Warnung vor Seuchen
In Nepal behindern Dauerregen und die anhaltende Gefahr von Erdrutschen die Hilfen für die Erdbebenopfer. Im Bergland, wo mit den größten Zerstörungen gerechnet wird, konnten auch am Donnerstag keine Hubschrauber landen. „Die Natur scheint gegen uns zu sein“, sagte der Chef des Krisenstabes im Heimatministerium, Rameshwor Dandal.
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Hilfsorganisationen warnten vor dem Ausbruch von Seuchen. In einigen Lagern, in denen obdachlose Bebenopfer Zuflucht gefunden haben, nähmen Durchfallerkrankungen zu. Es fehlen Toiletten und sauberes Trinkwasser. Die Behörden in Nepal sprachen am Donnerstag von rund 5.500 Toten; in den Nachbarländern Indien und China starben zusammen mindestens hundert Menschen. Fast 11.000 Menschen wurden laut den jüngsten Zahlen verletzt.

APA/EPA/Indian Air Force
Das Ausfliegen von Verletzten gestaltet sich wegen des Wetters und der wenigen Hubschrauber schwierig
Betroffene aufgebracht
Die durch kaputte Straßen, mangelhafte Infrastruktur und Organisationschaos schleppende Verteilung von Hilfsgütern bringt immer mehr Menschen auf. In ländlichen Gebieten blockierten Dorfbewohner Lastwagen mit Hilfsgütern und forderten von der Regierung schnellere Hilfen. Das bitterarme Nepal bat das Ausland, mit Hubschraubern auszuhelfen. Im Land sind derzeit nur rund 20 Helikopter für die Rettungsflüge verfügbar.

Reuters/Navesh Chitrakar
Ein junger Mann wird medizinisch versorgt
Teenager lebend aus Trümmern geborgen
Fünf Tage nach dem Beben retteten Helfer einen Teenager lebend aus den Trümmern. Der Nepalese sei in den Ruinen einer Pension in der Hauptstadt Kathmandu gelegen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Donnerstag der dpa. Er sei in guter Verfassung. Auf Fotos lokaler Medien war zu sehen, wie zahlreiche Männer den Teenager auf einer Trage in Sicherheit bringen.
Der junge Mann stamme aus dem Distrikt Nuwakot und habe als Helfer im Hidden Guest House in der Nähe der Busstation Gongabu gearbeitet, sagte der Sprecher weiter. Wenige Stunden später konnten Rettungskräfte eine Frau aus den Trümmern eines Gebäudes in Kathmandu retten, wie ein Helfer sagte. Zuvor hatten Hilfskräfte ein elfjähriges Mädchen noch lebend gefunden - 90 Stunden nach der Katastrophe.
Entspannung in Kathmandu
In Kathmandu versuchten die Menschen langsam wieder in den Alltag zurückzufinden. Die Banken nahmen den Betrieb erstmals seit der Katastrophe vom Samstag wieder auf. Auch einige Geschäfte, Restaurants und Cafes öffneten wieder. Viele Familien verließen die Zelte und kehrten in ihre Häuser zurück. Die Zahl der Nachbeben nahm ab, die Erdstöße wurden schwächer. Schulen und Universitäten blieben laut offiziellen Angaben noch geschlossen. Die Gerichte aber arbeiteten wieder, wenn auch eingeschränkt. Auch Strom war in Teilen der Stadt wieder verfügbar.
China bringt 4.000 Menschen in Sicherheit
Fünf Tage nach dem schweren Himalaya-Erdbeben brachten chinesische Behörden mehr als 4.000 Menschen in Sicherheit. Nach dem Beben in Nepal waren in Tibet mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag mitteilte. Aus Angst vor Erdrutschen entschieden die Behörden, die Stadt Zham zu evakuieren, in der das Beben Häuser zerstört hatte. Die Menschen wurden in Zelten in der 300 Kilometer entfernten Gemeinde Lhatse untergebracht.
UNO sieht lange Aufbauarbeit
Nach dem Erdbeben benötigen UNO-Hilfsorganisation für weitere Nothilfe für Nepal nach eigenen Angaben 415 Millionen Dollar (380 Mio. Euro). Mit dem Geld sollen in den kommenden drei Monaten unter anderem Unterkünfte für eine halbe Million Menschen finanziert werden, die durch das Erdbeben am 25. April ihr Obdach verloren haben.
Auch für die Versorgung von mehr als vier Millionen Nepalesen mit sauberem Wasser und Nahrung sowie für die medizinische Betreuung der mehr als 10.000 Verletzten seien erhebliche Mittel erforderlich, erklärte OCHA am Mittwoch in Genf. Durch das Beben seien mehr als 70.000 Häuser zerstört und mehr als 530.000 Wohnungen beschädigt worden.

AP/Wally Santana
Lebensmittel werden verteilt
Die UNO-Organisationen hoffen, mit den erbetenen Spenden in den nächsten Wochen und Monaten auch Hilfsprogramme für 2,1 Millionen Kinder und mehr als eine halbe Million Frauen finanzieren zu können. Betroffen sind nach UNO-Angaben acht Millionen Menschen. In den Gebieten rund um das Zentrum des Bebens sind bis zu 90 Prozent der Gesundheitsversorgung nicht funktionsfähig.
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