Konzert brach alle Rekorde
Es ist die Urmutter des Benefizspektakels: 16 Stunden lang sind die bekanntesten Pop- und Rockbands auf der Bühne gestanden, 1,5 Milliarden Menschen in 150 Ländern der Erde haben an den TV-Geräten zugesehen - und das alles für einen guten Zweck. Vor genau 30 Jahren, am 13. Juli 1985, ging Live Aid in London und Philadelphia über die Bühne.
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Um Punkt 12.00 Uhr startete der Konzertreigen im Londoner Wembley-Stadion. Zwei Stunden später - am frühen Morgen Ortszeit - legten die ersten Künstler im JFK-Stadion in Philadelphia los. Ab da ging es hin und her. Kurz nach 22.00 Uhr war in London mit „Do They Know It’s Christmas“ das große Finale erreicht, die europäischen TV-Zuseher wurden noch bis 4.00 Uhr unterhalten, bis auch in den USA mit „We Are the World“ der Konzertreigen schloss.
Von Band Aid zu Live Aid
Hinter all dem stand Bob Geldof, Sänger der Boomtown Rats. Über Eine TV-Doku war er auf die Hungersnot in Äthiopien aufmerksam geworden. Gemeinsam mit Ultravox-Sänger Midge Ure schrieb er „Do They Know It’s Christmas“. Das Projekt Band Aid fand sofort Nachahmer - schon wenige Monate später wurde „We Are the World“ von USA for Africa aufgenommen, zahlreiche weiter Länder folgten. Mit „Warum“ von Austria for Africa gab es auch eine heimische Variante.
Nach dem überwältigenden Erfolg von Band Aid - die Single spielte in kurzer Zeit rund acht Millionen Pfund ein - war bald die Idee eines riesigen Livekonzerts geboren. Allerdings nicht von Geldof: Boy George, Sänger von Culture Club, brachte den Vorschlag, den Geldof dann in die Tat umsetzte. Ironischerweise sollten Culture Club dann nicht auf der Bühne stehen - die Band sagte trotz Einladung ab.
Denkwürdige Auftritte
Etliche andere Stars standen auf den Bühnen - und lieferten denkwürdige Shows ab - im Guten wie im Schlechten. Der 20-minütige Auftritt von Queen mit Sänger Freddie Mercury etwa gilt als einer der besten Rock-Liveperformances der Geschichte. Auch David Bowies Auftritt in London gilt als legendär.

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David Bowie sang unter anderem „Heroes“
Geldof selbst gab mit seinen Boomtown Rats unter anderem „I Don’t Like Mondays“ zum Besten, die Textzeile „The lesson today is how to die“ jagte Schauer durchs Stadion. Bei den anderen Nummern kämpfte Geldof allerdings deutlich um die richtigen Töne. Auch Duran Durans Sänger Simon Le Bon verpfuschte in Philadelphia „A View to a Kill“. Wahrscheinlich aus anderen Gründen nahm sich die Band kurz darauf eine Auszeit, der nächste Liveauftritt sollte überhaupt erst Jahre später folgen. Duran Duran sind allerdings noch immer aktiv, im Herbst erscheint ein neues Album.

