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Solidarität mit jüdischer Gemeinde

Drei Tote, inklusive des Täters, und fünf Verletzte: Das ist die traurige Bilanz der Anschläge in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Doch das skandinavische Land will sich von den Angriffen nicht einschüchtern lassen. Am Sonntag zeigte die Regierung in einer ersten Reaktion Stärke.

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„Es gibt viele Fragen, die die Polizei noch beantworten muss“, sagte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt am Sonntag bei einer Pressekonferenz. „Aber es gibt eine Antwort, die wir heute schon geben können. Und die lautet, dass wir unsere Demokratie verteidigen werden.“ Dänemark habe einige Stunden erlebt, die das Land nicht vergessen werde.

Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt

APA/EPA/Simon Laessoee

Thorning-Schmidt sieht Kräfte, „die Dänemark schaden wollen“

„Wir wissen nicht, was die Motive für die Attacken waren, aber wir wissen, dass es Kräfte gibt, die Dänemark schaden wollen, die unsere Meinungsfreiheit und unseren Glauben an Freiheit zerstören wollen“, sagte Thorning-Schmidt. Die Ministerpräsidentin brachte auch ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zum Ausdruck. „Die jüdische Gemeinde ist ein wichtiger Teil von Dänemark. Ihr steht nicht alleine da“, sagte sie.

Auch Dänemarks Königin Margrethe beschwor die Dänen zusammenzuhalten. „Es ist wichtig, dass wir in so einer schwierigen Situation zusammenstehen und die Werte schützen, auf denen Dänemark aufgebaut ist“, sagte die Königin laut der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. Bei zwei Anschlägen auf das Kulturzentrum Krudttönden (zu Deutsch: Pulverfass) und eine Synagoge in der dänischen Hauptstadt waren zwei Menschen getötet und fünf verletzt worden, bevor die Polizei den mutmaßlichen Attentäter am frühen Sonntagmorgen erschoss.

Polizei identfiziert mutmaßlichen Täter

Der Mann ist den Polizeiangaben zufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Mord an einem Gast einer Diskussionsveranstaltung sowie an einem jungen jüdischen Wachmann vor einer Synagoge verantwortlich. Die Polizei stützt sich unter anderem auf die Auswertung von Videomaterial aus Überwachungskameras. Der Mann sei den Ermittlern bekannt gewesen, hieß es bei einer Pressekonferenz Sonntagmittag. Die Identität des Mannes wollten Polizei und Sicherheitsbehörden zunächst aber nicht preisgeben. „Er kommt aus Kopenhagen, das ist alles, was wir sagen können“, sagte der Chef der dänischen Sicherheitsbehörde PET, Jens Madsen.

Am Sonntag stürmten Polizisten auch ein Internetcafe und nahmen zwei Verdächtige fest. Ein Polizeisprecher sagte dem Radiosender DR, die Razzia sei Teil der Ermittlungen. Am Sonntag durchsuchte die Polizei mehrere Wohnungen in dem Viertel Nörrebro, wo der mutmaßliche Täter erschossen wurde.

Polizisten nach dem EInsatz

APA/EPA/Martin Sylvest

Der Großeinsatz der Polizei ist zu Ende - ermittelt wird weiterhin

Der Anschlag gegen das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im Jänner in Paris könnte den Attentäter nach Einschätzung von PET zu den Taten inspiriert haben. Nichts deute bisher darauf hin, dass der Mann einen Komplizen gehabt habe, sagte Madsen, noch gebe es Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Täter sich als Dschihadist in Syrien oder im Irak aufgehalten habe. Die Ermittler fanden eine Waffe, die die Tatwaffe sein könnte.

Taxifahrer gab entscheidenden Tipp

Den Ermittlungen zufolge war der Mann nach dem Angriff auf die Diskussionsveranstaltung zum Thema „Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit“ am Samstag zunächst in einem dunklen VW Polo geflohen, der später in Kopenhagen gefunden wurde. Danach setzte er seine Flucht in einem Taxi fort und ließ sich nach Hause in seine Wohnung fahren. Von dort aus dürfte er später zum Anschlag auf die Synagoge aufgebrochen sein.

