Ausgezogen, geschlagen, aufgehängt
Nach einem Lynchmord an einem mutmaßlichen Vergewaltiger sind in Indien am Sonntag 34 Verdächtige festgenommen worden. Ihnen wird die Beteiligung an den Krawallen am vergangenen Donnerstag vorgeworfen, teilte die Polizei in der Stadt Dimapur im nordöstlichen Bundesstaat Nagaland mit.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Es werde nun untersucht, wer von den Verdächtigen auch für die Tötung des 25-jährigen Mannes verantwortlich ist. Der neue Polizeichef Wabang Jamir kündigte zudem weitere Festnahmen an. Mehrere Menschen seien auf Fotos und Videos identifiziert worden, die nach dem Vorfall in Sozialen Netzwerken verbreitet worden waren. An den Ausschreitungen sollen sich mehrere tausende Menschen beteiligt haben.
Internet zwei Tage lang blockiert
Nach Angaben der Polizei hatte eine aufgebrachte Menge am Donnerstag das Gefängnis in Dimapur gestürmt, dabei zwei Tore niedergerissen und den Mann zum Glockenturm der Stadt geschleppt. Dort sei er nackt ausgezogen, geschlagen und aufgehängt worden. Der Mann war Ende Februar unter dem Vorwurf festgenommen worden, eine 19-jährige Frau aus der Volksgruppe der Naga mehrfach vergewaltigt und verletzt zu haben.
Bei dem Versuch, die aufgeheizte Lage nach dem Lynchmord wieder in den Griff zu bekommen, erschoss die Polizei einen 25-jährigen Mann. Sie erließ eine Ausgangssperre und schickte Hunderte Sicherheitskräfte zu Patrouillen auf die Straßen. Auch das Internet wurde zwei Tage lang blockiert, um zu verhindern, dass Bilder und Videos von dem Lynchmord verbreitet werden und so zu weiteren Gewaltakten angestachelt wird. In einem ersten Schritt wurden zudem der Polizeichef, ein Gefängniswärter sowie ein Spitzenbeamter der Region vom Dienst freigestellt, berichtete der indische Sender NDTV.
Konflikt zwischen Lokalen und Einwanderern
Der Vorfall ereignete sich, nachdem die Regierung in einer umstrittenen Entscheidung die Ausstrahlung eines Dokumentarfilms über die Gruppenvergewaltigung in der indischen Hauptstadt von Dezember 2012 verboten hatte. In dem Fall dürfte sich der Volkszorn jedoch weniger an der Tatsache entzündet haben, dass einer Frau Gewalt angetan wurde, sondern daran, dass der mutmaßliche Täter ein Immigrant aus Bangladesch gewesen sein soll.
In der nordöstlichen Grenzregion gibt es immer wieder Spannungen zwischen der lokalen Bevölkerungsgruppe der Naga und den verstärkt einwandernden Muslimen aus Bangladesch. Seit Jahren werfen die Naga den Einwanderern vor, illegal Land zu besetzen und ihre Ressourcen zu verbrauchen.
Link: