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„Beste Zeiten von A380 noch vor uns“

Die Passagierflugzeuge von Airbus kommen bei der Kundschaft besser an als die des US-Konkurrenten Boeing. Der europäische Flugzeugkonzern überflügelte die Amerikaner im vergangenen Jahr bei der Zahl der Bestellungen. Wie Airbus am Dienstag bekanntgab, gingen netto 1.456 Orders ein. Boeing wurde um 24 abgehängt - beim Wert der Neubestellungen und auch bei den ausgelieferten Flugzeugen hatten aber die Amerikaner die Nase vorn.

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Für volle Bücher sorgte bei Airbus nicht zuletzt der Dezember des vergangenen Jahres, in dem 400 neue Aufträge verbucht werden konnten, die schließlich für das beste Auftragsjahr in der Unternehmensgeschichte nach 2013 sorgten. „Airbus hat seine Ziele 2014 nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen“, sagte Fabrice Bregier, Chef der Verkehrsflugzeugsparte der Airbus Group.

Festhalten an A380

Wegen der hohen Zahl der Neubestellungen schwollen die Auftragsbücher beider Anbieter zuletzt kräftig an. Airbus kam Ende 2014 auf einen Auftragsbestand von 6.386 Flugzeugen, bei Boeing standen Bestellungen für 5.789 Maschinen in den Büchern. Für begehrte Modelle ist die Produktion auf Jahre hinweg ausgebucht, wenig überzeugen konnten beide Hersteller im Vorjahr aber bei ihren beiden Flaggschiffen A380 und 747-8.

Airbus-Präsident Fabrice Bregier

APA/EPA/Fred Scheiber

Die Airbus-Führung gab am Dienstag die Zahlen für 2014 bekannt

Airbus verzeichnete für sein größtes Flugzeug keine einzige Neubestellung. Die Konzernspitze brachte selbst die Diskussion über ein Ende des Vorzeigejets auf, davon will Bregier nun aber nichts wissen. Der A380 soll vielmehr 2015 erstmals die Gewinnschwelle erreichen. Zudem zeigte sich Bregier sicher, „dass die besten Zeiten des A380 noch vor uns liegen“. Vom weltgrößten Passagierflugzeug lieferten die Europäer 30 Stück aus. Künftig könnte das Prestigemodell mit neuen Motoren ausgerüstet oder als verlängerte Version ins Programm genommen werden. Auf absehbare Zeit gelte es aber, neue Kunden für die aktuelle Ausstattung zu gewinnen, sagte Bregier.

Neuer Rekord bei Auslieferungen

Boeing konnte zwar zwei neue 747-8-Aufträge an Land ziehen - gleichzeitig wurden aber zwei Aufträge wieder storniert. Was die Zahl der Auslieferungen betrifft, hat Airbus zum dritten Mal in Folge gegenüber Boeing das Nachsehen. Die Amerikaner lieferten 723 Modelle und damit 94 mehr aus als Airbus.

Bregier zufolge wird Airbus im laufenden Jahr aber auch hier zulegen, zudem stellte Airbus mit 629 Flugzeugen bereits 2014 einen neuen Produktionsrekord auf. Rekordverdächtig mutet bei Airbus mit 175 Mrd. Dollar (148 Mrd. Euro) auch der Wert der Neuaufträge an. Aber auch hier liegen die Amerikaner wegen eines deutliche höheren Anteils von Großtraumjets mit 233 Mrd. Dollar (197 Mrd. Euro) klar voran.

Airbus hat aber auch hier bereits gegengesteuert und seine Flugzeugpreise mit Jänner erhöht. Die durchschnittlichen Listenpreise seien um 3,27 Prozent angehoben worden. Airbus-Verkaufschef John Leahy begründete den Preisanstieg mit der anhaltend hohen Nachfrage nach den Flugzeugen des europäischen Herstellers. Durch die Preisanhebung könne Airbus seine Profitabilität weiter steigern.

Emirates-Storno bei Langstreckenjets

Die Zahl der Auslieferungen des beliebten Mittelstreckenjets A320 stagnierte 2014 bei etwa 490 Maschinen. Die Bestellungen für Großraummaschinen gingen um 60 Prozent auf 135 Stück zurück und blieben weit hinter den 328 bei Boeing georderten Jumbos. Im Juni hatte Airbus einen Rückschlag verkraften müssen, als die arabische Fluglinie Emirates eine Bestellung von 70 Langstreckenmaschinen stornierte.

Reißenden Absatz fanden bei Airbus vor allem die Mittelstreckenjets der A320-Familie, die wie das Konkurrenzmodell Boeing 737 den Großteil der Verkäufe ausmachen. Der neue Hoffnungsträger von Airbus, der spritsparende Langstreckenjet A350, wurde erstmals kurz vor Weihnachten übergeben - an den Großbesteller Qatar Airways. Die A350-Produktion ist bereits bis zum Jahr 2021 ausgebucht.

Mit diesem Modell tritt Airbus gegen Boeings jüngsten Langstreckenjet 787 „Dreamliner“ und das ältere, aber größere Modell 777 an, das nun eine sparsamere Neuauflage bekommen soll. Die auf 114 Jets gewachsene „Dreamliner“-Produktion hatte Boeings gesamte Auslieferungen im vergangenen Jahr nach oben getrieben. Boeing hatte seine Zahlen vor einer Woche vorgelegt.

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