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In einem Jahr um 20 Prozent gestiegen

16 der größten Banken der Welt sind zwischen 2010 und 2014 für Strafzahlungen, Vergleiche sowie andere Rechtsfälle Kosten in der Höhe von 205,6 Milliarden Pfund (314 Mrd. Dollar) entstanden. Das berechnete das britische Institut CCP Research Foundation in seiner jährlichen Studie. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Zeitraum von 2009 bis 2013 unter die Lupe genommen wurde, stiegen die Ausgaben damit um fast 20 Prozent.

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Untersucht wurden veröffentlichte Zahlen von 16 Banken: Bank of America, Barclays, BNP Paribas, Credit Suisse, Citigroup, Deutsche Bank, Goldman Sachs, HSBC, JPMorgan Chase, Lloyds Banking Group, National Australia Bank, Royal Bank of Scotland, Santander, Standard Chartered, Societe Generale und UBS. Der Anstieg stellt damit die These infrage, wonach es sich bei den Strafzahlungen nur um Nachwehen der Finanzkrise handelt.

„Keine Änderung des Verhaltens“

Spitzenreiter der Statistik sind die beiden US-Banken Bank of America und JPMorgan Chase, die mit 100 Mrd. bzw. 50 Mrd. Dollar gemeinsam fast die Hälfte der Gesamtsumme stemmen mussten. Studienleiter Chris Steares geht mit den Banken hart ins Gericht. Gegenüber der „Financial Times“ meinte er, die Bankchefs würden weiterhin so tun, als ob es sich lediglich um außerplanmäßige Ausgaben handle. Die Zahlen legen allerdings eine Symptomatik nahe. Und er sieht bei den Banken vor allem Lippenbekenntnisse: Bei den „von Jahr zu Jahr steigenden Rechtskosten stelle sich die Frage, ob sich das Verhalten wirklich zum Besseren verändert.“

Verschärfte Regeln

Zudem haben etliche Länder als Lehre aus der Finanzkrise ihre Regulatorien verschärft, die USA gründeten etwa eine Konsumentenschutzbehörde in Finanzangelegenheiten (Consumer Financial Protection Bureau). Somit wird den Banken genauer auf die Finger geschaut - auch wenn einige Politiker argumentierten, die Banken hätten genug gelitten, und man könne die Zügel wieder ein bisschen lockern.

Einige der großen Skandale sind zum Gutteil bereits erledigt: Für die Manipulation der LIBOR- und EURIBOR-Zinssätze, also jener Sätze, die angeben, zu welchem Zins einander Banken Geld leihen, haben zahlreiche große Banken bereits Milliardenstrafen bezahlt oder sich mit den Aufsichtsbehörden auf Vergleiche geeinigt. Auch die Vergabe von Ramschkrediten kam einige Institute schon teuer zu stehen.

Strafen am laufenden Band

Doch die Serie reißt nicht ab: Erst vor wenigen Tagen wurde die britische Großbank Lloyds zu einer Strafe von 117 Millionen Pfund (160 Mio. Euro) verdonnert, weil zahlreiche Kunden der Bank, die Anspruch auf Entschädigung wegen unnötiger Kreditkartenversicherungen hatten, nicht angemessen behandelt wurden.

Zahlreiche Schweizer Banken, allen voran UBS und Credit Suisse, kauften sich im Steuerstreit mit den USA mit hohen Bußgeldzahlungen frei. Ende Mai wurde die Deutsche Bank von der US-Börsenaufsicht SEC zur nächsten Millionenstrafe wegen der mangelhaften Risikobewertung von Derivaten während der Finanzkrise 2008 gezwungen.

Die nächste Welle rollt

Und die nächste Welle an milliardenschweren Strafzahlungen rollt offenbar. Dieses Mal gehe es um windige Geschäfte beim Verkauf von mit Hypotheken auf Wohnimmobilien abgesicherten Wertpapieren (Residential Mortgage Backed Securities, RMBS), berichtete das „Wall Street Journal“ (Freitag-Ausgabe). Die Ermittlungen der US-Behörden gegen neun Großbanken stünden vor dem Ende. Ihnen drohen nun weitere bis zu drei Milliarden Dollar pro Institut. Den Banken wird vorgeworfen, Investoren beim Verkauf der mit Immobilienkrediten besicherten Wertpapiere hinters Licht geführt zu haben.

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