„Tragödie für die Nation“
Frankreichs Präsident Francois Hollande hat am Freitagabend die doppelte Geiselnahme durch Terroristen als eine „Tragödie für die Nation“ bezeichnet. In einer im Fernsehen live übertragenen Rede an die Nation sprach Hollande mit Blick auf die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt von einem „antisemitischen Akt“.
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Das Staatsoberhaupt lobte die Sicherheitskräfte, die die Geiselnahmen in Paris und nordöstlich der Hauptstadt professionell und effektiv beendet hätten. Er forderte die Franzosen auf, bei dem Solidaritätsmarsch für die Opfer der Terroristen am Sonntag mitzumachen und für Freiheit, Demokratie und Pluralismus einzutreten.

APA/AP/Remy de la Mauviniere
Präsident Hollande wandte sich in einer Fernsehansprache an die Nation
„Beispiellose Herausforderung“
Nach den Worten von Regierungschef Manuel Valls habe Hollande selbst über den Doppelschlag der Polizei gegen die Terroristen entschieden. Valls erklärte am Freitagabend in Paris, man stehe im Kampf gegen den Terrorismus vor einer beispiellosen Herausforderung. Der Sozialist versprach, die Taten vollständig aufzuklären. Die Opfer und ihre Familien hätten ein Recht auf die Wahrheit.
Der konservative Ex-Präsident Nicolas Sarkozy sagte am Abend, „Barbaren“ hätten Frankreich den Krieg erklärt. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve rief die Franzosen nach den beendeten Geiseldramen dazu auf, besonders wachsam zu bleiben und zusammenzustehen. Er selbst konzentriere sich auf seine Aufgabe: Diese bestehe darin, für die Sicherheit der Franzosen zu sorgen und das Land zu schützen, sagte Cazeneuve am Freitag in Paris.
Solidaritätsbekundung von US-Präsident Obama
US-Präsident Barack Obama sicherte Frankreich nach den Attentaten die Solidarität seines Landes zu. „Ich möchte, dass die Bevölkerung von Frankreich weiß, dass die Vereinigten Staaten heute und morgen an ihrer Seite stehen“, sagte Obama am Freitag bei einer Kundgebung im Bundesstaat Tennessee. „Wir trauern mit euch. Wir kämpfen Seite an Seite, um unsere Werte aufrechtzuerhalten.“ Der Präsident sagte erneut, dass Frankreich der „älteste Verbündete“ der USA sei.
„In den Straßen von Paris hat die Welt wieder einmal gesehen, wofür die Terroristen stehen“, fügte er hinzu. „Sie haben nichts anzubieten außer Hass und menschliches Leid.“ Obama zeigte sich zuversichtlich, dass die „unmittelbare Bedrohung“ vorüber sei. Die Situation sei aber weiter „im Fluss“, die Terrorgefahr grundsätzlich nicht gebannt. Das Repräsentantenhaus in Washington gedachte am Freitag mit einem Moment des Schweigens der Opfer der extremistischen Attacken.
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich „erleichtert, dass diese Terroristen von den Behörden der französischen Regierung getötet wurden“. Der Generalsekretär trug sich in das Kondolenzbuch der französischen UNO-Vertretung ein. „Ich bin zuversichtlich, dass Frankreich auch während dieser dunklen Tage weiter als Leuchtturm für Freiheit und Toleranz dienen wird“, schrieb Ban.
Netanjahu bittet um verstärkten Schutz für Juden
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu bat Hollande in einem Telefongespräch am Freitagabend, die Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtungen im Land weiterhin hoch zu halten. Netanjahu habe Frankreich zudem jede mögliche Hilfe angeboten, hieß es.
„Die terroristische Offensive, die in den vergangenen drei Tagen stattgefunden hat, richtet sich nicht nur gegen das französische Volk oder Frankreichs Juden, sondern gegen die gesamte freie Welt“, wurde auch Israels Außenminister Avigdor Lieberman von seinem Sprecher zitiert. Die Attacken in Paris seien ein „weiterer Versuch der Kräfte der Dunkelheit des extremistischen Islams, dem Westen Angst und Schrecken einzujagen“. Die gesamte internationale Gemeinschaft müsse sich diesem „Terror“ entschieden entgegenstellen.
Imame in ganz Frankreich verurteilten während des Freitagsgebets die Anschläge und riefen zu Gewaltlosigkeit auf. Die Attentäter seien „Kriminelle, keine Muslime“, sagte der Geistliche Chabbar Taieb, der fünf Moscheen in Paris vorsteht. Folge ihrer Bluttat sei nun, dass überall die Furcht vor Muslimen zunehme - „und die Muslime ebenfalls in Furcht leben“.
Neue Drohungen von IS und Al-Kaida
Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drohte unterdessen mit einer größeren Terrorkampagne und weiteren Angriffen in Europa und den USA. „Wir haben mit der Operation in Frankreich begonnen, für die wir die Verantwortung übernehmen“, sagte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari nach Angaben von Anwesenden beim Freitagsgebet in einer Moschee der nordirakischen Stadt Mossul: „Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein.“
Auch die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) drohte Frankreich mit weiteren Anschlägen. Es werde neue Angriffe geben, sollte das Land nicht damit aufhören, den Islam, seine Symbole und die Muslime zu „bekämpfen“, schrieb die Dschihad-Beobachtungsplattform Site am Freitagabend. Sie berief sich auf eine per Video verbreitete Rede von Harith bin Ghasi al-Nadhari, einer der wichtigsten Glaubenshüter der Gruppe. „Einige der Söhne Frankreichs waren respektlos gegenüber Allahs Propheten“, daher sei eine Gruppe von „gläubigen Soldaten Allahs“ gegen sie vorgegangen und habe ihnen Respekt beigebracht.
AQAP ist einer der größten Ableger des weltweit agierenden Al-Kaida-Netzwerks. Die sunnitischen Extremisten nutzen den instabilen Jemen unter anderem als Rückzugsort und Rekrutierungsbecken.
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