Inspiration auch vom Wiener KHM
Seit seiner Kindheit ist Franco Maria Ricci von Labyrinthen fasziniert, seit rund 30 Jahren träumt er davon, ein eigenes zu errichten, und diesen Traum hat der als Verleger, Designer und Kunstsammler gefeierte Spross einer Aristokratenfamilie in jahrelanger Arbeit nun in die Realität umgesetzt.
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Bei Riccis Labirinto della Masone handelt es sich aber keineswegs um die Attraktion eines neuen Rummels - das in Fontanellato nahe Parma gelegene Areal erinnert vielmehr an den Hof eines Renaissance-Fürsten, und allein der Blick auf Riccis bisheriges Schaffen reicht, um zu erkennen: Der 77-Jährige ist besessen von der klaren Formensprache dieser Zeit und deren Vorbildern in der Antike.
„Laissez-moi cultiver mon jardin“
„Schon immer“ fasziniert war Ricci aber auch von Labyrinthen, und diese Leidenschaft teilte er nicht zuletzt mit dem befreundeten und in seinem Verlag tätigen argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges. Im Gespräch mit Borges sei vor rund 30 Jahren schließlich auch die Idee eines eigenen Labyrinths entstanden, und diese sollte Ricci nicht mehr loslassen.
Mit „Laissez-moi cultiver mon jardin“ („Lass mich meinen Garten kultivieren“) deutete Ricci im Frühjahr 2004 in dem von ihm herausgegebenen Kunstmagazin „FMR“ schließlich erstmals an, ganz im Sinne Voltaires nicht Luftschlösser, sondern einen Garten bauen zu wollen. „Wie viele Herrschaften vergangener Tage“ werde er sich fortan „der Errichtung eines Gartens widmen, mit Ruinen und Bambus, in dessen Schatten ein großes Labyrinth entstehen wird, mit einer Bibliothek und vielen anderen überflüssiger Sachen“.
Drei Kilometer umfassendes Wegenetz
Gesagt, getan: Ab 29. Mai kann sich die Öffentlichkeit nun selbst ein Bild von Riccis Reich machen, in deren Zentrum ein Labyrinth steht, das den Anspruch erhebt, das weltgrößte seiner Art zu sein. In Summe wurde auf einer Fläche von 300 mal 300 Metern mit Zehntausenden Bambuspflanzen ein drei Kilometer umfassendes Wegenetz geschaffen.
Um ein möglichst perfektes Ergebnis zu erzielen, kamen rund 200 Bambusarten zum Einsatz. Obwohl von Ricci immer wieder als geradezu ideale Pflanze für sein Vorhaben bezeichnet, dürfte hier einer der wenigen Kompromisse zu finden sein, die der Perfektionist bereit war einzugehen: Wäre er jünger gewesen, so Riccis offenes Eingeständnis, hätte wohl auch er auf den an sich traditionellen, allerdings langsam wachsenden Buchsbaum zurückgegriffen.
Das Grundmuster orientiert sich dann aber wieder streng an antiker Vorlage, konkret an zwei römischen Mosaiken aus den Beständen des Bardo-Museums in Tunis und der Antikensammlung des Wiener Kunsthistorischen Museums (KHM). Damit nicht genug: Auch die von Ricci gegenüber dem Onlinemagazin La Bottega di Hamlin angesprochene Neuinterpretation ist historischen Ursprungs. Ganz im Geiste der Renaissance wurden demnach in Form von Gabelungen und Sackgassen auch „hier und da kleine Fallen eingebaut“.
Schöpfer stilbildender Designs
Der Irrgarten ist allerdings nicht nur Ort „zum Treffen und Verlieren, zum Tagträumen und Reflektieren“, sondern auch einziger Weg zu einem von mehreren Museumsgebäuden, die sich neben einer pyramidenförmigen Kapelle, einer Kunstschule und diversen Veranstaltungsräumen ebenfalls auf dem als Masone bezeichneten Areal befinden.

Giovanni Ricci Franco Maria Mariotti
Buchhinweis
Franco Maria Ricci: Labyrinths: The Art of the Maze. Rizzoli, 240 Seiten, 65,99 Euro.
Mit seinem Alterswerk wollte Ricci jedenfalls nicht nur einen tatenlosen Lebensabend als „alter Verleger“ verhindern, sondern laut „Corriere della Sera“ vielmehr auch sein Lebenswerk geordnet wissen. Allein seine Bibliothek umfasst samt den eigenen herausgegeben Büchern und dem Gesamtwerk des italienischen Buchdruckers Giambattista Bodoni (1740 bis 1813) über 15.000 Werke. Dazu kommt eine viel beachtete, vom 16. bis zum 20. Jahrhundert reichende Skulpturen-, Gemälde- und Möbelsammlung.
Mit 250 Quadratmetern ist Bodoni auch der größte Saal in dem streng neoklassizistisch errichteten Museumsareal gewidmet. Immer wieder bezeichnete Ricci den bereits zu Lebzeiten zum „König der Drucker, Drucker der Könige“ geadelten Bodoni als sein großes Vorbild. Obwohl als Grafikdesigner bereits erste Fußstapfen gesetzt waren, ebnete 1963 auch der Nachdruck von Bodonis „Manuale Tipografico“ den Weg des an sich gelernten Geologen. Was folgte, waren hochgelobte exklusive Kunstbücher, das preisgekrönte und in fünf Sprachen erschienene Kulturmagazin „FMR“ und eine Designsprache, die allein am Beispiel der Anfang der 90er Jahre gestalteten Alitalia-Tickets als stilbildend bezeichnet werden kann.
Peter Prantner, ORF.at
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