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Toter als Joker in Ringen um Einfluss

Schon am Mittwoch, als mit vermutlich zwei Jahren Verspätung der Tod von Taliban-Anführer Mullah Omar vermeldet worden war, haben Experten gemutmaßt, dass der Zeitpunkt der Bekanntgabe taktisch gewählt war: Schließlich hätten am Freitag Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung beginnen sollen. Sie sind nun auf unbestimmte Zeit vertagt.

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Die zweite Runde der Friedensgespräche zwischen den Islamisten und der afghanischen Regierung hätte in Pakistan stattfinden sollen. Nun sei das Treffen auf Wunsch der Taliban verschoben worden, erklärte das pakistanische Außenministerium am Donnerstag. In ihrer derzeitigen Situation hätten die Taliban auch kaum irgendwelche Abmachungen aushandeln können: Mit dem Bekanntwerden von Omars Tod wurde auch der Machtkampf innerhalb der Taliban offensichtlich.

Mansour „einstimmig“ zum Nachfolger gewählt

Die zwei wichtigsten der unzähligen Fronten des internen Machtkampfs bei den Taliban sind zum einen die unterschiedlichen Auffassungen zwischen den pakistanischen und den afghanischen Taliban und zum anderen ein Generationskonflikt: Offensichtlich sind es gerade die älteren Taliban, die sich gegen Kompromisse mit der afghanischen Regierung stellen und mit der Abwanderung ihrer Verbände zur zusehends stärker werdenden Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) drohen.

Die afghanische Regierung hatte am Mittwoch Gerüchte bestätigt, wonach Omar bereits vor zwei Jahren in Pakistan gestorben sei. Afghanische Taliban-Verbände ernannten laut eigener Sache danach „einstimmig“ Mullah Akhtar Mohammad Mansour zum neuen Emir. Mansour befürwortet die Friedensgespräche. Wie die BBC unter Berufung auf Insider in Afghanistan berichtete, war die Wahl aber alles andere als einvernehmlich. Vor allem ältere, militante Taliban sähen in Mansour eine Marionette der pakistanischen Regierung.

Mansours Gegner wollen Omars Sohn inthronisieren

Nach Angaben eines ranghohen Taliban-Kommandanten in Pakistan wollen Mansours Gegner, dass Omars Sohn Yakoub neuer Anführer wird. Mansour war allerdings schon während der letzten vier Jahre Omars Vize. Er drohte dem IS zuletzt in einem Brief, sich nicht in Afghanistan einmischen. „Der Dschihad gegen die Invasionsarmee der Amerikaner und ihrer Diener in Afghanistan muss unter einer Flagge und einer Führung geführt werden“, hieß es darin.

Der Brief sollte wohl das Überlaufen weiterer Aufständischer zum IS sowie Kämpfe um Territorien und Geld unterbinden. Omar war dabei der Joker: Viele der älteren Taliban-Befehlshaber waren trotz wachsender Zweifel weiter bedingungslos loyal ihm gegenüber. Befürworter der Friedensgespräche wollten dem Toten nun offenbar entsprechende Empfehlungen in den Mund legen. Es ist gut möglich, dass Gegner des Dialogs das durch das Lancieren der Todesmeldung verhindern wollten.

Taliban leugnen Tod schon 2013

Der Machtkampf wird zusätzlich dadurch verschärft, dass die Taliban nach dem weitgehenden Rückzug der US-Truppen und ihrer Verbündeten aus Afghanistan derzeit weiter Boden gutmachen können und das entstehende Machtvakuum schnell besetzen. In der für ihre Opiumproduktion bekannten Provinz Helmand etwa eroberten die Kämpfer nach Angaben der Provinzverwaltung zuletzt nach zweitägigen Kämpfen den Bezirk Now Sad.

Am Donnerstag bestätigten die afghanischen Taliban auch selbst die Nachricht von Omars Tod, insistierten allerdings, er sei erst vor Kurzem gestorben. Seit dem Sturz der Taliban 2001 durch eine Militäroffensive unter Führung der USA war er nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Allerdings tauchten immer wieder Botschaften auf, die ihm zugeschrieben wurden - noch bis Mitte Juli. Da es in den vergangenen Monaten jedoch keine Audio- und Videobotschaften mehr gab, verdichteten sich die Gerüchte, Omar könne schon längst nicht mehr am Leben sein.

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