„Kleinen Urlaubsalltag“ attraktiver machen
Mit einem Nächtigungsplus von 4,6 Prozent (Mai bis Juli) dürfte der Sommer 2015 der Tourismusbranche das beste Ergebnis seit Jahrzehnten bringen. Vor allem das Wetter verleitete viele Gäste zu kurzfristigen Buchungen. „Wer sich jetzt zurücklehnt, liegt falsch“, warnte Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT). Gerade bei der Angebotsentwicklung gebe es Nachholbedarf.
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„Die Zu- und Abnahmen bei den Nächtigungen sind allein wettergeprägt“: Zellmann warnte vor übereiltem Jubel über die Sommersaison. „Das Gros bleibt aber gleich.“ Natürlich gebe es in Österreich eine hohe Servicequalität und gute Angebote, aber das allein sei zu wenig. Bei 136 Mio. Nächtigungen sei es nicht so entscheidend, ob die Vier- oder Fünfsternhotels mehr Hallenbäder errichten oder welche Großevents stattfinden, sondern das Angebot „im kleinen Urlaubsalltag“.
Subjektiver Eindruck entscheidet über Preis
Es seien oft Details, die den Unterschied ausmachen. Als Beispiel nannte Zellmann im Gespräch mit ORF.at die Markierung der Wanderwege. Auch bei beliebten Routen würden immer wieder Tafeln fehlen und so die Gäste verwirrt. Es gehe auch um „lächerliche Kleinigkeiten, wie dass Quartiergeber schon beim Frühstück Bescheid wissen über die aktuellen Angebote in der Region“, so Zellmann. Denn ob der Gast bereit ist, den angebotenen Preis zu zahlen, hänge von der subjektiven Qualität ab - und diese hänge wiederum mit dem Alltag und der Betreuung an Ort und Stelle zusammen, so der Tourismusexperte.
Heimische Qualität „selbstbewusster“ verkaufen
Gerade die Preisgestaltung bereitet den Touristikern zunehmend Kopfzerbrechen. „Die Preise, die wir durchsetzen können, sind nicht das, was wir brauchten. Wir haben im vergangenen Jahr nicht einmal den Umsatz vom Jahr 2000 erreicht“, sagte Michaela Reitterer von der Österreichischen Hoteliervereinigung.

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Auch Städte profitierten heuer vom guten Wetter
Als einen Grund sieht Reitterer die zuletzt rasant gestiegene Bettenanzahl vor allem im Luxussegment. So liege Wien im europäischen Vergleich bei der Auslastung im ersten Drittel, bei den Preisen jedoch im hinteren Viertel. Im Vergleich mit Paris und London zeige sich, dass der Gast „grundlegend bereit“ sei, höhere Preise zu akzeptieren, so Reitterer. „Überkapazitäten sind aber schlecht für den Preis.“
Hinzu kämen die steigenden Kosten für Qualität und Service. „Österreich bietet einen sehr hohen Standard“, so Reitterer, doch bei manchen Dienstleistungen habe man die Einstellung, das sei normal, und dafür könne man gar nicht mehr verlangen. „Man kann das, was wir hier haben, ruhig selbstbewusster verkaufen.“
Sommer und Winter brauchen zwei Strategien
Dabei stellt gerade der Sommer die Tourismusexperten vor besondere Herausforderungen. „Den Winter haben wir gut im Griff“, so Zellmann, „da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.“ Der Sommergast habe jedoch viele Spezialwünsche, die alle nebeneinanderstehen. „Wir haben hier zwei Tourismuswirtschaften, die nur bedingt miteinander zu tun haben“, so der Tourismusforscher. Doch dieses Verständnis sei in Österreich noch unterentwickelt, die großen Strategien „führen an diesen Tatsachen vorbei“. Die gute Stimmung nach dem Sommer solle als Arbeitsauftrag verstanden werden, um für die Zukunft auch bei schlechterem Wetter gut gerüstet zu sein, riet Zellmann.
„Nebensaisonen stärken“
Bei der Österreich Werbung ist man mit dem heurigen Sommer sehr zufrieden, wenn die Sommersaison auch erst mit Ende Oktober endet. „Zwar werden im Juli und August 50 Prozent der Nächtigungen erzielt, doch die zusätzlichen Nächtigungen passieren in den Nebensaisonen“, sagte Sprecherin Ulrike Rauch-Keschmann. Gerade in den letzten Jahren gab es Bestrebungen, den Ganzjahrestourismus zu stärken. Umso wichtiger seien wetterunabhängige Angebote, so Rauch-Keschmann, und die Einbindung des Gastes in regionale Aktivitäten. Auch hat sich in diesem Sommer der Trend zu kurzfristigeren Buchungen weiter verstärkt.
Der Kurzentschlossene ist König
Zahlreichen Onlineplattformen helfen Kurzentschlossenen, noch am Anreisetag ein Hotelzimmer zu finden, und ermöglichen die Stornierung bis wenige Stunden vor der Ankunft. „So gut wie alle kurzfristigen Buchungen kommen über Buchungsplattformen herein“, bestätigte Reitterer von der Hoteliervereinigung. Die Hotels und Pensionen müssten für dieses Service teils hohe Provisionen von bis zu 25 Prozent zahlen, „und das kommt vom Umsatz noch weg“. Auch wenn mittlerweile viele Quartiergeber versuchen, direkt über die eigenen Websites Zimmer zu vermieten, seien die Onlineanbieter nicht mehr wegzudenken. „Damit müssen wir leben.“

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Überkapazitäten machen Wien-Urlaube günstig
Die wachsende Zahl an Airbnb-Angeboten gerade in den Städten sorgt für zusätzliche Konkurrent. Die Betten, die von privaten „Gastgebern“ - meist an der Finanz vorbei - vermietet werden, haben laut einer Erhebung der Hoteliervereinigung allein in Wien die 10.000er-Marke erreicht. „Diese kommen noch zu den 60.000 Hotelzimmern dazu“, so Reitterer. In Anbetracht der Tatsache, dass es 2007 noch 45.000 Betten in der Hauptstadt gab, „ist das eine Größenordnung, die nicht nur die Auslastung, sondern auch den Preis betrifft“. Dennoch, die Stimmung nach diesem Sommer sei unter den Hoteliers „gut“, so Reitterer. Und man hoffe auf einen entsprechenden Winter - wobei man auch hier wieder von einem gnädigen Wettergott abhängig sei. Denn „ohne Schnee ist es kein Winter“.
Gabi Greiner, ORF.at
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