Zusätzliche Fahrbahn für einige Stunden
Fahren auf dem Pannenstreifen bei starkem Verkehr - das ist in mehreren Ländern gang und gäbe. Deutschland hat ein solches System ebenso wie England, die Schweiz und die Niederlande. Auch in Österreich wird seit Jahren darüber debattiert, ein entsprechender Vorschlag war bereits im letzten Regierungsprogramm enthalten. Die ASFINAG macht nun einen ersten Schritt und prüft das System auf gut 20 Testkilometern.
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Es geht vor allem um den Verkehr in Ballungsräumen - diesen wolle man flüssiger machen, erklärte ASFINAG-Geschäftsführer Rainer Kienreich gegenüber ORF.at die Beweggründe des Autobahnbetreibers für den Test. Das reduziere die Zahl der Auffahrunfälle und erhöhe so die Sicherheit. Das System sei „international erprobt“.
Wien, Salzburg und Innsbruck
In den Ballungsräumen von Wien, Salzburg und Innsbruck will man es nun auf überlasteten Strecken versuchen - vorerst allerdings nur mittels Berechnungen und Computersimulation. Untersucht werden die Ostautobahn (A4) vom Knoten Prater bis zum Knoten Schwechat in Fahrtrichtung Nickelsdorf (rund acht Kilometer), die Westautobahn (A1) von der Anschlussstelle Wallersee bis Salzburg-Nord in beiden Fahrtrichtungen (rund sieben Kilometer) und die Inntalautobahn (A12) zwischen Innsbruck-West und Zirl-Ost in beiden Fahrtrichtungen (rund neun Kilometer). Autofahrer sollen von den Tests nichts merken.
Kienreich sieht in der Nutzung des Pannenstreifens eine wirtschaftliche Lösung für den steigenden Verkehr vor allem in der Nähe von Ballungsräumen. Denn die Schaffung zusätzlicher Spuren - also eine Verbreiterung der Fahrbahn - sei dort oft nicht möglich. Fallen die Analysen positiv aus, könnten die Abschnitte frühestens Ende 2019 freigegeben werden. Dann sollen Autofahrer dort in den Stoßzeiten, also morgens und abends, tatsächlich für ein paar Stunden den Pannenstreifen benutzen können.
Nicht alle Pannenstreifen geeignet
Was Kienreich mehrfach betonte: „Was wir nicht wollen, ist, dass wir die ganzen Pannenstreifen in Österreich freigeben.“ Das gehe allein deswegen nicht, weil die Voraussetzungen dafür nicht überall gegeben seien: Nötig sind ein ausreichend breiter Pannenstreifen, lückenlose Kontrolle durch Verkehrskameras und Überkopfanzeigen, auf denen auf die erlaubte Nutzung hingewiesen wird. Auch bauliche Nachrüstungen sind erforderlich, um ausreichend Pannenbuchten zu schaffen.
Kommt es zu einem Unfall, muss wie bisher eine Rettungsgasse gebildet werden, um Einsatzfahrzeugen das Durchfahren zu ermöglichen - deswegen auch die Mindestbreite der Fahrbahn. Der ASFINAG-Geschäftsführer zeigt sich überzeugt, dass das auch funktionieren wird.
ÖAMTC: Nur Provisorium
Der ÖAMTC sieht die Pläne auf Nachfrage „entspannt bis positiv“. Bevor man sich den „ewigen Stau“ antue, sei das sicher ein guter Ansatz, sagte ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer gegenüber ORF.at. Neu sei dieser freilich nicht. Und die Pläne seien auch nur einmal ein Provisorium. Sollten bei Nadelöhren die Pannenstreifen für Autofahrer geöffnet werden, müsse man sich mittelfristig überlegen, eine zusätzliche Fahrspur zu bauen, so Hoffer. Denn den Pannenstreifen brauche es ja trotzdem. Allerdings hat auch aus seiner Sicht erst einmal die Staubekämpfung Vorrang.
Petra Fleck, ORF.at
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