„Wir verkünden unsere Treue zum Kalifen“
Der Chef der nigerianischen Extremistengruppe Boko Haram, Abubakar Shekau, hat der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) seine Gefolgschaft zugesichert. „Wir verkünden unsere Treue zum Kalifen der Muslime, Ibrahim bin Awad bin Ibrahim al-Hussaini al-Kraschi“, heißt es in einer Audiobotschaft, die am Samstag über das Twitter-Konto von Boko Haram verbreitet und Shekau zugeschrieben wurde. Der IS-Chef Kraschi ist besser bekannt unter dem Namen Abu Bakr al-Baghdadi.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Baghdadi hatte sich Ende Juni vergangenen Jahres in der irakischen Großstadt Mossul zum „Kalifen“ aller Muslime erklärt - ein Anspruch, der von fast allen islamischen Geistlichen zurückgewiesen wird. Zugleich rief der Dschihadistenführer ein „Kalifat“ aus, das vorerst die Gebiete in Syrien und dem Irak unter der Kontrolle seiner Miliz umfasst.
Unter seiner Führung hat sich die IS-Miliz zur wohl mächtigsten, reichsten und brutalsten Dschihadistengruppe der Welt entwickelt. Bereits mehrere Islamistengruppen in Afghanistan, Pakistan und Nordafrika haben sich mit dem selbsternannten IS-Kalifen verbündet.
13.000 Todesopfer auf Weg zu „Gottesstaat“
Boko Haram (etwa: westliche Bildung ist Sünde) kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Gottesstaat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Immer wieder greift sie säkulare Schulen an und brennt sie nieder oder schließt sie. Seit 2009 tötete die Gruppe bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen etwa 13.000 Menschen.
In den vergangenen Monaten hatte die Extremistengruppe ihre Aktivitäten auch auf andere Staaten ausgeweitet. Es wurden mehrfach Angriffe im Südosten des Niger und in Kamerun gestartet. Die Extremisten haben entlang der Grenze zu Kamerun und dem Tschad ein Gebiet von der Größe Belgiens erobert. Niger, Kamerun und der Tschad entsandten daraufhin Truppen in den Nachbarstaat, um den Vormarsch des Islamisten zu stoppen. Weltweit für Aufsehen hatten die Extremisten gesorgt, als sie im April vergangenen Jahres eine Schule überfallen und 276 Schülerinnen entführt hatten. Die meisten von ihnen werden noch immer vermisst.
Bombenanschläge an belebten Plätzen
In Nigeria selbst richtete Boko Haram allein am Samstag ein Blutbad mit über 50 Toten an. Ziel der Bombenanschläge waren Augenzeugen zufolge zwei Märkte und eine Bushaltestelle in der Großstadt Maiduguri. Aus Krankenhauskreisen verlautete, dass dabei mehr als 36 Menschen verletzt worden seien.
Auf einem Markt detonierte ein Sprengsatz, als der Attentäter daran gehindert wurde, mit seinem Fahrzeug in eine Menschenmenge zu rasen. An einer Bushaltestelle explodierte eine Autobombe. Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Maiduguri ist die Hauptstadt des Bundesstaates Borno, der Hochburg der Sekte Boko Haram. Die Gruppe hatte Ende Jänner versucht, die Stadt einzunehmen. Die Extremisten wollen Maiduguri zur Hauptstadt ihres Islamistenstaates machen.
Über Organisationsstrukturen und Mitgliederzahlen der ursprünglich als Sekte ins Leben gerufenen Boko Haram liegen keine gesicherten Informationen vor. Der Gruppe werden Kontakte zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern nachgesagt.
Links: