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Massenflucht aus der Hauptstadt

In Nepal sind die Rettungsmaßnahmen nach der Erdbebenkatastrophe vom Wochenende angelaufen, aber die Rahmenbedingungen sind schwierig. Straßen sind zerstört, viele entlegene Siedlungen nicht erreichbar, der einzige internationale Flughafen in Kathmandu musste erst wegen Nachbeben mehrfach gesperrt werden, Transporter konnten nicht landen.

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Am Montag mussten vier Militärmaschinen aus Indien umkehren. Dabei habe es sich um Großraumtransporter vom Typ Boeing C-17 und B-130 bzw. Iljuschin mit Hilfsgütern, Funkausrüstung und Rettungsmannschaften an Bord gehandelt, teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Delhi, Sitanshu Kar, mit.

Wie viele Menschenleben das Erdbeben gefordert hatte, war am Montag noch unklar. Die Behörden sprachen von über 4.400 Toten - wie viele es am Ende sind, werde sich erst zeigen, wenn Hilfsmannschaften auch die entlegenen Katastrophengebiete erreicht haben. Das Weiterkommen für sie sei äußerst schwierig, hieß es. Zahlreiche Siedlungen außerhalb der Hauptstadt Kathmandu seien wenn, dann nur per Geländewagen oder überhaupt nur noch zu Fuß erreichbar.

Flüchtende am Flughafen

Reuters/Danish Siddiqu

Überlebende verbringen die Nacht in Notunterkünften

Medikamente dringend benötigt

Laut nepalesischen Behörden fehlt es an Zelten, Decken, Matratzen und Medikamenten. Auch das Personal sei viel zu knapp. Man brauche mehr Ärzte, sagte ein Minister gegenüber der BBC. „Es gibt Menschen, die keine Unterkunft und keine Lebensmittel haben. Ich habe Berichte aus Dörfern erhalten, wonach dort 70 Prozent der Häuser zerstört wurden“, sagte der oberste Regierungsbeamte im Distrikt Gorkha, Udav Prashad Timalsina. Das Zentrum des Bebens lag in der Nähe dieses Bezirks. Fast das gesamte Militär des Landes sei mittlerweile für Hilfseinsätze mobilgemacht. „Wir konzentrieren uns darauf, Leben zu retten.“

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Zerstörte Stadt aus der Vogelperspektive

Die Hauptstadt wurde von dem Beben schwer getroffen. Ein Video, das von einer Drohne beim Flug über der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu aufgenommen wurde, zeigt das ganze Ausmaß der Katastrophe.

Flucht aus Kathmandu

In der Hauptstadt war die Lage am Montag unübersichtlich. Laut Berichten lokaler Medien setzte eine Fluchtwelle aus Kathmandu ein. Tausende drängten sich auf dem Flughafen, die Ausfahrtsstraßen aus der Hauptstadt waren blockiert. Grund für die Panik seien andauernde Nachbeben und die Angst vor einem drohenden Versorgungsnotstand. Zahlreiche Menschen hätten berichtet, dass sie seit der Katastrophe am Samstag unter freiem Himmel übernachtet hätten, hieß es. Laut „Himalayan Times“ gab es am Montag erneut Nachbeben der Stärke 4,4 und 4,5 auf der Richterskala.

Luftaufnahme von einer Drohne von den Zerstörungen in Nepal

AP/Kishnor Rana

Ausnahmezustand in Kathmandu

Verletzte würden auf der Straße behandelt, da mehrere Krankenhäuser der Stadt mit rund einer Million Einwohnern zerstört worden seien. Chirurgen mussten in Zelten operieren. Weite Teile des Erdbebengebiets wurden von der Stromversorgung abgeschnitten. Die Wasserversorgung war unterbrochen, die meisten Tankstellen waren geschlossen.

Luftaufnahme von einer Drohne von den Zerstörungen in Nepal

AP/Kishnor Rana

Auch Swayambhunath, ein Tempelkomplex im Westen der Stadt, wurde vom Beben zum Teil verwüstet.

