Themenüberblick

Gedenkzug von Überlebenden angeführt

Das Gedenken zur Befreiung des Konzentrationslagers in Mauthausen vor 70 Jahren ist am Sonntag im Zeichen von „Steinbruch und Zwangsarbeit“ gestanden. Dabei ging es um die Methode der Nationalsozialisten, bei der die Arbeitskraft der Gefangenen vor deren Tod noch maximal ausgebeutet wurde. Tausende Besucher, darunter KZ-Überlebende, nahmen am traditionellen Gedenkzug über den Appellplatz teil.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Unter den 22.000 Besuchern waren heimische Spitzenpolitiker vom Bundespräsidenten abwärts sowie Staatsgäste aus dem Ausland. Begleitet wurde die europaweit größte Gedenk- und Befreiungsfeier erstmals von nationalen und internationalen Chören aus Österreich, Italien, Deutschland, Russland, Tschechien und Frankreich. Angeführt wurde der Gedenkzug von Überlebenden, die im KZ Mauthausen und in den Außenlagern gefangen gehalten wurden und den Grausamkeiten des NS-Regimes ausgesetzt waren.

Gedenkfeier zur Befreiung von Mauthausen

Mauthausen Komitee Österreich

Unter den Tausenden Anwesenden waren auch viele KZ-Überlebende

„Glaube nicht, dass Menschen etwas gelernt haben“

Delegationen von vielen Nationen legten Kränze neben dem steinernen Sarkophag nieder, viele Botschafter europäischer Staaten waren gekommen. Einen Einblick in die furchtbaren Ereignisse gewährte der KZ-Überlebende Edward Mosberg, der durch die Schoah seine gesamte Familie verlor, darunter alle engsten Verwandten. Alles sei damals „sehr, sehr schwer“ gewesen. „Ich glaube nicht, dass die Menschen etwas aus dem Holocaust gelernt haben, das zeigen Dinge, die derzeit an einigen Orten der Welt passieren“, sagte Mosberg.

100.000 Menschen ermordet

In Mauthausen und seinen Nebenlagern wurden rund 100.000 Menschen von den Nazis ermordet. Am 5. Mai 1945 trafen erstmals Einheiten der US-Armee in Mauthausen ein und befreiten die Überlebenden.

Auch gedacht wurde der in Mauthausen ermordeten Roma und Sinti, auch für sie wurden Kränze niedergelegt. „Je älter man wird, desto mehr greift es die Seele an“, sagte Rudolf Sarközi, Obmann des Kulturvereins Österreichischer Roma. Immer schwieriger sei es, den jungen Menschen die Umstände begreiflich zu machen, umso wichtiger sei es, der unbedingten Vorgabe „Niemals wieder“ zu entsprechen.

Der Ausweis eines Überlebenden bei Gedenkfeier zur Befreiung von Mauthausen

APA/BKA/Andy Wenzel

Einige KZ-Überlebende brachten Erinnerungsstücke mit

„Wichtig, Konsequenzen vor Augen zu halten“

„In einer Zeit, in der Intoleranz und Diskriminierung sowohl in Österreich als auch weltweit noch immer ein Thema sind, ist es umso wichtiger, sich vor Augen zu halten, zu welchen Konsequenzen diese Haltung vor 70 Jahren geführt hat: nämlich zur Vernichtung von Millionen Menschenleben und zu einem entwürdigenden Umgang mit Menschen“, sagte Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ), das neben der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen (ÖLM) und dem Comite International de Mauthausen (CIM) Organisator der Gedenkfeier war.

Gedenkfeier zur Befreiung von Mauthausen

Mauthausen Komitee Österreich

Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) und die Regierungsspitze bei der Kranzniederlegung

Auch wiesen die Organisatoren auf die „Überschrift“ des heurigen Gedenkens, das im Zeichen von Zwangsarbeit stand, hin: „Besonders berüchtigt war die Strafkompanie des Steinbruchs. Die Häftlinge mussten etwa 50 Kilogramm schwere Granitsteine über die sogenannte ‚Todesstiege‘ ins Lager hinauftragen. Kein Einziger hat die Zuweisung in die Strafkompanie überlebt“, beschrieb MKÖ-Vorsitzender Mernyi.

„Wird nicht in Vergessenheit geraten“

Der Holocaust könne und werde auch in Zukunft nicht in Vergessenheit geraten, ist Bundespräsident Heinz Fischer überzeugt. Es werde zwar irgendwann keine Zeitzeugen mehr geben, das Gedenken könne man aber „nicht hinter dem Horizont der Geschichte verschwinden lassen“. Mauthausen habe mit Menschenwürde zu tun - und so werde künftig auch das „Bewusstsein für dieses schreckliche Kapitel der Geschichte aufrechtbleiben“.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) sprach von einem Ort „mitten in Österreich“, der an „eines der schrecklichsten Kapitel unserer Geschichte und an die Lehren, die wir daraus ziehen müssen“, erinnere: „Nämlich niemals zu vergessen und Werte wie Toleranz, Demokratie, Gewaltfreiheit und Solidarität hochzuhalten“, so Faymann.

„Niemals Schlussstrich ziehen“

Eröffnet wurde der Gedenktag in Mauthausen am Vormittag mit einem ökumenischen Gottesdienst. Diesem standen der evangelische Bischof Michael Bünker, Caritas-Präsident Michael Landau und der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) vor. Das Gedenken gebiete, „die Opfer niemals zu vergessen und niemals einen Schlussstrich zu ziehen“, betonte Bischof Bünker. Es sei zu begrüßen, „dass auch noch über 90-Jährige vor Gericht gestellt werden, gut, wenn wir uns Klarheit verschaffen über die Beteiligung der Menschen damals, oft auch bis in die eigenen Familien hinein“.

Links: