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Entlegene Dörfer kaum erreichbar

Wie viele Menschenleben das Erdbeben in Nepal gefordert hat, ist zwei Tage danach unklar. Die Todeszahl wurde von den Behörden Montagnachmittag auf über 3.900 nach oben korrigiert. Wie viele es am Ende sind, werde sich erst zeigen, wenn Hilfsmannschaften auch die entlegenen Katastrophengebiete erreicht haben.

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Das Weiterkommen für sie sei äußerst schwierig, hieß es. Zahlreiche Siedlungen außerhalb der Hauptstadt Kathmandu seien wenn, dann nur per Geländewagen oder überhaupt nur noch zu Fuß erreichbar. Das Erdbeben der Stärke 7,8 hat die meisten größeren Straßen zerstört. Von Indien aus seien von insgesamt sieben nur fünf Routen passierbar, von China aus gebe es kein Durchkommen. Das Land im Himalaya hat nur einen internationalen Flughafen in der Hauptstadt.

Flüchtende am Flughafen

Reuters/Danish Siddiqu

Tausende warten auf dem völlig überfüllten Flughafen auf eine Ausreisemöglichkeit

„Es gibt Menschen, die keine Unterkunft und keine Lebensmittel haben. Ich habe Berichte aus Dörfern erhalten, wonach dort 70 Prozent der Häuser zerstört wurden“, sagte der oberste Regierungsbeamte im Distrikt Gorkha, Udav Prashad Timalsina. Das Zentrum des Bebens lag in der Nähe dieses Bezirks. Fast das gesamte Militär des Landes sei mittlerweile für Hilfseinsätze mobilgemacht. „Wir konzentrieren uns darauf, Leben zu retten.“

Flucht aus Kathmandu

In der Hauptstadt war die Lage am Montag unübersichtlich. Laut Berichten lokaler Medien setzte zu Wochenbeginn eine Fluchtwelle aus Kathmandu ein. Tausende drängten sich auf dem Flughafen, die Ausfahrtsstraßen aus der Hauptstadt seien blockiert. Grund für die Panik seien andauernde Nachbeben und die Angst vor einem drohenden Versorgungsnotstand.

Flüchtende am Flughafen

APA/EPA/Hemanta Shrestha

Übervolle Busse auf dem Weg aus der Hauptstadt

Zahlreiche Menschen hätten berichtet, dass sie seit der Katastrophe am Samstag unter freiem Himmel übernachtet hätten, hieß es. Laut „Himalayan Times“ gab es Montagfrüh erneut zwei Nachbeben der Stärke 4,4 und 4,5 auf der Richterskala. Verletzte würden auf der Straße behandelt, da einige Krankenhäuser der Stadt mit rund einer Million Einwohnern zerstört worden seien. Chirurgen mussten in Zelten operieren.

Über 3.900 Tote und 7.100 Verletzte

Die Behörden kämpften mit einem drohenden Engpass an Trinkwasser und Lebensmitteln und dem drohenden Ausbruch von Krankheiten, hieß es. „Wir werden mit Rettungs- und Hilfsanfragen aus dem gesamten Land überschwemmt“, sagte Deepak Panda vom nationalen nepalesischen Katastrophenschutz. Der Wiederaufbau könnte Nepal bis zu fünf Mrd. Dollar (rund 4,6 Mrd. Euro) oder rund ein Fünftel seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) kosten, hieß es am Montag in ersten Schätzungen zur materiellen Schadensbilanz.

Rettungsarbeiten nach Erdbeben

AP/Altaf Qadri

Verletzte werden im Freien versorgt - Krankenhäuser sind zerstört oder überfüllt

Wie die Polizei Montagnachmittag via Facebook bekanntgab, gibt es mittlerweile mehr als 3.900 Todesopfer, über 7.100 seien verletzt. Die Katastrophe war die schlimmste seit einem Beben im Jahr 1934, das damals 8.500 Menschenleben gefordert hatte. Dutzende Menschenleben forderte das Beben außerdem in Indien, Tibet und am Mount Everest. In Tibet wurden mindestens 1.000 Häuser zerstört, in dem Hochland sind rund 300.000 Menschen von der Bebenkatastrophe betroffen.

Infrastruktur großteils zerstört

Der Erdstoß mit dem Zentrum etwa 80 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu zerstörte große Teile der Infrastruktur des Landes, viele alte Häuser sowie Weltkulturerbe- und Pilgerstätten. Weite Teile des Erdbebengebiets wurden von der Stromversorgung abgeschnitten. Die Wasserversorgung war unterbrochen und die meisten Tankstellen geschlossen.

Rettungsarbeiten nach Erdbeben

AP/Manish Swarup

Zerstörte Gebäude, gerissene Stromleitungen

Wegen eines heftigen Gewitters musste in Kadhmandu am Sonntag der Flughafen zeitweise gesperrt werden. Bereits zuvor wurde die Landebahn wegen Nachbeben immer wieder gesperrt, wie unter anderem die „Times of India“ berichtete. Dem „Indian Express“ zufolge spielten sich auf Nepals einzigem internationalem Flughafen chaotische Szenen ab - unter anderem warteten dort auch zahllose Touristen vorerst vergeblich auf ihre Ausreise.

Hilfe aus dem Ausland angelaufen

Zahlreiche Staaten und Organisationen entsandten Helfer nach Nepal. Die Europäische Kommission versprach drei Millionen Euro Soforthilfe. Das Geld solle zusätzlich zu den Hilfen der einzelnen Mitgliedsstaaten und zur Entsendung von Zivilschutzexperten in die Erdbebenregion fließen, sagte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides. Am dringendsten würden medizinische Helferteams und Nothilfelieferungen benötigt.

Karte von Nepal

APA/ORF.at

Notstand ausgerufen

Nepal rief den Notstand in den betroffenen Gebieten aus, in denen 6,6 Millionen Menschen leben. Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigte, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht.

Im Außenministerium in Wien meldeten sich unterdessen laufend besorgte Angehörige von Österreichern, die in der Region unterwegs sind. Insgesamt hielten sich mindestens 88 Österreicher am Wochenende in der Region auf. Zu einem Großteil gab es Kontakt, die Betroffenen waren alle unverletzt. Rund 20 Personen wurden allerdings noch nicht erreicht. Das sei jedoch nicht verwunderlich, da die meisten kontaktierten Österreicher, die in bergigen Regionen des Landes unterwegs waren, von dem Erdbeben eher wenig mitbekommen haben dürften, betonte Ministeriumssprecher Martin Weiss.

Gefährliche Nahtstelle

Nepal und die ganze Himalaya-Region sind ein stark durch Erdstöße gefährdetes Gebiet. Beben entstehen, wenn sich Gesteinsschollen im tieferen Bereich der Erdkruste ruckartig verschieben. Experten sprechen von „Subduktion“. Weltweit treiben bis zu 20 größere Platten auf zähflüssigem Material des Erdmantels. An ihren Grenzen entstehen starke Spannungen, die sich schlagartig in Beben entladen können. Dabei wird hohe Energie mit möglicherweise verheerenden Folgen frei. In der Himalaya-Region drückt die Indische Platte von Süden gegen Afghanistan und Tibet auf der Eurasischen Platte. An der Nahtstelle von Pakistan über Nepal bis Burma bebt häufig die Erde.

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