Karte von Kopenhagen

APA/ORF.at

Den entscheidenen Tipp bekamen die Ermittler in der Nacht vom Taxifahrer. Als die Beamten den Verdächtigen am frühen Sonntagmorgen vor dem observierten Haus in dem Stadtteil Noerreport nahe dem gleichnamigen Bahnhof angesprochen hätten, habe der Mann das Feuer eröffnet, berichtete die Polizei. Daraufhin hätten die Beamten zurückgeschossen und den Angreifer getötet.

Karikaturist als wahrscheinliches Ziel

Bei dem Opfer, das in dem Kulturzentrum erschossen wurde, handelt es sich um einen 55 Jahre alten Mann. Der Angriff hatte vermutlich dem schwedischen Zeichner Lars Vilks gegolten. Er ist seit Jahren in islamistischen Kreisen wegen seiner Mohammed-Karikaturen in der Kritik und war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen. Islamisten setzten ein Kopfgeld in Höhe von 150.000 Dollar auf ihn aus.

Vilks blieb bei dem Anschlag unverletzt. Er hatte sich zusammen mit der Mitorganisatorin der Diskussion, Helle Merete Brix, in einem Kühlraum verschanzt. Unter den Besuchern war auch der französischen Botschafter Francois Zimeray. Er blieb unverletzt. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve machte sich am Sonntag von Marokko aus auf den Weg in die dänische Hauptstadt. Am Montagabend soll es in Kopenhagen am ersten Tatort, dem Kulturzentrum Krudttönden, eine Gedenkfeier für die Opfer geben.

Schock in jüdischer Gemeinde

Das zweite Opfer, das in der Nacht vor einer Synagoge in Kopenhagen von einer Kugel in den Kopf tödlich getroffen wurde, ist nach Angaben aus der jüdischen Gemeinde ein 37-jähriger Wachmann jüdischen Glaubens. Er hatte die Menschen kontrolliert, die in die Synagoge zur Feier einer Bat Mizwa kamen. Nach Angaben des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, gelang es dem Angreifer nicht, in das Gebäude vorzudringen, wo etwa 80 Menschen versammelt waren.

Laut Asmussen hatte die jüdische Gemeinde die Sicherheitsvorkehrungen nach den Terroranschlägen in Paris Anfang Jänner verstärkt. „Ich bin schockiert. Alle sind schockiert“, sagte Asmussen dem dänischen Fernsehen am Sonntag. „Das ist das, was wir immer befürchtet haben. Und das, wovor wir die ganze Zeit gewarnt haben, dass es in Dänemark passieren könnte.“

Netanjahu ruft Juden zur Auswanderung auf

Großbritanniens Premierminister David Cameron sicherte der dänischen Regierung volle Unterstützung im Kampf gegen den Terror zu. "Die Schüsse von Kopenhagen sind ein abstoßender Angriff auf die freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit", sagte Cameron am Sonntag in einem Statement. Dänemark sei wie Großbritannien eine erfolgreiche Multi-Kulti-Demokratie. Der dänische Verteidigungsminister Nicolai Wammen bekräftigte, sein Land werde einer Terrorbedrohung nicht weichen. 

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief die Juden in Europa nach den Terroranschlägen in Kopenhagen zur Auswanderung in den jüdischen Staat auf. „Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren“, sagte er am Sonntag während einer Kabinettssitzung in Jerusalem. „Diese Terrorwelle wird weitergehen.“ Er wende sich an die Juden in Europa: „Israel ist eure Heimstätte.“ Auf die Anschläge in Paris im Jänner, bei denen auch vier Juden getötet worden waren, hatte Netanjahu bereits mit einem ähnlichen Aufruf reagiert.

Umstrittene Moschee distanziert sich

Die umstrittene dänische Grimhoej-Moschee in Aarhus distanzierte sich unterdessen von den Terrorangriffen in Kopenhagen. „Wir sind natürlich gegen jede Art von Gewalt und Terror gegen Unschuldige“, sagte der Vorsitzende der Moschee, Oussama Mohamad El-Saadi, der Zeitung „Jyllands-Posten“. Er sei traurig über die Ereignisse.

El-Saadi warnte vor einer pauschalen Verurteilung aller Muslime, falls es sich bei dem Täter um einen Muslim handle. „Wir sollten in dieser Gesellschaft keinen Hass aufeinander schüren“, sagte er. Aus dem Umfeld der Grimhoej-Moschee sollen viele der mutmaßlichen dänischen Dschihadisten stammen, die sich in Syrien und im Irak der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben.

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