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Standing Ovations für „Tutto Dante“

Von seinem Schaffen ist keine Zeile in Originalhandschrift vorhanden, und über sein Leben ranken sich mehr Mythen, als es verbriefte Fakten gibt. An Dante Alighieri führt aber auch abseits von Italiens Schulen kaum ein Weg vorbei - der vor 750 Jahren geborene Schöpfer der „Divina Commedia“ („Göttlichen Komödie“) erscheint vielmehr populärer denn je.

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Als Paradebeispiel hierfür gilt die Vortragsreihe „Tutto Dante“, mit der Oscar-Preisträger Roberto Benigni seit Jahren die Massen begeistert. 120.000 Besucher wurden 2007 in Rom gezählt, 180.000 vor zwei Jahren in Florenz, wo Benigni an insgesamt zwölf Tagen auswendig aus Dantes „Inferno“, dem ersten Teil der „Göttlichen Komödie“, zitierte. Benignis Tour führte durch etliche Plätze, Veranstaltungshallen und Stadien quer durch Italien, „Tutto Dante“ wurde aber auch in anderen Ländern Europas sowie in den USA, Kanada und Südamerika zu einem gefeierten Erfolg.

Italienischer Schauspieler und Regisseur Roberto Benigni

picturedesk.com/AFP/Tiziana Fabi

Mit „Tutto Dante“ begeistert Roberto Benigni die Massen

Einen solchen erwartet sich nun auch der TV-Sender RAI Uno, der ab Mitte Mai gleich das gesamte aus Benignis Vorträgen gesammelte „Inferno“ und damit 34 der insgesamt 100 Gesänge aus Dantes Epos überträgt. Seine TV-Feuertaufe hat „Tutto Dante“ vor mittlerweile acht Jahren jedenfalls mit Bravour gemeistert: Mehr als zehn Millionen Zusehern zeigten ein damals wohl nicht vorhersehbares Potenzial dieses an sich sperrig anmutenden Formats.

Für Standing Ovations sorgte Benigni zuletzt im italienischen Senat, wo am 4. Mai das diesjährige 750-Jahres-Gedenken seinen offiziellen Anfang nahm. Garniert mit Versen aus Dantes „Paradies“ - dem dritten Teil der Komödie - und Seitenhieben in Richtung der versammelten Politprominenz nutzte Benigni seinen Auftritt nicht zuletzt für ein Loblied auf das „Wunder“ der aus seiner Sicht bis heute aktuellen „Divina Commedia“.

Bis 2021 andauernder Gedenkmarathon

Außer Frage steht: Bereits im 14. Jahrhundert von Giovanni Boccaccio und damit einem weiteren „Nationaldichter“ Italiens mit dem Prädikat „göttlich“ (divina) versehen, ist Dantes „Komödie“ ungeachtet runder Geburtstage eine seit Jahrhunderten und bis heute reichlich sprudelnde Inspirationsquelle quer durch alle Genres. Dante ist nicht bloß Dante, so das Onlineportal nuovo e utile, sondern vielmehr „ein Zeichen, eine Ikone, ein Teil Popkultur“.

Ganz in diesem Sinne sei es aus Sicht von Italiens Kulturminister Dario Fanceschini an sich gar nicht notwendig, auf Dantes Rolle als „Identitätskarte“ für Italien und „Flagge unseres Landes in der Welt“ zu verweisen. Den dennoch anstehenden Veranstaltungsmarathon rund um Dantes 750. Geburtstag will Franceschini gleichzeitig aber nicht nur auf das heurige Gedenkjahr begrenzt wissen - die nun begonnene Arbeit solle vielmehr erst 2021 und damit an Dantes 700. Todestag seinen Höhepunkt finden.

Von Botticelli bis Rodins „Höllentor“

Verstärkt ins Zentrum wird dabei wohl auch Dantes kaum überschaubarer Einfluss auf die bildende Kunst rücken, der bereits im 14. Jahrhundert, etwa im Stundenbuch von Francesco da Barberino und den Fresken des Camposanto in Pisa, seinen Anfang nahm. Referenzen an die „Göttliche Komödie“ finden sich - um nur einige prominente Beispiele zu nennen - in der Arbeit von Sandro Botticelli, William Blake, Gustav Klimt, Salvador Dali und Robert Rauschenberg. Auguste Rodin arbeitete weit über 30 Jahre an seinem „Höllentor“.

Schauspieler Brad Pitt und Morgan Freeman im Film Seven

Corbis/Sunset Boulevard/New Line Cinema

David Fincher ließ in „Seven“ mit Dantes Unterstützung ermitteln

Per Lift in die Hölle

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die „Göttliche Komödie“ auch für das Kino entdeckt. Den Anfang machten Francesco Bertolini und Adolfo Padovan mit einem dreiteiligen Stummfilm über Dantes Reise durch die Hölle, den Läuterungsberg und das Paradies. Woody Allen schickte sich in „Harry außer sich“ („Deconstructing Harry“) in Person des Schriftstellers Harry Block 1997 schließlich gleich selbst per Lift durch den Höllenschlund.

Dantefest zeigt sich aber auch Morgan Freeman als Detektiv William Somerset in David Finchers preisgekröntem Blockbuster „Seven“. „Unvergessen“ ist laut „Guardian“ mit Don Drapers Strandlektüre zudem der Beginn der sechsten „Mad Men“-Staffel, wobei sich die „Washington Post“ hier die Frage erlaubt, ob Dantes „Inferno“ tatsächlich für einen Hawaii-Urlaub taugt.

Autor Dan Brown vor einem Inferno-Plakat

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Nach Leonardo da Vinci setzte Dan Brown mit „Inferno“ auf Dante

Lektüre für die Massen liefert dann wohl doch eher Dan Brown, der mit seinem 2013 erschienenen „Inferno“ gleich an den ersten Verkaufstagen die Bestsellerlisten stürmte. Leichte Kost versprach schon lange zuvor Walt Disney mit „Mickys Inferno“, dank dem es die „Göttliche Komödie“ sogar bis in die Kinderzimmer schaffte.

Mit „Walking in My Shoes“ auf MTV-Zensurliste

Die großen Konzerthallen versorgten indes Franz Liszt („Dante-Sinfonie“), Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Sergej Rachmaninow (jeweils „Francesca da Rimini“), Giacomo Puccini („Gianni Schicchi“) mit reichlich von Dante inspiriertem Stoff. Dem US-Publikum verwehrt wurde 1993 aber das Depeche-Mode-Video „Walking in My Shoes“. Zu freizügig, so das Urteil des Musiksenders MTV, der die von Dantes „Inferno“ handelnden Szenen kurzerhand mit Bildern der Musiker ersetzte. Die Zeigefinger erhoben die zuständigen Behörden erneut: Erst ab 18 freigegeben, feierte Dante aber auch auf der Spielekonsole mit „Dante’s Inferno“ einen Premierenerfolg.

Die Frucht nach der Blüte

Ganz nach einer Erkenntnis aus dem „Paradies“, wonach erst eine Blüte zu einer ganzen Frucht wird, es aber offen bleibt, wohin die Reise führt, sorgt Italiens Literaturstar nicht zuletzt auch für die Werbeindustrie für eine reiche Ernte. Ob für Olivenöl, Telekoms oder Fluglinien - geht es nach dem von Delio de Martino verfassten Buch „Dante e la pubblicita“ („Dante und die Werbung“), kann kein anderer Klassiker der Literaturgeschichte der „Werbeikone“ Dante auch nur ansatzweise das Wasser reichen.

Peter Prantner, ORF.at

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