„Des Bergsteigers sechster Streich“
Die Empfehlung, an „geeignetes Schuhwerk und Bekleidung“ zu denken, gehört wohl nicht zum klassischen Einladungstext einer Museumseröffnung - es sei denn, beim Hausherrn handelt es sich um den ehemaligen Extrembergsteiger Reinhold Messner und bei dem nun umgesetzten Projekt um seinen „15. Achttausender“.
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Messners neues Bergmuseum namens Messner Mountain Museum (MMM) Corones liegt im Vergleich zu den 14 höchsten Bergen der Welt, die er als erster Bergsteiger alle bestiegen hat, dann doch auf bescheidenen 2.275 bequem per Gondellift erreichbaren Metern Seehöhe - einen Mangel an Superlativen gab es bei den Eröffnungsreden der Projektbeteiligten aber dennoch nicht.

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Nun für die Öffentlichkeit zugänglich: Messners MMM Corones auf dem Kronplatz
Messner sprach etwa von einem nahezu idealen Standort seiner nun zusammen mit dem Büro von Stararchitektin Zaha Hadid „in Perfektion“ finalisierten „Ursprungsidee“, der für Hadid angereiste Architekt Patrik Schumacher von einem „Gesamtkunstwerk“ und der Präsident der für den Kronplatz zuständigen Skirama, Matthias Prugger, gar von einem realisierten „Wunder“ und einer von Messner „perfekt bespielten Bühne“.
„Schwierigste Kletterei meines Lebens“
Inhaltlich dreht sich in dem nun seiner Bestimmung übergebenen MMM Corones alles um das Thema „Fels“ und damit die Besteigung der großen Wände als „Königsdisziplin des Alpinismus“. Zu sehen sind neben Bildern und Illustrationen auch etliche Requisiten aus Messners Bergsteigerleben - als das eigentliche Highlight gilt aber der Ausblick durch die eigens auf bestimmte, in Messners Karriere ausschlaggebende Berge ausgerichteten Aussichtsfenster. Darunter etwa mit dem Heiligenkreuzkofel auch der Schauplatz von Messners „schwierigster Kletterei meines Lebens“.

KRONPLATZ-ZAHA HADID
Querschnitt des größtenteils unterirdisch angelegten MMM Corones
Die Aussicht auf das imposante Bergpanorama gilt als zentral für das von Messner verfolgte Ziel. Das Museum hätte zwar durchaus in einer Großstadt wie London oder München errichtet werden können, nur hier sei es laut Messner aber möglich gewesen, „die wahren Berge mit ins Projekt zu holen“ und „museal zu verwerten".
Während man durch die Fenster „mit scharfen Augen bis zum Ortler“, dem weit im Westen gelegenen höchsten Berg des Landes, sehen kann, sieht man vom größtenteils unterirdisch angelegten Museum selbst von außen nur die in Hadids typischer Formensprache umgesetzten Aussichtsplattformen und den rund fünf Meter hohen Eingangsbereich.
Neues Aushängeschild einer Skiregion
Hinweise auf das neue Aushängeschild sind derzeit etwa in Reischach bei Bruneck, einer von insgesamt drei Talstationen, zwar noch rar - dem Wandel „von einem reinen Skiberg zu einer Ganzjahresattraktion“ steht laut Prugger dank dem „visionären“ Messner-Hadid-Projekt dennoch nichts mehr im Wege.

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Eine der Aussichtsplattformen ist als Terrasse angelegt - der Blick reicht laut Messner bis zum Ortler
Erwartet wird ein „Mehrwert der Marke Kronplatz“, so auch Skirama-Direktor Andrea del Frari, der sich gegenüber dem Onlineportal Salto bereits im Vorfeld überzeugt zeigte: „Mit so einer Attraktion können es nicht viele aufnehmen.“ Das „Zugpferd Reinhold Messner“ sei Del Frari zufolge aber auch für Hadids Architekturbüro von „großem Nutzen“: „Niemals sonst hätte sich eine Große wie sie auf dieses Miniprojekt eingelassen.“ Architekt Schumacher wollte das zwar nicht explizit bestätigen - Ideengeber sei aber sehr wohl Messner gewesen, und was Hadid betrifft: „Sie hat dieses Projekt geliebt.“
Sechstes und letztes MMM
Mit „nun sind wir am Ende angekommen“ bestätigte Messner indes, dass es sich um sein letztes Museumsprojekt handelt. „Des Bergsteigers sechster Streich“ (Zitat Salto) beendet somit die vor rund 20 Jahren geborene Idee, eine Museumslandschaft quer durch Südtirol zu ziehen.
Mit dem MMM Ortles kann auch das im Westen Südtirols gelegene Skigebiet Sulden mit einem von Messner umgesetzten, wenn auch weit kleineren Museumsbau aufwarten. Dazu kommen das als „Zentrum“ des Bergmuseumsprojekts bezeichnete MMM Firmian auf Schloss Sigmundskron bei Bozen sowie das MMM Juval auf Messners Privatburg bei Naturns im Vinschgau, das MMM Ripa auf Schloss Bruneck und das MMM Dolomites auf dem Monte Rite nahe Cortina.

MMM Corones
Gebaut wurde das MMM Corones unter dem Projektnamen „Fels“
Lediglich eine Verlegung des MMM Dolomites von der benachbarten Provinz Belluno nach Südtirol gilt noch als offene Option – grundsätzlich bleibe es aber bei sechs Häusern, mit denen der vom Wochenmagazin „FF“ einmal als „Bergprediger“ bezeichnete Messner deutlich machen will, was passiert, wenn Mensch und Natur sich begegnen. Es galt aber auch, seine Sammlungen einzubringen, „damit sie nicht verloren gehen“, wie Messner im Interview mit der Zeitschrift „Venusta“ offen eingestand.
Früher Wintereinbruch und ein klagender Anrainer
PR in eigener Sache gilt aber ohnehin als eine der großen Stärken des selbst ernannten „Geschichtenerzählers“, der mit Vorträgen über seine Grenzerfahrungen regelmäßig Hallen füllt. Einem medialen Großereignis gleich wurde im Vorjahr schließlich auch Messners 70. Geburtstag zelebriert. Nichts wurde es allerdings mit dem geplanten Höhepunkt der Feierlichkeiten: der an sich bereits im September angekündigten Eröffnung des MMM Corones.

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Messner 70. Geburtstag kam im Vorjahr einem medialen Großereignis gleich
Hintergrund des in der Folge gleich mehrfach verschobenen Eröffnungstermins waren weder die hohen Umweltauflagen noch eine Klage eines Anrainers, auch nicht Südtirols Machthabende und das tonangebende Medienhaus des Landes, mit denen Messner nach einem jahrzehntelangen offenen Schlagabtausch offenbar seinen Frieden gefunden hat.
So wie bei vielen seiner Expeditionen sah sich Messner mit einem verregneten Sommer und einem frühzeitigen Wintereinbruch vielmehr mit widrigen Witterungsverhältnissen konfrontiert. Als das Museum dann fertiggestellt war, standen aber keine Kompromisse mehr zur Debatte. Und auch wenn zur Enthüllung dann doch die Sonne schien, wurde im Vorfeld bereits vorgewarnt: „Ähnlich wie die Besteigung großer Wände allen Wettern ausgesetzt ist, findet auch die Eröffnung bei jeder Witterung statt.“
Peter Prantner, ORF.at
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