„Stehen Sie auf!“
Das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa fand am Freitag seinen Höhepunkt. Nach einem Staatsakt am Vormittag im Bundeskanzleramt fand am Abend in Wien das „Fest der Freude“ statt. 15.000 Besucherinnen und Besucher kamen laut Veranstaltern zum Heldenplatz.
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Neben zahlreichen Politikern wie Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) und der Regierungsspitze saßen auch Zeitzeugen und Überlebende des Holocausts im Publikum, ebenso wie die Botschafter der vier Befreiernationen.

APA/Herbert Neubauer
15.000 feierten das „Fest der Freude“ auf dem Wiener Heldenplatz
Er habe schon mehrere Jahrestage zum 8. Mai miterlebt, aber noch nie habe es eine so richtige Grundstimmung und so viele wichtige Worte gegeben, wie in diesem Jahr, so Bundespräsident Heinz Fischer. Er mahnte, „unserer Geschichte ins Auge zu schauen, sich mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen und auch Konsequenzen zu ziehen“.

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Helga Emperger nach ihrer bewegenden Erzählung
Die Zeitzeugin Helga Emperger, die erzählte, wie sie 1944 von der Gestapo inhaftiert wurde, appellierte an die Besucherinnen und Besucher: „Seien Sie aufmerksam, seien Sie wachsam, und sollte es irgendwo Tendenzen geben, die unsere österreichische Demokratie gefährden, stehen Sie auf!“
Fest der Freude auf dem Heldenplatz
Auf dem Heldenplatz, wo Hitler im März 1938 unter Jubel den Anschluss Österreichs an das Dritte Reich verlautbart hatte, wurde Freitagabend das Kriegsende in Europa vor 70 Jahren mit einem „Fest der Freude“ gefeiert.
Auch 70 Jahre später werden „Ängste geschürt“
Willi Mernyi, als Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ) Mitorganisator des Fests auf dem Heldenplatz, erinnerte in seiner kurzen Ansprache daran, dass auch heute Anfeindungen gegen andere Kulturen und Religionen stattfinden würden. Rechtspopulisten verbreiteten selbst 70 Jahre nach dem Ende des Nazi-Regimes „Angst und Hetze“.
Auch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) warnte vor rechten Umtrieben in Europa. Wie heute sei auch vor dem Zweiten Weltkrieg deren Nährboden die grassierende Armut und die Arbeitslosigkeit gewesen. „Und es waren die Nationalsozialisten, die das missbraucht haben, die diese Ängste geschürt haben“, zog der Kanzler Parallelen zur Gegenwart. Ihnen gelte es durch ein starkes und soziales Europa den Nährboden zu entziehen.
Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) gab zu bedenken, dass sich Österreich lange nicht seiner dunklen Vergangenheit gestellt habe. Er stellte sich in seiner Ansprache auch die Frage: „Warum haben wir den Opfermythos so lange mitgetragen?“ Die Republik sei nunmehr zu einer Erinnerungskultur verpflichtet, die hilft, „die Fehler von damals dauerhaft zu vermeiden“, so Mitterlehner. Und auch Zivilcourage sei gefordert.
Politiker erinnern an Flüchtlinge im Mittelmeer
Verantwortung forderte auch die grüne Vizebürgermeisterin Wiens, Maria Vassilakou, ein - nämlich gegenüber den Bootsflüchtlingen im Mittelmeer. „Freiheit ist die Chance, nach dem eigenen Glück zu streben“, so Vassilakou. Ähnliche Worte kamen auch von Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ). Den Flüchtlingen nach Europa solle ebenso geholfen werden wie während des Krieges jenen aus Europa.
Videoarchiv zur Geschichte
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Musikalisch stand die „Neunte Symphonie“ von Ludwig van Beethoven beim mittlerweile dritten „Fest der Freude“ auf dem Programm. Chefdirigent Philippe Jordan dirigierte dabei die Wiener Symphoniker. Das „Fest der Freude“ wurde heuer zum dritten Mal vom MKÖ veranstaltet und ist jenem Tag vor genau 70 Jahren gewidmet, an dem der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich ein Ende gesetzt wurde.
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