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Dramatischer Bericht von Überlebenden

Nach der Flüchtlingstragödie im Mittelmeer am Wochenende mit 700 bis über 900 Toten sind am Montag erneut mehrere Schiffe mit Flüchtlingen in Seenot geraten. Nachdem die Internationale Organisation für Migration (IOM) von mehreren schiffbrüchigen Booten berichtet hatte, bestätigte Italiens Premier Matteo Renzi den Empfang von insgesamt drei Hilferufen.

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Italien und Malta hätten bereits Rettungseinsätze eingeleitet, wie Renzi am Montag nach einem Treffen mit Maltas Premierminister Joseph Muscat weiter mitteilte. „Ein Schlauchboot befindet sich 30 Seemeilen (55 Kilometer) vor Libyen mit 100 bis 150 Menschen an Bord. Ein weiteres Schiff ist etwas größer mit 300 Menschen“, sagte Renzi. Auch ein drittes Boot habe um Hilfe gebeten.

Zuvor hatte die IOM erklärt, sie habe Informationen über drei weitere Schiffe in Seenot erhalten. Das habe ein Anrufer, der sich angeblich auf einem der Boote befand, berichtet. Auf einem Schiff, das am Sinken sei, befänden sich nach Angaben des Anrufers 300 Menschen, 20 von ihnen seien gestorben.

Kutter vor Rhodos zerschellt

Ebenfalls am Montag zerschellte ein Kutter mit Flüchtlingen an Bord direkt vor einem beliebten Strand der griechischen Touristeninsel Rhodos an einem Felsen. Mindestens drei Menschen starben, darunter ein vierjähriges Kind, wie die Küstenwache am Montag mitteilte. Weitere 93 seien aus dem Wasser gerettet worden, 30 von ihnen ins Krankenhaus gekommen. Wie viele Menschen insgesamt an Bord waren, konnte die Küstenwache zunächst nicht sagen.

Flüchtlinge schwimmen ans Ufer

APA/EPA/Loukas Mastis

Viele Flüchtlinge konnten sich an Teilen des zerschellten Bootes festhalten

Nach ersten Erkenntnissen der Küstenwache kam das Schiff offenbar aus der Türkei. Der Kutter lief auf Felsen rund 100 Meter vor dem beliebten Badestrand Zefyros der Stadt Rhodos auf und zerschellte. Augenzeugen gaben an, die Flüchtlinge klammerten sich an Teile des Schiffes, um die Küste zu erreichen. Medienberichten zufolge beteiligten sich auch Inselbewohner an der Rettung.

Erfolglose Suche nach Überlebenden

Nach der Flüchtlingstragödie im Mittelmeer am Wochenende fanden die Rettungskräfte keine weiteren Überlebenden oder Toten. Die Suche nach Vermissten werde fortgesetzt, „aber leider wurde kein einziger Überlebender gefunden“, sagte die Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Italien, Carlotta Sami, am Montag dem TV-Sender RAInews24.

Küstenwache bei Rettungsaktion

AP/Küstenwache

Ein Schiff der italienischen Küstenwache sucht am Sonntag nach Überlebenden

Am Sonntag konnten 28 Menschen gerettet werden, 24 wurden tot geborgen. Das Schiff war in der Nacht auf Sonntag rund 110 Kilometer vor der Küste Libyens gekentert. Wie das UNHCR unter Berufung auf Überlebende mitteilte, waren rund 700 Menschen an Bord. Nach Angaben eines anderen Überlebenden, der in ein Krankenhaus im sizilianischen Catania eingeliefert wurde, befanden sich sogar 950 Flüchtlinge an Bord.

„Wir waren 950 Menschen an Bord, auch 40 bis 50 Kinder und etwa 200 Frauen“, sagte der aus Bangladesch stammende Überlebende laut Nachrichtenagentur ANSA der Staatsanwaltschaft Catania. Viele Menschen seien im Laderaum eingeschlossen gewesen: „Die Schmuggler haben die Türen geschlossen und verhindert, dass sie herauskommen.“ Um herauszufinden, wie viele Menschen tatsächlich an Bord waren, wollen die Behörden nun weitere Überlebende befragen. UNHCR-Sprecherin Sami sagte, 950 Menschen an Bord eines 20 Meter langen Schiffes erscheine ihr zu viel. „Es ist aber sicher, dass es Hunderte Opfer geben wird und viele von ihnen nie gefunden werden.“

Überlebende Flüchtlinge nach Schiffsunglück

Reuters/Darrin Zammit Lupi

Überlebende am Montag auf einem Schiff der italienischen Küstenwache im Hafen von La Valetta auf Malta

Ob das Schiff und die vermutlich Hunderten Leichen geborgen werden können, war unklar. Die Küstenwache erklärte, möglicherweise werde es keine Gewissheit über die Zahl der Toten geben, da das Mittelmeer an der Unglücksstelle sehr tief sei. Die wenigen Überlebenden erreichten am Montagabend mit einem Schiff Sizilien. Der zuständige Staatsanwalt Giovanni Salvi sagte, die meisten Flüchtlinge seien in den unteren Decks des Schiffs eingesperrt gewesen, als das Unglück geschah. Warum sie eingesperrt wurden, blieb unklar.

Hunderttausende „zur Abfahrt bereit“

Das UNHCR rechnet mit einer weiteren Massenflucht aus Nordafrika. „Es gibt Hunderttausende Menschen, die zur Abfahrt in Nordafrika bereit sind. Die Zahl könnte jedoch wesentlich höher sein. Europa muss sofort eine Strategie im Umgang mit dem Flüchtlingsnotstand entwickeln. 28 EU-Mitgliedsstaaten sind in der Lage, einige hunderttausend Menschen aufzunehmen“, sagte UNHCR-Sprecherin Sami.

Flüchtlinge nach Rettungsaktion

AP/APTV

Flüchtlinge am Samstag auf einem Schiff der italienischen Marine

Sie hob hervor, dass Menschenhändler auch brutal mit Flüchtlingen umgegangen seien. „Diese Banden werden immer grausamer. Sie wollen rasch so viele Migranten wie nur möglich auf die Boote bringen. Es ist ihnen gleichgültig, ob sie lebend oder tot ankommen“, sagte Sami.

„Mittelmeer ist zu Friedhof geworden“

UNO-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres forderte am Sonntag hingegen ganz klar eine Ausdehnung des Rettungseinsatzes im Mittelmeer. Lampedusas Bürgermeisterin Giusi Nicolini rechnet mit weiteren Tragödien: „Wer vor einem brennenden Haus flüchten muss, tut alles, um sich zu retten. Das Mittelmeer ist zu einem Friedhof geworden - und Italien ist sich selbst überlassen.“

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