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Kontrollen mit Wermutstropfen

Fünf Schlepper sind bei der am Sonntag gestarteten Schwerpunktaktion in Ostösterreich festgenommen worden. Insgesamt wurden mehr als 200 Flüchtlinge aufgegriffen, zog Konrad Kogler, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) in Wien Bilanz.

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„Egal, wo sie sich befinden, wir wollen den Schleppern das Handwerk legen“, sagte Kogler. Dass das dichtere Netz an Kontrollen die Nachfrage der Flüchtlinge erhöhen könnte und Schleppungen dadurch teurer, aber nicht sicherer werden, bestätigte Mikl-Leitner. „Daher braucht es Anlaufstellen in Italien und in Griechenland, denn nur so kann man der Schlepperei die Geschäftsgrundlage entziehen“, sagte Mikl-Leitner.

Konrad Kogler (Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit) und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP)

APA/Robert Jäger

Konrad Kogler und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP)

Die Schwerpunktaktion entlang den Flüchtlingsrouten soll jedenfalls auf unbestimmte Zeit weitergehen, so Mikl-Leitner. Die Kontrollen an den Grenzen sorgten seit Montagfrüh bereits für Staus - burgenland.ORF.at.

Verkehrsbehinderungen „in Kauf nehmen“

Die grenznahen Kontroll-Hotspots seien mit den bayrischen, ungarischen und slowakischen Behörden akkordiert, hieß es vonseiten des Innenministeriums in einem Schreiben von Sonntag. Im Rahmen der Kontrollen werden im Nahbereich der Grenzübergänge in der Ostregion jene Fahrzeuge, die auf mögliche Schmuggelverstecke schließen lassen, angehalten und verkehrs- bzw. sicherheitspolizeilich überprüft.

Diese verstärkten Kontrollen würden zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen und zu Staubildung führen, warnte das Ministerium bereits am Sonntagabend. Um Menschenleben zu retten und die Schlepperkriminalität wirksam zu bekämpfen, müssten temporäre Verkehrsbehinderungen in Kauf genommen werden, heißt es in der Aussendung. „Wir stehen Verbrechern gegenüber, die mit außerordentlicher Skrupellosigkeit vorgehen. Daher müssen wir ihnen auch mit außergewöhnlicher Härte begegnen, um sie erfolgreich zu bekämpfen“, begründete Mikl-Leitner die Maßnahme gegen Schlepper.

Strache für Grenzzäune

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache will unterdessen nach dem Vorbild Ungarns Grenzzäune errichten. „Natürlich ist es auch abseits von Grenzübergängen notwendig, das Land mit Zäunen zu schützen, damit die illegale Schleppermafia ihrem mörderischen Geschäft nicht nachgehen kann“, sagt Strache in einem Interview für die Montag-Ausgabe der „Oberösterreichischen Nachrichten“ („OÖN“) auf die Stacheldrahtzäune angesprochen.

Den Vorschlag von Mikl-Leitner, den Flüchtlingen einen legalen Fluchtweg nach Europa zu ermöglichen, lehnte der FPÖ-Chef ab. „Wir können nicht sagen, die Völkerwanderung wird legalisiert.“

Grüne für Dublin-Abschaffung

Die Grünen sprechen sich für eine Abschaffung des Dublin-Systems aus. Darüber hinaus plädieren sie für die Wiedereinführung der Möglichkeit, Asylanträge in Botschaften zu stellen, konkret in Nachbarländern von Krisenstaaten sowie für die Schaffung sicherer Fluchtkorridore.

„Dublin“ funktioniere nicht, „gemacht wird es trotzdem“, sagte die Bundesvorsitzende der Grünen, Eva Glawischnig, am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Bundesregierung sollte sich Deutschland zum Vorbild nehmen, das das Dublin-Abkommen für syrische Flüchtlinge ausgesetzt hat. Nach Überzeugung der Grünen ist das Abkommen, wonach Flüchtlinge in jenem Land Asylanträge zu stellen haben, in dem sie erstmals EU-Boden betreten, verantwortlich für die ungleiche Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU.

„Wer für eine solidarische Verteilung ist, muss für die Abschaffung von ‚Dublin‘ sein“, sagte Menschenrechtssprecherin Alev Korun an die Adresse von Innenministerin Mikl-Leitner, die an dem Abkommen festhalten will, „obwohl es zu einer Überlastung der Bürokratie in den EU-Außenstaaten führt“.

