Beschäftigungsquote bei 26,9 Prozent
Die Regierung ist ihrem Ziel, das Pensionsantrittsalter dem gesetzlich festgelegten Pensionsalter von 60 Jahren (Frauen) und 65 (Jahren) anzunähern, wieder einen Schritt näher gekommen. Am Freitag präsentierte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) das aktuelle Pensonsmonitoring. Doch ein späterer Antritt bedeutet nicht gleichzeitig längere Beschäftigungszeiten.
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Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter lag mit Stichtag 30. Juni bei 60 Jahren und einem Monat. Gegenüber dem gleichen Datum des Vorjahres bedeutete das einen Anstieg um 13 Monate. Das geht aus dem am Freitag vorgestellten Pensionsmonitoring hervor. Damit sei der Zielwert, den sich die Regierung für das Jahr 2018 gesetzt hatte, schon jetzt erreicht worden, sagte Hundstorfer.
Anstieg bei Alterspensionen geringer
Betrachtet man nur die Alterspensionen, fiel der Anstieg mit sechs Monaten auf 61 Jahre und sechs Monate jedoch deutlich geringer aus. Das lag daran, dass im Vorjahr die Invaliditätspension für unter 50-Jährige durch ein Rehageld abgelöst wurde, womit diese Gruppe aus der Pensionsstatistik fällt. Durch diesen statistischen Kniff war bereits im Vorhinein klar, dass das Antrittsalter deutlich steigen wird. Männer gegen heute durchschnittlich mit 63 Jahre und sieben Monate, Frauen mit 60 Jahre und einem Monat in Alterspension.
Erschwerter Zugang zeigt Wirkung
Aber auch ohne diese Besonderheit zeigt die Statistik, dass die von der Regierung durchgeführten Reformen, etwa der erschwerte Zugang zur Hacklerregelung, offenbar Wirkung zeigen. So verringerte sich die Zahl der Pensionsneuzugänge deutlich. Im ersten Halbjahr 2014 waren noch 44.300 Menschen in Pension gegangen, im ersten Halbjahr 2015 nur noch 36.827 - das waren um 17 Prozent weniger. Auch die Zahl der Neuzugänge in die Alterspension (inklusive Frühpensionen) ging von 32.824 auf 29.089 zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der Menschen, die bis zum gesetzlichen Pensionsalter arbeiten, von 16.396 im ersten Halbjahr 2014 auf 17.191 im ersten Halbjahr 2015.
„Die Botschaft ist bei den Menschen angekommen, dass es für die eigene Pension sehr viel bringt, wenn man möglichst lange im Erwerbsleben bleibt“, meinte Hundstorfer. Der Minister wies darauf hin, dass es keine abschlagsfreie Frühpensionsart mehr gibt. „Wer heute in die Korridorpension geht, hat bis zu 25 Prozent weniger Pension als einer, der erst mit 65 Jahren seine Pension antritt. Wer die Langzeitversichertenregelung in Anspruch nimmt, muss mit einer bis zu 20 Prozent geringeren Pension rechnen - für das gesamte restliche Leben.“
AMS-Bezug statt Pension
Doch ein späterer Pensionsantritt ist nicht gleichbedeutend mit einer längeren Beschäftigungsdauer, wie zuletzt auch die aktuellen Arbeitslosenzahlen von Juni zeigten. Bei den über 50-Jährigen stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf 85.648. Auch Hundstorfer musste einräumen, dass die Beschäftigungsquote der 60- bis 65-Jährigen noch zu gering sei. Derzeit liegt die Quote in dieser Altersgruppe bei 26,9 Prozent - und damit deutlich hinter der von der Regierung vorgesehen Marke von 35,3 Prozent.
Auf dem Arbeitsmarkt bestehe daher „dringender Handlungsbedarf“, so Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske in einer Aussendung und verwies auf eine Erhebung des Sozialministeriums, wonach in rund 1.350 Mittel- und Großbetrieben mit 25 und mehr Arbeitnehmern kein einziger Arbeitnehmer über 55 sei. Vielmehr steige die Zahl der älteren Arbeitslosen stetig. Auch der SPÖ-Pensionistenverband sieht in den fehlenden Jobs ein Problem. „Aber ohne dass die Wirtschaft ihren Beitrag leistet, wird es nicht gehen“, sagte Verbandschef Karl Blecha.
IV zweifelt Berechnungen an
Auch von der Industriellenvereinigung (IV) kamen am Freitag kritische Worte. Würde man alle Geldleistungen der Pensionsversicherung, also auch das neue Rehabilitationsgeld, mit in die Berechnung einbeziehen, dann ergebe sich für das Jahr 2014 dennoch nur ein Anstieg des faktischen Pensionsantrittsalters von 58,5 auf 58,9 Jahre gegenüber 2013. „Es mutet unverhältnismäßig an, wenn nun über einen Anstieg von 4,8 Monaten gejubelt wird. Vor allem, nachdem das österreichische Pensionssystem insgesamt viel zu teuer ist - von Nachhaltigkeit gar nicht zu reden“, kritisierte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.
WKÖ: Pensionsausgaben steigen ungebremst
„Die Kostendynamik im Pensionsbereich ist weiterhin alarmierend: Nach dem Strategiebericht der Bundesregierung steigen die Pensionsausgaben von 2013 bis 2019 sogar um fast 5,5 Milliarden Euro, also dreimal so viel wie die Ausgaben für die Zukunftsbereiche Familie, Jugend, Bildung, Wissenschaft, Forschung, Frauen in Summe“, warnte die Wirtschaftskammer (WKÖ). Der Anteil der Pensionsausgaben an den gesamten Ausgaben steigt von 2013 bis 2019 von 24,4 auf 29,7 Prozent. „Ab 2020 wird dieser Anstieg durch das Ausscheiden der starken Babyboomer-Jahrgänge aus dem Erwerbsleben noch massiver ausfallen“, so der WKÖ-Experte Martin Gleitsmann.
Seniorenbund: Ziel noch nicht erreicht
Auch dem ÖVP-Seniorenbund gehen die vorgelegten Zahlen nicht weit genug. So sei aus den Zahlen nicht ersichtlich, wie viele der Personen, die 2014 Rehabilitationsgeld erhielten, heute wieder arbeiten. Der Bezug von Rehamaßnahmen ist auf zwei Jahre beschränkt. „Das Antrittsalter-Ziel, wie es für 2018 vereinbart wurde, ist natürlich noch nicht erreicht“, so Seniorenbund-Obmann Andreas Khol in einer Aussendung. Gleichzeitig forderte er Aufschlüsselung nach Geschlecht, Bundesland, Pensionsart und Berufssparte.
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