Unterschiedliche Strategien
Airbnb macht bei seinen Expansionsplänen Tempo. Der Umsatz des kalifornischen Unternehmens dürfte auf absehbare Zeit an der Milliarden-Dollar-Marke kratzen, besonders in Europa läuft das Geschäft wie geschmiert. Der Boom stößt allerdings auf wachsenden Widerstand - aktuell in Frankreich, aber nicht nur dort.
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In Paris werden laut „Wall Street Journal“ mittlerweile an die 40.000 Wohnungen von Privat an Privat vermietet. Damit ist die französische Metropole der größte städtische Markt für Airbnb überhaupt, im Vorjahr hätten über eine halbe Mio. Kunden das Angebot dort genutzt - 20-mal mehr als 2011.
Doch es wehe immer stärkerer „Gegenwind“, so die US-Zeitung. Seit ein neues Gesetz Beschränkungen ermöglicht, seien Kontrollen stark verschärft worden. Zuletzt hätten im Mai an die 2.000 Privatvermieter im Bezirk Marais im Zentrum von Paris Besuch von den Behörden bekommen, etwa 100 Verstöße seien geahndet worden. „Das Zentrum unserer Stadt verwaist mehr und mehr“, zitierte die Zeitung Francois Plottin, einen Aufsichtsbeamten der Stadtverwaltung. „Mehr und mehr gibt es nur noch Touristen.“ Die Behörden suchen nach „schwarzen Schafen“, ihnen drohen empfindliche Strafen von bis zu 25.000 Euro.
„Krypto-Hotelbetreiber“ und „Schattenwirtschaft“
Es seien vor allem die Touristenhauptstädte, in denen beim Modell Airbnb „Versprechen und Probleme kollidieren“, schreibt das „Wall Street Journal“. Kritiker machen den Boom für explodierende Wohnkosten, vor allem in den Stadtzentren, verantwortlich, die Hotelwirtschaft beklagt unlauteren Wettbewerb.
Sie sieht das 2008 im kalifornischen Silicon Valley gegründete Unternehmen als „Krypto-Hotelbetreiber“, der den Wohnungsmarkt „anzapft, um Geschäfte zu machen, Tourismusabgaben und andere Regeln umgeht“. Man könne das Modell „keine Sharingwirtschaft mehr nennen“, so der Präsident der französischen Hotelvereinigung (UMIH), Laurent Duc, gegenüber der US-Wirtschaftszeitung. „Das ist eine Untergrundschattenwirtschaft.“ Die Behörden schätzten die Zahl der Schwarzvermieter in Paris auf bis zu 75 Prozent.
Enorm steigende Nachfrage
In einigen Städten nahm das Angebot seit dem Vorjahr laut „Wall Street Journal“ um 60 Prozent und mehr zu. Mehr als die Hälfte des Umsatzes von Airbnb entfalle mittlerweile auf Europa, wo die große Expansion erst 2012 begonnen hatte. Airbnb argumentiere, die Privatvermietung bringe Touristen dorthin, wo sie sonst nicht hinkommen würden - ein Impuls für die lokale Wirtschaft. Außerdem versucht das Unternehmen, aktiv auf Politik und Behörden zuzugehen.
Vorstandschef Brian Chesky habe zuletzt bei einem offiziellen Besuch in Paris erklärt, man suche die Partnerschaft der Städte. „Wir sind nicht hier, um Gesetze zu biegen.“ Im November werde die zweite Jahrestagung der Airbnb-„Hosts“ genannten Vermieter nicht im heimischen San Francisco in den USA, sondern in Paris stattfinden.
Wo endet privat, wo beginnt gewerblich?
Die Debatte darüber, wo privat endet und gewerblich beginnt, beschäftigt allerdings nicht nur die französische Hauptstadt, sondern auch andere europäische Metropolen, die unterschiedlich damit umgehen. London versuche, „mit dem Tempo des Internetzeitalters“ mitzuhalten, in Berlin und Barcelona sind die Regeln streng, hohe Strafen inklusive, der Unmut mitunter groß.
„Verlieren jeden Tag einen Nachbarn“
„Wir verlieren jeden Tag einen Nachbarn“, zitierte das „Wall Street Journal" Sol Ruiz de Vargas, den Präsidenten eines Zusammenschlusses der lokalen Altstadtbewohner in der katalanischen Hauptstadt. Anders in Amsterdam: Man könne „die Augen schließen und so tun, als ob sich nichts ändert. Oder man kann sehen, wie es funktioniert“, sagt Jules van de Ven, Sprecher der Stadtverwaltung. In Barcelona drohen für Verstöße gegen das Tourismusgesetz Strafen von bis zu 30.000 Euro.
Auch Wien feilt an Strategie
Die Stadt Wien hatte erst im Mai angekündigt, bis Jahresende eine Strategie für die Sharingwirtschaft a la Uber und Airbnb zu erarbeiten. Es geht dabei um Steuersünden, prekäre Arbeitsverhältnisse, fehlende Rechtsgrundlagen. Die Plattformen veränderten „die gesamten Wirtschaftsbeziehungen“, betonte Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ). Sie würden bestehende Regeln umgehen, Verantwortung abwälzen oder den Wettbewerb verzerren: „Sie wirken oberflächlich wie kleine nette alternative Pop-up-Initiativen, dahinter stehen allerdings machtvolle milliardenschwere Unternehmen.“
Vom Europaforum Wien wurde dazu eine gut 70-seitige Publikation mit dem Titel „The Big Transformers. Sharing- und On-Demand-Economy auf dem Vormarsch“ präsentiert. In einigen Fällen ist die Rechtslage klar - geförderte Wohnungen oder solche der Gemeinde dürfen nicht weitervermietet werden, andere Fälle liegen im Graubereich.
Laut einem weiteren Bericht des „Wall Street Journal“ von Mitte des Monats steht Airbnb vor einer neuen Finanzierungsrunde. Das Unternehmen wolle eine Mrd. Dollar Dollar (rund 892 Mio. Euro) bei Investoren einsammeln, um seine Expansion weiter voranzutreiben. Der Unternehmenswert würde damit auf 24 Mrd. Dollar (etwa 21,4 Mrd. Euro) steigen. Für heuer peile das Unternehmen einen Rekordumsatz von umgerechnet etwa 800 Mio. Euro an - ein Wachstum von über 70 Prozent gegenüber 2013.
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