Athen nun mit 177 Prozent Schulden
Das Defizit der Euro-Länder ist im Vorjahr von 2,9 Prozent auf 2,4 Prozent gesunken. Laut aktuellen Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat zeigten die Sparanstrengungen und Haushaltssanierungen der Euro-Länder im Vorjahr durchaus Wirkung. Ein Abbau des öffentlichen Schuldenbergs ist allerdings weiter nicht in Sicht - ganz im Gegenteil wurde das Minus wieder größer.
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Laut Eurostat stieg die Verschuldungsquote der Euro-Zone gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2014 auf 91,9 Prozent bzw. rund 9,3 Billionen Euro. Ein Jahr zuvor wurde mit 90,9 Prozent erstmals die 90-Prozent-Marke überschritten. In der gesamten EU liegt der Schuldenstand mit 86,8 Prozent leicht tiefer - im Vergleich zu 2013 (85,5 Prozent) wurde aber auch hier ein deutlicher Anstieg verzeichnet. Sowohl im Euro-Raum wie auch in der gesamten EU zeigt die Schuldenkurve jedenfalls seit Jahren nach oben. Zum Vergleich: 2011 war der Euro-Raum im Schnitt noch mit 85,5 Prozent und die gesamte EU mit 80,9 Prozent verschuldet.
Griechenland bleibt Sorgenkind Nummer eins
Größtes Sorgenkind der Euro-Zone bleibt mit einer Verschuldung von mittlerweile 177,1 Prozent bzw. 319,2 Milliarden Euro Griechenland. Vom Vorsatz der früheren griechischen Regierung, die Schulden deutlich zu reduzieren, ist somit wenig übrig geblieben. 2013 betrug die griechische Schuldenquote noch 175 Prozent, 2012 dank einem milliardenschweren Hilfspaket der EU-Partner bei rund 156 Prozent.

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Mit dem Vorsatz, seine Schulden abzubauen, ist bisher auch Italien gescheitert. Nach 128,5 Prozent im Jahr 2013 stiegen die öffentlichen Schulden 2014 vielmehr auf 132,1 Prozent. Zu Europas höchstverschuldeten Ländern zählen weiterhin Portugal, das im Vorjahr ebenfalls die 130-Prozent-Marke überschritt, sowie Irland (109,7 Prozent), Zypern (107,5 Prozent) und Belgien (106,5 Prozent).
Insgesamt liegen 16 EU-Staaten teils deutlich über dem Maastricht-Kriterium von 60 Prozent Gesamtverschuldung gemessen am BIP. Außer Reichweite ist das derzeit auch für Österreich, dessen Schuldenquote 2014 von 80,9 Prozent (260 Mrd. Euro) auf 84,5 Prozent (278 Mrd. Euro) stieg. Die niedrigsten Schuldenquoten verzeichneten Estland (10,6 Prozent), Luxemburg (23,6 Prozent), Bulgarien (27,6 Prozent), Rumänien (39,8 Prozent) und Lettland (40,0 Prozent).
Gestiegenes Defizit dank Causa Hypo
Ganz gegen den EU-Trend stieg in Österreich auch das Defizit mit 2,4 Prozent (2013: 1,3 Prozent) deutlich und liegt nun auf dem von Eurostat für 2014 berechneten Durchschnittswert für den Euro-Raum. In der gesamten EU ging das Defizit im selben Zeitraum von 3,2 Prozent auf 2,9 Prozent zurück. Einen öffentlichen Budgetüberschuss gab es nur in Dänemark (plus 1,2 Prozent), Deutschland (plus 0,7 Prozent), Estland und Luxemburg (je plus 0,6 Prozent). Zu den Musterschülern mit sehr geringem Defizit zählen Litauen (0,7 Prozent), Lettland (1,4 Prozent) und Rumänien (1,5 Prozent).
Zwölf EU-Staaten wiesen ein Defizit von mehr als drei Prozent der Wirtschaftsleistung und damit der zulässigen Maastricht-Obergrenze auf. Das höchste Defizit hatte Zypern (8,8 Prozent), gefolgt von Spanien (5,8 Prozent), Kroatien und Großbritannien (je 5,7 Prozent), Slowenien (4,9 Prozent), Portugal (4,5 Prozent), Irland (4,1 Prozent), Frankreich (4,0 Prozent), Griechenland (3,5 Prozent) sowie Belgien, Polen und Finnland (je 3,2 Prozent).
Rückgängige Staatsausgaben
Eine nur geringfügige Veränderung wurde von Eurostat bei den Staatsausgaben festgestellt. Diese sank gegenüber 2013 in der Euro-Zone von 49,4 auf 49,0 Prozent und in der Gesamt-EU von 48,6 auf 48,1 Prozent. In Österreich stiegen die Ausgaben des Staates hingegen von 50,9 Prozent im Jahr 2013 auf 52,3 Prozent 2014.
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