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Simon Le Bon versang sich gleich bei der ersten Nummer
Der doppelte Phil Collins
Live Aid brachte aber auch Reunions von einigen Bands, die zuvor schon nicht mehr existiert hatten. Crosby, Stills, Nash & Young spielten gemeinsam, Black Sabbath mit Ozzy Osbourne - und die überlebenden Mitglieder von Led Zeppelin mit Phil Collins am Schlagzeug, wobei sich dieses Zusammenspiel aber eher als Desaster entpuppte.
Eine weit bessere Figur hatte Collins wenige Stunden zuvor mit Sting auf der Londoner Bühne gemacht. Per Concorde reiste er dann in die USA und war als einziger Künstler bei beiden Konzerten - aus heutiger Sicht auch ein Hauch vergangener Zeit. Nach dem Concorde-Unglück 2000 in Paris mit 113 Toten wurde 2003 der Flugbetrieb eingestellt. Von einem CO2-Fußabdruck war 1985 auch noch keine Rede.
In den USA sorgten die damals junge Madonna, die Pretenders, Tom Petty und Run DMC als einzige Hip-Hop-Gruppe für Aufsehen. In London wiederum machten U2 das erste Mal vor einem Riesenpublikum auf sich aufmerksam.
Einige Absagen
Einige große Namen fehlten bei den Konzerten: Bruce Springsteen sagte ab - er habe nicht kapiert, wie groß das Event sein würde - und bereute das später. Diana Ross, Van Halen, Frankie Goes to Hollywood, The Smiths und Talking Heads sagten ebenfalls ab, einige von ihnen sprachen später vom „größten Managementfehler“ ihrer Karriere. Die Eurythmics mussten gesundheitsbedingt absagen.
Michael Jackson und Stevie Wonder wollten nicht mitwirken, laut Sängerin Joan Baez wollten sie Live Aid sogar aktiv boykottieren - der Grund dafür ist allerdings nicht überliefert. Prince trat nicht auf, weil er Angst vor einem Attentat auf sich hatte. George Harrison und Ringo Starr befürchteten eine Beatles-Reunion mit Paul McCartney.
Kritik an reichen Superstars
Auch die Rolling Stones traten nicht gemeinsam auf: Keith Richards und Ronnie Wood begleiteten zwar Bob Dylan, Mick Jagger trat wegen seiner Pläne, seine Solokarriere zu forcieren, alleine und im Duett mit Tina Turner auf. Dabei zu sein war also nicht nur ob der guten Sache, sondern auch für die Eigen-PR wichtig. Genau deswegen stand das Benefizspektakel auch in der Kritik: Superreiche Popstars forderten Durchschnittsbürger zum Spenden auf, während sie mit ihrem Auftritt auch noch Kasse machten.
Selbst ernannte Weltretter?
Auch Geldof selbst wurde vor allem in den Jahren danach vermehrt als selbst ernannter Weltretter auf Egotrip gesehen. Zumindest bei Live Aid war er aber keineswegs der beseelte Prediger, sondern ein Empörter, der einfach etwas tun wollte. Das rüpelhafte „Give us your fucking money“ wurde nach einem BBC-Interview beim Konzert zum geflügelten Wort - und das, obwohl Geldof diese Worte nie verwendet hatte. Noch heute gehen die Schätzungen, wie viel Geld gespendet wurde, weit auseinander. Umgerechnet waren es jedenfalls mehr als 100 Millionen Euro.

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Bob Geldof in Pose
Westliche Überheblichkeit
Immer wieder gab es in den Folgejahren unbestätigte Meldungen, ein Teil des Geldes sei gar nicht bei den Hungerleidenden angekommen. Auch den Vorwurf der kulturellen Ignoranz und der westlichen Überheblichkeit mussten sich die Organisatoren gefallen lassen. Tatsächlich wurden Afrikaner immer nur als arme Opfer dargestellt, auf den Bühnen in London und Philadelphia waren sie kaum vertreten. Kontrovers wurde genau diese Frage auch im Vorjahr diskutiert, als Geldof und Co. „Do They Know It’s Christmas“ zum bereits vierten Mal - diesmal für den Kampf gegen Ebola - aufnahmen. „Of course they know it’s Christmas“ wurde schließlich zum Slogan der Kritiker.
Viele Nachfolger
Der Erfolg von Live Aid machte das Spektakel dennoch zur Blaupause für ähnliche Events. Schon im September 1985 fand erstmals Farm Aid zur Unterstützung von US-Farmfamilienbetrieben statt, bis heute finden die Konzerte fast jährlich statt. Geldof und Bono revitalisierten 2005 die Live-Aid-Idee und veranstalteten Live 8 - mit zehn Parallelkonzerten auf der ganzen Welt.
Diesmal wurden keine Spenden gesammelt, zusammen sollte Druck auf den G-8-Gipfel für einen Schuldenerlass afrikanischer Länder gemacht werden. Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore wiederum rief 2007 Live Earth ins Leben, sieben Konzerte auf den sieben Kontinenten machten für den Klimaschutz mobil. So erfolgreich und gut besetzt all diese Events waren - das Vorbild Live Aid blieb unerreicht.
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