerdings zeigen die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Union, dass die Einsicht wächst: Es kann keine Lösung in der Flüchtlingsfrage geben - es sei denn, sie ist europäisch.“

Auch Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm zur aktuellen Flüchtlingsproblematik Stellung und rief in ihrer Rede zur internationalen Zusammenarbeit auf. Es müsse eine faire Aufgabenteilung geben, so Merkel: Noch nie habe es so viele Flüchtlinge gegeben. „Das müssen wir gemeinsam schaffen, Deutschland, Europa und die Welt.“ Mit Blick auf die Ereignisse vor 25 Jahren sagte Merkel aber auch: „Es ist wunderschön, dass wir heute den 25. Jahrestag der deutschen Einheit feiern können. Und ich erinnere mich noch genau an den Tag, an den 3. Oktober, damals im Jahre 1990, als die Feierlichkeiten in Berlin stattfanden und ähnlich schönes Wetter war.“

Danksagung an „Kanzler der Einheit“

Zum Festakt in der Alten Oper begrüßte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), als amtierender Bundesratspräsident Gastgeber der zentralen Einheitsfeier, unter anderen den früheren deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und den letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maiziere. An Helmut Kohl, der wie der frühere sowjetische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen konnte, sandte Bouffier Dank für dessen historische Leistung als „Kanzler der Einheit“.

Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Hannelore Kohl, Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident Richard von Weizsäcker am Tag der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990

APA/AP/dpa/Wolfgang Kumm

Kohl am 3. Oktober 1990 mit Genscher (l.), Hannelore Kohl und dem damaligen deutschen Präsidenten Richard von Weizsäcker (r.) auf dem Balkon des Berliner Reichstages

Geladen waren unter anderem auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und der südkoreanische Vereinigungsminister Hong Yong Pyo sowie rund 50 Bürgerrechtler aus der ehemaligen DDR, darunter Vera Lengsfeld, Marianne Birthler und Freya Klier. Den DDR-Bürgerrechtlern, die bei der Feier in der ersten Reihe saßen, sprach Bouffier Anerkennung für ihren Mut aus: „Dieser Tag ist besonders auch Ihr Tag.“ Auch eine Gruppe Flüchtlinge nahm auf Einladung der hessischen Landesregierung am Festakt teil. An sie appellierte Bouffier, auf der Grundlage der klaren Werte der Verfassung eine gemeinsame Zukunft aufzubauen.

Putin ortet „gegenseitige Entfremdung“

„Die Vereinigung Deutschlands bedeutete vor einem Vierteljahrhundert das Ende des Kalten Krieges in Europa und hat ein neues Kapitel in der Geschichte der Beziehungen unserer Länder eröffnet“, hieß es unterdessen in einem an Gauck und Merkel adressiertes Glückwunschtelegramm von Russlands Präsident Wladimir Putin. Der russische Staatschef warnte darin aber auch vor einer Entfremdung zwischen Deutschland und Russland. Ohne die Konflikte um die Ukraine und Syrien direkt zu nennen, betonte Putin in dem Schreiben, dass es in der aktuell komplizierten internationalen Situation sehr wichtig sei, eine „gegenseitige Entfremdung“ nicht zuzulassen.

Ähnlich äußerte sich Gorbatschow. „Wir sollten das tun, was nach der Wiedervereinigung getan wurde. Das waren musterhafte Beziehungen. Sie bleiben auch heute noch so, wenngleich es auf der Regierungsebene etwas hapert“, sagte der Friedensnobelpreisträger der Agentur Ria Nowosti in Moskau.

Zahlreiche Menschen beim Fest zu 25 Jahre deutsche Einheit in Frankfurt

APA/AFP/dpa/Frank Rumpenhorst

Dichtes Gedränge bei der Einheitsfeier in Frankfurt am Main

Zehntausende beim Berliner „Festival der Einheit“

Der Festakt war der Höhepunkt der Einheitsfeiern in Frankfurt. Zu einem dreitägigen Bürgerfest unter dem Motto „Grenzen überwinden“, das schon am Freitag begann, werden eine Million Menschen erwartet. Bei einer Demonstration gegen die Einheitsfeier zogen am Freitagabend laut Polizei rund 1.000 Menschen durch die Stadt. Zwischenfälle gab es nicht.

Schauplatz der größten Feier zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit ist am Samstag zudem Berlin. Zur Festmeile am Brandenburger Tor strömten bereits seit dem Samstagvormittag zahlreiche Berliner und Touristen.

Lammert: Nie glücklichere Zeiten gegeben

Der Präsident des deutschen Bundestages, Norbert Lammert (CDU), sagte am Abend bei einem auch von Merkel besuchten Festakt im deutschen Bundestag schließlich, dass es wohl nie „glücklichere Zeiten“ in Deutschland gab - die deutsche Einheit und das Zusammenwachsen Europas seien aber nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen.

Lammert verwies darauf, dass inzwischen die erste Generation des wiedervereinigten Deutschland herangewachsen ist. „Und zum ersten Mal überhaupt in der deutschen Geschichte leben wir in Frieden mit allen unseren Nachbarn.“ Deutschland sei Vorbild und Zufluchtsort für viele und für manche sogar ein Sehnsuchtsland. Daraus sei eine besondere Verantwortung entstanden, der mit Selbstbewusstsein und Augenmaß Rechnung getragen werden sollte. Das Glück der Einheit sollte Lammert zufolge somit auch Ermutigung sein, neue Herausforderungen anzugehen.

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