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2015 könnte es 200.000 Erstanträge geben

Die Zahl der Asylwerber in Deutschland wird in diesem Jahr nach einer Prognose des Bundesamtes für Migration weiter steigen. „Wir rechnen bisher im nächsten Jahr mit 200.000 Erstanträgen und 30.000 Folgeanträgen“, sagte der Präsident des Bundesamtes, Manfred Schmidt, im Dezember der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zum Vergleich: Von Jänner bis November 2014 gab es in Deutschland insgesamt 181.453 Asylanträge.

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Die Behörde erwartet aber, dass die Aufnahme künftig reibungsloser verläuft. Nachdem es 2014 vielerorts zu chaotischen Zuständen in den Erstaufnahmestellen gekommen war und viele Behörden völlig überlastet waren, setzt Schmidt darauf, dass 2015 eine Reihe von Maßnahmen greifen. So sollen deutschlandweit in den nächsten Monaten zwölf neue Erstaufnahmeeinrichtungen geschaffen werden.

„Brauchen ein Integrationskonzept“

Außerdem sollen sich zusätzliche Mitarbeiter beim Bundesamt um die Asylanträge kümmern. Bis Ende 2014 nahmen laut Schmidt 300 neue Angestellte die Arbeit auf. Im Laufe dieses Jahres kommen weitere 350 hinzu. „Sie werden im Sommer so weit sein, dass sie alleine Anhörungen durchführen können“, sagte Schmidt.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit dieser Schritte. Damit werde die Lage zwar kurzfristig verbessert und die Dauer der Asylverfahren verkürzt. „Wir brauchen aber ein Integrationskonzept und nicht ein Konzept, wie wir Obdachlosigkeit vermeiden“, sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt der dpa. Außerdem gelte: „Ein schnelles Verfahren ist nicht immer auch ein gründliches Verfahren.“

„Große Anstrengungen“

Auch die deutschen Gemeinden blicken mit Sorge auf die Entwicklung. „Es wird großer Anstrengungen bedürfen, die Menschen, die wahrscheinlich länger, als wir denken, bei uns bleiben werden, unterzubringen, zu versorgen und zu integrieren“, sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages, die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU), der dpa. Sie bekräftigte die Forderung nach mehr Geld von Bund und Ländern.

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, forderte, Asylsuchenden schneller eine Arbeitserlaubnis zu gewähren, sobald sie ausreichend Deutsch sprechen. Bisher sei es mit dem Arbeitsverbot leicht, den Flüchtlingen den Vorwurf zu machen, sie lägen den Deutschen auf der Tasche. „Das sind Probleme, die wir selbst produzieren“, sagte sie auch mit Blick auf die PEGIDA-Proteste gegen eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands.

Verfahrensdauer reduzieren

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hofft, dass sich mit den zusätzlichen Mitarbeitern die Dauer der Asylverfahren deutlich reduzieren lässt. Die deutsche Regierung hatte das Ziel ausgegeben, die durchschnittliche Verfahrensdauer von jetzt etwa sieben Monaten auf drei zu verkürzen. „Wenn die Entwicklungen so eintreffen, wie wir hoffen, werden wir Mitte des Jahres bei unter sieben Monaten sein“, sagte Schmidt. Derzeit liegen bei der Behörde jedoch noch 163.000 offene Verfahren. 15.000 davon sind älter als zwei Jahre.

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