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„Sie können durchreisen“

Nach Kroatien erwägt auch Slowenien, ankommende Flüchtlinge in Richtung Österreich und Deutschland weiterreisen zu lassen. Der kroatische Innenminister Rannko Ostojic habe mit seinem slowenischen Amtskollegen gesprochen, teilte die Zagreber Regierung am Mittwoch auf Twitter mit: „Wenn es nötig ist, werden wir Korridore errichten.“

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Kroatien rechnet in den kommenden Tagen mit rund 4.000 Flüchtlingen. Das sagte Innenminister Ranko Ostojic am Mittwoch im Parlament. Rund 350 Menschen seien bisher am Mittwoch registriert worden, fügte er hinzu. Kroatien - das nicht zu den Schengen-Ländern gehört - habe aktuell die Kapazitäten, bis zu 1.500 Schutzsuchende täglich aufzunehmen. Die kroatische Regierung kündigte an, die Menschen Richtung Westen weiterziehen zu lassen. „Sie können durchreisen, und wir bereiten uns auf diese Möglichkeit vor“, sagte Regierungschef Zoran Milanovic vor dem Parlament.

Kroatische Polizisten beobachten Flüchtlinge auf einem Feld

Reuters/Antonio Bronic

Kroatische Grenzpolizisten beobachten Flüchtlinge an der Grenze zu Serbien

„Wir werden vor allem die Interessen und die Sicherheit Kroatiens im Sinn haben, aber wir werden nicht unsere menschliche, christliche Seite vergessen“, sagte der sozialdemokratische Ministerpräsident. Welche Hautfarbe oder Religion die Ankömmlinge hätten, sei nicht wichtig. „Diese Leute sind da, es sind Frauen, Kinder und Männer, die leben und etwas erreichen wollen.“ Es seien jedoch Menschen, die nicht in Kroatien leben wollten, so Milanovic.

Kurz: Europäisches Recht einhalten

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) fordert von Slowenien und Kroatien, in der Flüchtlingskrise europäisches Recht einzuhalten. Kurz habe am Mittwoch sowohl mit dem slowenischen Außenminister Karl Erjavec als auch mit seiner kroatischen Amtskollegin Vesna Pusic telefoniert und dabei auf die „hohe Belastung Österreichs“ hingewiesen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums zur APA.

Kurz habe die Außenminister auch über die österreichischen Kontrollen an der Grenze zu Slowenien informiert, fügte sein Sprecher hinzu. Bereits am Dienstag habe es vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise ein Treffen mit den Botschaftern Kroatiens und Sloweniens im Außenministerium gegeben. Das Innenministerium wird noch am Mittwoch Kontrollen an der österreichisch-slowenischen Grenze aufnehmen - mehr oesterreich.ORF.at.

Faymann trifft Amtskollegen

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wird am Donnerstag neben seinem kroatischen Amtskollegen Milanovic auch den slowenischen Premier Miro Cerar treffen. Das bestätigte Faymann-Sprecherin Susanna Enk am Mittwoch gegenüber der APA. Thema werde in beiden Fällen die Flüchtlingskrise sein. Geplant ist, dass Faymann zuerst Milanovic in Zagreb trifft und dann für ein Gespräch mit Cerar nach Ljubljana weiterreist.

Medien: Weitere Busse unterwegs

Die ersten Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran und Afghanistan waren in der Früh an der Grenze Serbiens zum EU-Nachbarland Kroatien angekommen. Die eintreffenden Flüchtlingen seien überwiegend Frauen und Kinder, berichtete das kroatische Staatsfernsehen. Die Menschen kamen sowohl mit dem Bus als auch mit Taxis in die serbische Grenzstadt Sid. Von dort aus brachen sie zu Fuß in die etwa zehn Kilometer entfernte kroatische Grenzstadt Tovarnik auf.

Karte zur alternativen Flüchtlingsroute

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Serbische Medien berichteten, mindestens zehn weitere Busse seien auf dem Weg aus der Ortschaft Presevo an der serbisch-mazedonischen Grenze nach Sid. Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar Kitarovic berief umgehend den Nationalen Sicherheitsrat ein. Sie warnte vor „möglichen sozialen, wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Auswirkungen“ der Flüchtlingskrise. Als mögliche Termine nannte sie Freitag oder Dienstag.

Landminen werden geräumt

Zwischen Presevo und dem Grenzübergang Walserberg in Salzburg liegen in etwa 1.190 Kilometer. Über Ungarn sind es zwar 1.305 Kilometer, allerdings ist die ungarische Schengen-Grenze schon nach 590 Kilometer erreicht, während auf der kroatischen Route der Schengen-Raum erst nach 803 Kilometer am Grenzübergang Bregana zu Slowenien erreicht wird. Aus diesem Grund war der Weg über Kroatien bisher bei den Flüchtlingen wenig beliebt. Zudem ist die Route über Kroatien und Slowenien topografisch herausfordernd.

Die größte Gefahr für die Flüchtlinge geht aber von Landminen aus. In Kroatien liegen nach Angaben der kroatischen Minenräumanstalt (CROMAC) noch fast 51.000 Minen im Boden. Gelegt wurden sie im serbisch-kroatischen Bürgerkrieg in den 1990er Jahren. In den Bezirken Osijek-Baranja und Zupanja, die beide in der Grenzregion zu Serbien liegen, gebe es noch sehr viele Minen und Blindgänger, sagte Martin Auracher von der Organisation Deutsche Minenräumer (DEMIRA) dem „Spiegel“ (Onlineausgabe). Darunter seien Anti-Fahrzeug-Minen oder Springsplitterminen, die eine Sprengkraft von einer kleinen Granate aufbringen könnten.

Solange die Flüchtlinge auf öffentlichen Flächen blieben, bestehe keine allzu große Gefahr, so der Experte. Die kroatische Regierung kündigte am Mittwoch dennoch an, Minenräumkommandos in die Region entsenden zu wollen.

Serbische Regierung weist Spekulationen zurück

Die serbische Regierung wies unterdessen Spekulationen zurück, wonach Flüchtlinge gezielt in Busse in Richtung kroatische Grenze gesetzt würden. „Wir haben gehört, dass Ungarn zugemacht hat, also hat uns die Polizei gesagt, dass wir hierher fahren sollen“, hatte eine Gruppe junger Syrer und Afghanen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP gesagt. Man weise die Menschen nicht an, bestimmte Routen einzuschlagen, unterstrich hingegen Arbeitsminister Aleksandar Vulin. „Weder können wir noch wollen wir das tun.“

Aussagen darüber zu treffen, ob sich die neue Route über Kroatien und Slowenien längerfristig etablieren werde, wäre noch verfrüht, sagte auch der serbische Innenminister Nebojsa Stefanovic. Er hatte in der Nacht auf Mittwoch den gesperrten Grenzübergang Horgos 1 (Röszke) besucht, wo Hunderte Flüchtlinge seit Montagabend warten, auf das ungarische Gebiet durchgelassen zu werden. Er werde sich am Mittwoch gegenüber seinem ungarischen Amtskollegen weiter für eine Wiedereröffnung des Grenzübergangs starkmachen, sagte er.

Deutschland erwartet Tausende Menschen

In Deutschland laufen unterdessen die Vorbereitung für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge, die über Österreich einreisen. Am Dienstag kamen nach Angaben der deutschen Bundespolizei mehr als 6.000 Menschen in Bayern an. Für Mittwoch werde ebenfalls mit einer vierstelligen Zahl an Migranten gerechnet, hieß es.

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