Zahl der Bebenopfer weiter gestiegen
Acht Tage nach dem verheerenden Himalaya-Erdbeben sind in Nepal vier Menschen lebend aus den Trümmern geborgen worden. Vom nepalesischen Innenministerium war von einer an ein Wunder grenzenden Rettung die Rede. Am Samstag hatte die Regierung erklärt, dass es kaum noch Hoffnung gebe, Überlebende zu finden, und nun die Verteilung von Hilfsgütern oberste Priorität habe.
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Bei den nun Geretteten handelt es sich laut Innenministeriumssprecher Laxmi Dhakal um zwei Frauen und einen Mann. Diese wurden den Angaben zufolge von Soldaten und Polizisten aus den Überresten eines Lehmhauses im Dorf Kerabari im Distrikt Sindhupalchowk und aus einer Schlammlawine gerettet, die am Tag des Bebens das Dorf erfasste. Kurz darauf sei Dhakal zufolge im Dorf Kimtang im Distrikt Nuwakot ein offenbar über Hundertjähriger aus den Trümmern seines eingestürzten Hauses lebend geborgen worden.
Zuletzt waren am Donnerstag ein 18-Jähriger und eine junge Frau gerettet worden. Sie waren jeweils unter zusammengefallenen Häusern in der Hauptstadt Kathmandu gelegen. Am Samstag hatte die Regierung deutlich gemacht, dass es kaum noch Hoffnung auf Überlebende gebe: „Wir geben unser Bestes, aber ich glaube nicht, dass wir noch Überlebende finden werden“, wurde Dhakal von den Nachrichtenagenturen zitiert. Zudem haben erste internationale Rettungsteams das Land bereits wieder verlassen.
Erste Retter ziehen wieder ab
Mehr als eine Woche nach dem verheerenden Himalaya-Erdbeben ziehen die erste Retter wieder ab.
Viele Dörfer „noch nicht erreicht“
Angesichts der nach wie vor großen Zahl an Vermissten rechnet die Regierung noch mit einem drastischen Anstieg der Totenzahl. Am Sonntag wurde die Zahl der Bebenopfer von offizieller Seite auf über 7.000 erhöht. Nur langsam gelingt es den Hilfskräften, auch in die entlegenen Bergregionen vorzudringen, wo in Folge des Bebens auch Schnee- und Schlammlawinen etliche Opfer gefordert haben könnten.
Finanzminister Ram Sharan Mahat sagte am Sonntag, die Regierung rechne damit, dass die Totenzahl noch „viel höher“ werden werde. Es gebe „immer noch Dörfer, von denen wir wissen, dass alle Häuser zerstört wurden, die wir aber noch nicht erreichen konnten“, sagte er.
Dutzende Leichen in Bergregion gefunden
Zuletzt wurden nach Angaben des zuständigen lokalen Vizepolizeichefs, Pravin Pokharel, in der Rasuwa-Region mehr als 50 Leichen entdeckt. Darunter seien einige ausländische Bergsteiger und Wanderer, die noch nicht identifiziert worden seien. Allein in dieser Gegend, in der sich auch eine bekannte Trekkingroute befindet, würden noch Hunderte Menschen vermisst, darunter auch viele Ausländer. Laut einem hochrangigen Beamten ist es derzeit aufgrund starken Regens nicht möglich, dass Rettungskräfte und Helfer dorthin gelangen.

AP/Niranjan Shrestha
Zehntausende Nepalesen sind auf Hilfslieferungen angewiesen
Das Innenministerium versicherte, es werde alles Menschenmögliche getan, um Nepalesen und Ausländer zu retten. Am Vortag hatte ein Polizeisprecher gesagt, dass alle Ausländer, deren Aufenthaltsort bekannt sei, nun in Sicherheit seien. Nach EU-Angaben bestand zuletzt zu rund 1.000 Europäern weiter kein Kontakt. Die Zahl der vermissten Österreicher wurde vom Außenministerium Ende letzter Woche mit weniger als zehn angegeben.
UNO „extrem beunruhigt“
„Extrem beunruhigt“ zeigen sich unterdessen die Vereinten Nationen (UNO) mit Blick auf die nach wie vor schleppende Verteilung von Hilfsgütern. UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos verwies in diesem Zusammenhang auf anhaltende Hürden bei der Zollabfertigung auf dem internationalen Flughafen von Kathmandu. Wegen möglicher Erdbebenschäden dürfen auf der einzigen Start- und Landebahn zudem keine großen Flugzeuge mehr landen.
Vor allem in abgelegenen Regionen warten immer noch viele Menschen auf Hilfsgüter. Nach UNO-Angaben werden in den kommenden drei Monaten mindestens zwei Millionen Zelte, Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente benötigt. Im größten Sportstadion sowie auf den Golfplätzen von Kathmandu reihen sich die Zelte bereits aneinander. Die Zeit drängt: Die Regenzeit beginnt in wenigen Wochen.

AP/Niranjan Shrestha
Geschätzte 600.000 Häuser hielten dem Beben nicht stand
600.000 Häuser zerstört
Nach UNO-Angaben wurden bei dem Beben rund 600.000 Häuser zerstört. Finanzminister Mahrat erklärte, sein Land benötige mindestens zwei Milliarden Dollar, um Wohnhäuser, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude und historische Stätten wiederaufbauen zu können. „Das ist nur eine vorläufige Schätzung, und es wird einige Zeit brauchen, um den Schaden zu ermessen und den Wiederaufbau zu bewerten“, sagte er.
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