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Laufend Neubewertung nötig

Es ist ein Kraftakt für Behörden und Helfer: 13.000 Flüchtlinge haben die Nacht auf Mittwoch in organisierten und betreuten Quartieren in Österreich verbracht. Damit sei ein Höchststand erreicht worden, sagte Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes. 940 weitere Menschen hätten die Nacht auf Bahnhöfen und Sammelstellen verbracht. Wann und wo Hilfe nötig ist, ändert sich aber fast stündlich.

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Über die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland weitergereist sind, gibt es keine exakten Angaben. Laut Foitik, zuständig für die bundesweite Koordination von Notunterkünften, gab es 6.500 organisierte Grenzübertritte. „Viele Menschen, die in Österreich Zwischenstation gemacht haben, sind aber selbstständig weitergereist, vielfach über die ‚grüne Grenze‘.“

Warnung vor „gut gemeinter“ Hilfe

„In den vergangenen zwei Tagen sind etwa 10.000 Menschen aus unserem Betreuungssystem sozusagen verschwunden“, sagte Foitik. Seinen Appell an Private und Taxifahrer, Flüchtlinge nicht auf eigene Faust zu Bahnhöfen zu bringen, erneuerte Foitik am Mittwoch. Die unerwartete Ankunft von Menschen erschwert nämlich sämtliche Bemühungen, für reibungslose Transporte per Bahn zu sorgen. „Das war in den vergangenen drei Tagen ein Problem und das ist auch heute so. Wir wissen, dass es gut gemeint ist, aber es schadet nur, und zwar der gesamten Community.“

Auf eigene Faust Richtung Deutschland

Besonders in Salzburg offenbarte sich am Mittwoch das Problem: Rund 2.000 Flüchtlinge waren Mittwochvormittag im Bahnhof. Der Zugsverkehr nach Deutschland wurde eingestellt, der Bahnhof stand kurz vor der Räumung. Ein Großteil der Flüchtlinge machte sich dann zu Fuß auf und versuchte so nach Deutschland zu gelangen - mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Stunden zuvor hatten sich 400 Flüchtlinge geweigert, in eine etwas entfernte Notunterkunft gebracht zu werden - aus Angst davor, einen Zug nach Bayern zu versäumen. Ähnliche Erfahrungen machte Kärnten. Dort wurde in aller Eile ein Notquartier eingerichtet, die erwarteten 1.200 Flüchtlinge aus Ostösterreich kamen aber nie an. Die Menschen, die nach Deutschland wollen, weigerten sich, in die Sonderzüge Richtung Süden einzusteigen - mehr dazu in kaernten.ORF.at.

Wieder mehr Asylanträge in Österreich

Die Entschleunigung der Situation durch die Grenzkontrollen Deutschlands wirkt sich mittlerweile auch auf die Asylzahlen in Österreich aus. War man zuletzt sogar unter den Schnitt der vergangenen Wochen von 300 Anträgen gerutscht, da nach offiziellen Angaben 99 Prozent der über Ungarn kommenden Flüchtlinge nach Deutschland wollten, gibt es nun offenbar bei so manchem Asylsuchenden ein Umdenken. In den vergangenen 48 Stunden wurden mindestens 850 Asylanträge in Österreich gezählt.

Jeden Tag neue Herausforderung

Wie schnell sich die Situation ändern kann, war auch auf den Wiener Bahnhöfen zu sehen. Dienstagabend befanden sich 4.000 im Westbahnhof, rund 1.000 im Hauptbahnhof. Im Laufe der Nacht ließen sich fast alle in Notunterkünfte bringen, die beiden Bahnhöfe waren fast leer. Am Mittwoch trafen aber erneut Hunderte Menschen ein - mehr dazu in wien.ORF.at.

Für die vielen freiwilligen Helfer auf den Bahnhöfen sind die sich täglich verändernden Bedingungen und Herausforderungen schon fast Routine. Vor allem über Soziale Netzwerke wird kommuniziert, was an Hilfe gebraucht wird - und was nicht. Und der „Nachschub“ mit Hilfsgütern und -leistungen funktioniert im Wesentlichen ebenso schnell.

Notquartiere aus dem Boden gestampft

Dass Hilfsorganisationen, Behörden und freiwillige Helfer so kurzfristige Tausende Plätze für Notschlafstellen aus dem Boden stampfen können, wäre wohl vor einigen Wochen kaum vorstellbar gewesen - man erinnere sich an die Misere in Traiskirchen, bei der einer viel geringeren Anzahl an Menschen kein Dach über dem Kopf geboten werden konnte. Freilich sind einige der Unterkünfte auch nur sehr kurzfristig. Eine Messehalle in Tulln, wo vorübergehend 1.000 Menschen untergebracht waren, musste etwa wegen einer bevorstehenden Veranstaltung geräumt werden. Die Flüchtlinge wurden in Unterkünfte in Linz und Schärding verlegt.

Maßnahmen im Burgenland schon obsolet?

Wie schwierig die Planung ist, zeigt sich derzeit vor allem an der ungarischen Grenze: Hatten in den vergangenen Tagen noch Tausende täglich die Grenze überquert, ist es dort mittlerweile vollkommen ruhig - nicht zuletzt wegen der Grenzschließung Ungarns zu Serbien. Wie viele Flüchtlinge derzeit noch in Ungarn sind und nach Österreich kommen werden, ist unklar - viele dürften es nicht sein. Insofern scheinen die als Notmaßnahme eingesetzten Grenzkontrollen inklusive Assistenzeinsatz des Bundesheeres praktisch mit der Einführung obsolet.

Dass die derzeitige Verschnaufpause für Österreich von Dauer sein wird, ist unwahrscheinlich. Vielmehr zeichnet sich ab, dass sich die Flüchtlingsroute Richtung Kroatien und Slowenien verschieben wird, wodurch der Süden Österreichs in nächster Zeit zum „Hotspot“ werden könnte.

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