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Weitere Mitglieder bereits in Haft

Die brasilianischen Behörden haben nach eigenen Angaben den Kopf einer kriminellen Bande festgenommen, die für die Zerstörung von zwanzig Prozent der Regenwaldbestände verantwortlich gemacht wird. Ezequiel Antonio Castanha sei am Wochenende verhaftet worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

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Der Verhaftung des mutmaßlichen Bandenchefs im nordbrasilianischen Bundesstaat Para gingen laut den Angaben sechsmonatige Ermittlungen voran. Dem Bandenchef drohen bis zu 46 Jahre Haft wegen illegaler Abholzung, Geldwäsche, Verschwörung sowie der Nutzung gefälschter Dokumente. Das Vorgehen der Kriminellen laut den Behörden immer demselben Muster.

Schaden in Millionenhöhe

Laut Staatsanwaltschaft nahm die Bande illegal Besitz von Waldstücken, rodete diese und verkaufte sie teuer an Viehbauern. Den dadurch entstandenen Schaden schätzt sie auf umgerechnet rund 203 Millionen Euro. Im Rahmen ihrer Ermittlungen hatte die Polizei schon vorher acht Mitglieder der Bande gefasst.

Ezequiel Antonio Castanha wird verhaftet

Reuters/Folha do Progresso/Juliano Simionato

Bandenchef Ezequiel Antonio Castanha bei der Verhaftung

Freude über Ermittlungserfolg

Der Leiter des brasilianischen Umweltinstituts IBAMA, Luciano Evaristo, begrüßte den Ermittlungserfolg. Die Zerschlagung der Bande trage „zu einem erheblichen Teil“ dazu bei, den illegalen Kahlschlag unter Kontrolle zu bekommen, sagte er. Sein Institut hatte dabei geholfen, die Bande aufzuspüren.

Die Regierung hatte im November bekanntgegeben, dass die Abholzung im Amazonasbecken binnen eines Jahres um 18 Prozent gesunken sei. Demnach wurden zwischen August 2013 und Juli 2014 insgesamt 4.848 Quadratkilometer Wald abgeholzt, die zweitkleinste Fläche seit Erfassung der Daten, wie das Institut für Raumfahrtforschung (INPE) mitteilte.

„Kein Grund zum Feiern“

Die Angaben beruhten auf der Auswertung von Satellitenaufnahmen und könnten um bis zu zehn Prozent abweichen, wurde betont. Konsolidierte Daten sollen noch vorgelegt werden, hieß es damals. Für August und September 2014 hatten brasilianische Medien vor der offiziellen Bekanntgabe über einen deutlichen Anstieg der Abholzung berichtet. Die Umweltschutzorganisation WWF sah in den neuen offiziellen Zahlen „keinen Grund zum Feiern“. Die Situation bleibe dramatisch.

Der brasilianischen Regierung wird seit langem vorgeworfen, sich zwar öffentlichkeitswirksam für eine Reduktion der Rodungen einzusetzen, in Wahrheit jedoch stärker von wirtschaftlichen Interessen geleitet zu sein - und damit eine Fortführung der Abholzungspolitik zu forcieren.

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