Schlimmstes Beben in der Region seit über 80 Jahren

Die Behörden kämpften mit einem drohenden Engpass an Trinkwasser und Lebensmitteln und dem drohenden Ausbruch von Krankheiten, hieß es. „Wir werden mit Rettungs- und Hilfsanfragen aus dem gesamten Land überschwemmt“, sagte Deepak Panda vom nationalen nepalesischen Katastrophenschutz. Der Wiederaufbau könnte Nepal bis zu fünf Mrd. Dollar (rund 4,6 Mrd. Euro) oder rund ein Fünftel seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) kosten, hieß es am Montag in ersten Schätzungen zur materiellen Schadensbilanz.

Rettungsarbeiten nach Erdbeben

AP/Altaf Qadri

Verletzte werden im Freien versorgt - Krankenhäuser sind zerstört oder überfüllt

Nach Angaben des nepalesischen Innenministeriums starben bei dem Erdbeben über 4.400 Menschen, mehr als 7.000 wurden verletzt. Viele der Todesopfer wurden aus Angst vor Seuchen sofort verbrannt. Die Katastrophe war die schlimmste seit einem Beben im Jahr 1934, das damals 8.500 Menschenleben gefordert hatte. Auch aus Nepals Nachbarländern wurden Dutzende Todesopfer gemeldet. In Tibet wurden mindestens 1.000 Häuser zerstört, in dem Hochland sind rund 300.000 Menschen von der Bebenkatastrophe betroffen.

Rettungsarbeiten nach Erdbeben

AP/Manish Swarup

Zerstörte Gebäude, gerissene Stromleitungen

Hilfe aus dem Ausland angelaufen

Zahlreiche Staaten und Organisationen entsandten Helfer nach Nepal. Die Europäische Kommission versprach drei Millionen Euro Soforthilfe. Das Geld solle zusätzlich zu den Hilfen der einzelnen Mitgliedsstaaten und zur Entsendung von Zivilschutzexperten in die Erdbebenregion fließen, sagte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides. Am dringendsten würden medizinische Helferteams und Nothilfelieferungen benötigt. Die USA sagten zehn Mio. Dollar zu. Viele Helfer wurden aus dem Ausland eingeflogen - auch mehrere Österreicher sind an Ort und Stelle.

Karte von Nepal

APA/ORF.at

Nepal rief den Notstand in den betroffenen Gebieten aus, in denen 6,6 Millionen Menschen leben. Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigte, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht.

Mehrere Österreicher im Katastrophengebiet

Im Außenministerium in Wien meldeten sich laufend besorgte Angehörige von Österreichern, die in der Region unterwegs sind. Zu rund 20 Österreichern in der Region gab es am Montag weiter keinerlei Kontakt. Zu rund 80 Personen, die in der Gegend unterwegs waren, habe man hingegen Kontakt, sagte Martin Weiss, Sprecher des Außenministeriums. Berichte über verletzte oder tote Österreicher gab es nicht.

Andrea Reisinger vom Roten Kreuz aus Kathmandu

Mehrere Mitarbeiter von Hilfsorganisationen aus Österreich sind in Kathmandu zur Unterstützung der lokalen Einsatzkräfte, darunter auch Andrea Reisinger vom Roten Kreuz. Sie beschreibt den Wettlauf mit der Zeit.

„Alle, mit denen wir gesprochen haben, sind unterschiedlich betroffen“, sagte Weiss. Rund 30 Personen wollen rasch ausfliegen. Teilweise gebe es auch wieder Flüge. „Das Honorarkonsulat versucht zu helfen.“ Die Lage in Nepal verschlechtere sich zunehmend, Geschäfte seien geschlossen, es gibt Probleme mit der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung. „Das ist nicht mehr eine Urlaubsdestination, es ist ein Entwicklungsland, das sich in einer Katastrophe befindet“, sagte Weiss.

Gefährliche geologische Nahtstelle

Nepal und die ganze Himalaya-Region sind ein stark durch Erdstöße gefährdetes Gebiet. Beben entstehen, wenn sich Gesteinsschollen im tieferen Bereich der Erdkruste ruckartig verschieben. Experten sprechen von „Subduktion“. Weltweit treiben bis zu 20 größere Platten auf zähflüssigem Material des Erdmantels. An ihren Grenzen entstehen starke Spannungen, die sich schlagartig in Beben entladen können. Dabei wird hohe Energie mit möglicherweise verheerenden Folgen frei. In der Himalaya-Region drückt die Indische Platte von Süden gegen Afghanistan und Tibet auf der Eurasischen Platte. An der Nahtstelle von Pakistan über Nepal bis Burma bebt häufig die Erde.

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