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Pharrell Williams predigt Managern

Am 18. Juni soll auf allen sieben Kontinenten - auch in der Antarktis - ein riesiges Musikevent, ein zweites „Live Earth“, stattfinden. Das kündigten am Mittwoch Ex-US-Vizepräsident Al Gore und Popstar Pharrell Williams („Happy“) beim Weltwirtschaftsforum in Davos an.

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Es soll sieben Konzerte in Städten rund um die Welt geben - unter anderem in Paris und New York. Es soll das größte jemals da gewesene Spektakel dieser Art sein, so Gore. Ziel sei es, „eine Milliarde Stimmen mit einer Botschaft - Klimaschutz jetzt - zu haben“, so Gore, der vor sieben Jahren den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz für den Kampf gegen den Klimawandel erhielt. Das Konzertevent soll Druck auf die Regierungen ausüben, die im November in Paris zum nächsten UNO-Klimagipfel zusammentreffen.

Al Gore, Pharrell Williams

APA/AP/Michel Euler

Für den Auftritt mit Gore im verschneiten Davos verzichtete Williams sogar auf den zum Markenzeichen gewordenen Mountain-Hut

Einigung in weiter Ferne

Derzeit ist eine Einigung auf ein Weltklimaabkommen noch in weiter Ferne. Beim UNO-Klimagipfel in Lima im Dezember 2014 verständigten sich die Regierungen auf einen Kompromiss, der den Weg für ein weltweites Abkommen in diesem Jahr ebnen soll. Die nach zweitägiger Verlängerung erzielte Einigung sieht vor, dass alle Regierungen bis Ende März überarbeitete nationale Programme zur Reduzierung der Treibhausgase vorlegen müssen.

Al Gore

APA/EPA/Laurent Gillieron

Mit Bildern von Katastrophen versuchte Gore die in Davos Versammelten wachzurütteln

Zudem wurde auf Druck der Entwicklungsländer eine weitgehendere finanzielle Unterstützung durch die reichen Staaten zugesichert. Dem in Lima erzielten Abkommen zufolge müssen Regierungen bis zu einer informellen Frist am 31. März Programme zur Reduzierung der Treibhausgase vorlegen. Die umstrittensten Punkte wurden jedoch bis zur UNO-Klimakonferenz in Paris im November verschoben. Gore betonte, dass die in der Vorwoche präsentierte US-Studie, dass 2014 das heißeste jemals gemessene Jahr gewesen sei, die Dringlichkeit zu handeln unterstreiche.

„Menschheit in Harmonie bringen“

Popstar Williams, der in Davos als Kreativdirektor der Kampagne präsentiert wurde, nannte noch keine Details oder Namen der Musiker, die in den Stadien auftreten werden. Er meinte lediglich, dass es Überraschungen geben werde: „Wir wollen nicht nur, dass die Leute auftreten, wie wollen im wahrsten Sinne des Wortes, dass die gesamte Menschheit harmoniert.“ Das sei neu für ihn, aber eine „großartige Herausforderung“. „Ich glaube, ihr wisst, wie gravierend das Klimawandel-Ding ist“, so Williams zu den in Davos versammelten Managern und Politikern. „Wir sind eine sehr besondere Gattung ... und ich finde, wir müssen dieser Idee gerecht werden.“

„Etwas ganz anderes machen“

Williams erinnerte daran, dass er bei „Live Earth“ 2007 in Rio de Janeiro auftrat und sagte, das sei ein Riesenfest gewesen. Doch man sei damals „oft lächerlich gemacht“ worden. „Wir wollen diesmal etwas ganz anderes machen.“ In einem Videoclip vor Williams’ Auftritt in Davos war von 100 Künstlern bei den sieben Konzerten die Rede. Die Shows sollen bis zu sechs Stunden dauern.

Ob Megakonzerte - mit dem unweigerlich damit verbundenen Verkehrsvolumen und damit negativen CO2-Fußbadruck - dabei helfen werden, die Staats- und Regierungschefs zu mehr Aktivität gegen den Klimawandel zu bewegen, bleibt abzuwarten. Dass auch die Antarktis in den Konzertreigen eingeschlossen sein soll, könnte jedenfalls für Diskussion sorgen.

Der Gründer von „Live Earth“, Kevin Wall, zeigte sich jedenfalls in Davos vom Konzept überzeugt: „Die Macht der Musik ist einzigartig, weil sie keine Sprach- oder andere Grenzen kennt. Pharrell wird diese Kraft nützen. Wenn man Musik mit einer Botschaft verbindet, kann man etwas verändern.“

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