Zahl der Opfer immer noch unklar
Nach ersten Meldungen über eine beginnende Fluchtwelle Anfang der Woche haben bis Dienstag bereits Zehntausende Menschen die nepalesische Hauptstadt Kathmandu verlassen. Gründe sind die Angst davor, dass Trinkwasser und Nahrung bald zu Ende gehen, aber auch die Suche nach Verwandten außerhalb der Stadt.
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Das Transportministerium gab die Zahl der Flüchtlinge aus der Hauptstadt bis Dienstag mit mindestens 250.000 an. Sie seien auf der Suche nach Nahrung und Wasser, sagte Philips Ewert, Einsatzleiter der Hilfsorganisation World Vision. Außerdem wollten die Menschen wissen, wie es ihren Angehörigen oder Häusern auf dem Land gehe.

AP/Wally Santana
Eingetroffene Hilfsgüter werden für die Verteilung vorbereitet
Laut Zensusdaten aus dem Jahr 2011 leben in Kathmandu etwa 1,7 Mio. Menschen, im ganzen Land sind es 26 Millionen. Bereits am Montag waren auf Bildern völlig überladene Busse und Lkws zu sehen gewesen.
Regierung mit Katastrophe überfordert
Drei Tage nach dem Beben mit der Stärke 7,8 erreichten erst am Dienstag Hilfsmannschaften auch Siedlungen in den entlegenen Regionen des Himalaya-Staats. Zahlreiche Straßen wurden zerstört, Bergetrupps kamen teils nicht einmal mit Geländewagen, sondern nur noch zu Fuß weiter.
Bei einer Krisensitzung aller nepalesischen Parteien sagte Regierungschef Sushil Koirala, die Behörden unternähmen alles, um die Bedürftigen mit Zelten, sauberem Wasser und Lebensmitteln zu versorgen. Sie seien aber von der schieren Zahl der Hilferufe aus den entlegenen Himalaya-Dörfern zunehmend überfordert: „Von überall treffen Bitten um rasche Hilfe ein, aber wir sind nicht in der Lage, überall gleichzeitig Rettung zu organisieren, da uns Ausrüstung und Experten fehlen.“

APA/EPA/Diego Azubel
Soldaten suchen in den Trümmern von Gebäuden nach Opfern
Auch Innenminister Bam Dev Gautam beklagte fehlende Mittel für den Katastropheneinsatz: „Wir waren auf ein Desaster dieses Ausmaßes nicht vorbereitet“, so Gautam, der gleichzeitig offen eingestand, dass die Behörden massive Schwierigkeiten haben, die Krise zu meistern.
Allein im benachbarten Indien stünden Hunderte Funkstationen sofort zur Verfügung, seit Sonntag besteht auch ein weltumspannendes, moderiertes Netz aus Kurzwellenstationen, deren Frequenzen für Funkverkehr aus Nepal reserviert sind. Was aber derzeit noch fehlt, sind Stationen, die aus Nepal senden, weil Funklizenzen dort aus politischen Gründen bis 2011 praktisch nicht erhältlich waren - mehr dazu in fm4.ORF.at.
Zahl der Todesopfer steigt auf über 5.000
Das nepalesische Innenministerium revidierte am Dienstag die Schätzung der Zahl der Todesopfer auf über 5.000 nach oben, die der Verletzten dürfte über 10.000 betragen. Die Behörden rechnen mit einem weiteren Anstieg der Opferzahlen - Premier Koirala sprach zuletzt sogar von bis zu 10.000 Toten.
Insgesamt sind von den Auswirkungen des Bebens nach Einschätzung der UNO rund acht Millionen Menschen betroffen: Mehr als 1,4 Millionen seien auf Lebensmittelhilfen angewiesen, viele Menschen brauchten aber auch Wasser oder hätten ihre Wohnungen verloren, erklärte die Organisation.

Reuters/Wolfgang Rattay
Freiwillige Helfer beseitigen Schutt
Zahlreiche Staaten und Organisationen entsandten inzwischen Helfer nach Nepal. Die Europäische Kommission versprach drei Millionen Euro Soforthilfe. Die Bundesregierung beschloss am Dienstag im Ministerrat Unterstützung in Höhe von 500.000 Euro. Es kommen 250.000 Euro für Lebensmittel aus dem Agrarministerium dazu.
Mure zerstört Dorf im Bebengebiet
Am Dienstag ging eine Mure auf die entlegene Ortschaft Ghodatabela nieder, 250 Menschen galten danach als vermisst. Die Schlammlawine habe nach Angaben des Gouverneurs des Bezirks Rasuwa, Uddhav Bhattarai, zur Mittagszeit das rund zwölf Stunden Fußmarsch von der nächsten größeren Ortschaft entfernte Dorf getroffen. Ghodatabalela liegt an einer bei Touristen beliebten Trekkingroute. Ob sich auch Ausländer unter den Vermissten befinden, sei allerdings noch unklar.

APA/AP/International Nepal Fellowship/Thomas Meier
Am Dienstag erreichten erste Hilfsmannschaften den Bezirk Gorkha
Bhatterai sprach gleichzeitig von einer „vorläufig geschätzten“ Vermisstenzahl und einer schwierigen Kommunikation mit der schwer zugänglichen Region, in der sich das verschüttete Dorf befindet. Laut dem Behördenvertreter werde außerdem die bereits angelaufene Rettungsaktion durch schlechtes Wetter und Regen erschwert.
Mehr als 100 Nachbeben
Geht es nach dem Chef der nepalesischen Seismologiebehörde, Lok Bijava Adhikari, ist zumindest die Wahrscheinlichkeit von schweren Nachbeben zuletzt deutlich gesunken. Die Zahl und Stärke der insgesamt mehr als 100 Nachbeben lasse nach; das schwerste ereignete sich am Sonntag mit einer Stärke von 6,7.

APA/ORF.at
Alle Bergsteiger vom Mount Everest ausgeflogen
Nach den Erdbebenlawinen auf dem Mount Everest wurden inzwischen alle Bergsteiger ins Tal geflogen. Sie seien per Hubschrauber von den Höhencamps 1 und 2 ins Basislager gebracht worden, sagte Ang Tshering Sherpa vom Nepalesischen Bergsteigerverband am Dienstag. Insgesamt seien 180 Alpinisten festgesessen, weil die Abstiegsroute von Lawinen zerstört wurde. Die örtliche Polizei sprach zuvor von 205 Geretteten.
Nach dem gewaltigen Erdbeben am Samstag hatte eine Lawine auch Teile des Everest-Basislagers zerstört. Dabei dürften bis zu 22 Menschen gestorben sein. Zum Zeitpunkt des Unglücks hielten sich etwa 1.000 Menschen im Basislager auf.
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