Strolz fordert Flüchtlingsgipfel

NEOS-Chef Matthias Strolz fordert angesichts der Entwicklungen der vergangenen Tage einen Flüchtlingsgipfel in Österreich. Ihm sei angesichts der Lage, „wo Menschen in unseren Vorgärten krepieren“, nicht klar, „auf was wir warten“. Beim Durchgriffsrecht des Bundes bei der Flüchtlingsunterbringung werde NEOS mitstimmen, kündigte Strolz an.

Kontrollen „nur Tropfen auf dem heißen Stein“

Zur Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Österreichs halten die Grünen eine Unterbringung von 15 Flüchtlingen je 1.000 Einwohner für praktikabel. „Die Bevölkerung ist mutiger als so mancher Regierungspolitiker“, konstatierte Korun unter Verweis auf die Unterstützung von Flüchtlingen durch Privatpersonen, etwa durch direkte Kleiderspenden.

Nichts abgewinnen können die Grünen der geplanten Verschärfung des Schlepperparagrafen. Diese Maßnahme sei nicht geeignet, das Flüchtlingsproblem zu lösen. Unterstützung der Grünen findet der Vorschlag eines EU-Sondergipfels zur Flüchtlingsfrage. „Die von der Innenministerin viel zu spät veranlassten Kontrollen in Grenznähe sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, kritisierte indes Team-Stronach-Generalsekretär Christoph Hagen in einer Aussendung. Das Bundesheer solle vorübergehend die Grenzen kontrollieren, forderte er. Inzwischen solle eine eigens ausgebildete Grenzpolizei aufgestellt werden. Im Kampf gegen die Schlepper brauche es außerdem „eine drastische Erhöhung des Strafrahmens“. Team-Stronach-Klubobmann Robert Lugar pochte auf gesicherte Schutzzonen in Kriegsländern.

Mitterlehner: Dublin-Aussetzung nur auf EU-Ebene

ÖVP-Obmann Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner sprach sich am Montag gegen die von Deutschland vorgemachte nationale Aussetzung des Dublin-Verfahrens für syrische Flüchtlinge aus. Möglich sei das nur auf europäischer Ebene, andernfalls setze man sich des Vorwurfs einer Vertragsverletzung aus, sagte er in einer Pressekonferenz. Bundespräsident Heinz Fischer hatte die Aussetzung am Sonntag gefordert.

Die Dublin-Verordnung - sie regelt, dass Asylwerber in jenes EU-Land rückgeschoben werden können, wo sie erstmals registriert wurden - sei in ihrer Anwendung problematisch, so Mitterlehner unter Verweis etwa auf Griechenland und die Urteile zu den dortigen menschenrechtlichen Standards. Die EU habe eine Evaluierung angekündigt. Geplant sei sie erst für 2016. Nun werde man sehen, ob das auch schneller gehen werde.

„Kurz besser zuhören“

Er selbst sage dazu „nicht Ja und nicht Nein“, denn alle Maßnahmen hätten sowohl positiv als auch negative Auswirkungen. Mitterlehner wies auch zurück, dass es in der ÖVP eine „Doppelstrategie“ in Sachen Asyl gebe. In der Debatte über schärfere Grenzkontrollen hätte man Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) besser zuhören müssen. Auch dieser habe betont, dass diese derzeit nicht machbar seien, einzelne Länder bei Untätigkeit der EU aber wohl zu eigenen Maßnahmen greifen würden.

Dass es schnell eine europäische Lösung samt Aussetzung der Rückführung syrischer Flüchtlinge in europäische Länder geben sollte, hatte Bundespräsident Fischer am Sonntag bei der Eröffnung der Politischen Gespräche beim Europäischen Forum Alpbach gefordert. „Dublin aussetzen für einige Zeit und Quotensystem einführen wäre eine gute Kombination von Maßnahmen, und je früher, umso besser“, sagte er gegenüber dem ORF. „Europa muss sich schämen, dass seit Jahren der Umgang mit Flüchtlingen immer noch Fehler aufweist und immer noch Meinungsverschiedenheiten und Egoismen vorhanden sind.“

Bundesheer unterstützt Polizei

Unteressen wird die burgenländische Polizei seit dem Wochenende auch von Bundesheersoldaten unterstützt. „Das Bundesheer trägt dazu bei, die in Österreich ankommenden Menschen möglichst rasch und menschenwürdig zu versorgen. Die Soldatinnen und Soldaten entlasten die Einsatzkräfte der Polizei und des Roten Kreuzes“, betonte Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) am Sonntag in einer Aussendung. Konkret helfen derzeit im Burgenland insgesamt rund 50 Soldatinnen und Soldaten bei Verpflegung, Transport und Aufbau von Unterkünften für Flüchtlinge.

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