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„Problem lässt sich managen“

Das gegenwärtige Ausmaß der Flüchtlingskrise in Europa wird sich nach Einschätzung des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) frühestens im November abschwächen. „Bis Ende Oktober ist keine Änderung zu erwarten“, sagte UNHCR-Europa-Direktor Vincent Cochetel am Dienstag in Budapest.

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Allein auf der Balkan-Route sei Cochetel zufolge in den nächsten zehn Tagen mit 42.000 weiteren Flüchtlingen zu rechnen. In Griechenland seien zurzeit 30.000 Menschen unterwegs, in Mazedonien mindestens 7.000.

Jüngsten UNHCR-Angaben zufolge kamen in diesem Jahr bisher 360.000 Flüchtlinge über den Seeweg nach Europa. 51 Prozent davon aus Syrien, 14 Prozent aus Afghanistan, acht Prozent aus Eritrea, vier Prozent aus Nigeria und drei Prozent aus dem Irak, wobei in den vergangenen Tagen allerdings die Zahl der Iraker stark zugenommen habe.

In Griechenland kommen inzwischen etwa doppelt so viele Menschen mit Schlepperbooten an wie in Italien. Von Griechenland führt der Weg dann meist über Mazedonien, Serbien nach Ungarn und von dort weiter Richtung Westen - Großteils via Österreich nach Deutschland.

„Besorgt“ über Lage in Ungarn

Zurückgewiesen wurden vom UNHCR die jüngsten Aussagen von Ungarns Premier Viktor Orban, wonach viele der Flüchtlinge angesichts mangelnder Aussicht auf Asyl wieder zurückgeschickt werden müssten. Laut Cochetel haben vielmehr 85 Prozent der Flüchtlinge auch Anrecht auf Asyl.

Karte zu Flüchtlingsrouten am Balkan

Grafik: Map Resources/ORF; Quelle: Frontex

Eine der Hauptflüchtlingsrouten auf dem Balkan führt von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Ungarn

„Besorgt“ zeigte sich Cochetel mit Blick auf die jüngsten Berichte aus Ungarn. „Wir sind ziemlich besorgt darüber, dass viele unter sehr schlimmen Bedingungen in den Aufnahmezentren schlafen müssen.“ Diese Einrichtungen seien nicht für Aufenthalte über Nacht bestimmt. Ungeachtet der derzeit als problematisch betrachteten Situation bescheinigte Cochetel der ungarischen Polizei aber insgesamt gute Arbeit.

Gleichzeitig bot er Ungarn auch Hilfe des UNHCR an. Sollte mehr UNHCR-Unterstützung als bisher in Europa notwendig sein, müssten aber auch die UNO-Mitgliedsstaaten mehr Mittel dafür bereitstellen.

„Noch nie da gewesenes Phänomen“

Cochetel zeigte sich nicht zuletzt aber auch überzeugt, „dass sich das Problem managen lässt“. Allerdings werde eine Lösung dadurch erschwert, dass es kein Vertrauen unter den europäischen Staaten gebe. „Diese Krise lässt sich nicht allein von Deutschland lösen“, mahnte Cochetel. Ein entscheidender Vorstoß in Richtung einer gemeinsamen EU-Vorgangsweise wird in diesem Zusammenhang bereits am Mittwoch in Brüssel bei der Vorlage der jüngsten Pläne der EU-Kommission durch deren Präsidenten Jean-Claude Juncker erwartet.

Der für Migration zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos sprach in diesem Zusammenhang ebenfalls von einer bewältigbaren Aufgabe. Jetzt gehe es darum, praktische Solidarität unter Beweis zu stellen, die zu den Grundsätzen der EU gehöre. Die Flüchtlingskrise werde Europa Avramopoulos zufolge „noch einige Jahre beschäftigen“. Im Europaparlament in Straßburg sprach der EU-Kommissar am Dienstag zudem von einem in dieser Form noch nie da gewesenen Phänomen.

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