Schüsse und Explosionen bei Druckerei
Die französische Polizei hat am Freitag die beiden Geiselnahmen beendet und alle Täter getötet. Sicherheitskräfte hätten das Gebäude in Dammartin-en-Goele nordöstlich von Paris gestürmt, in dem sich die beiden „Charlie-Hebdo“-Attentäter versteckt hatten, teilte die Polizei mit. Dabei seien die beiden Brüder getötet worden, die wegen der Schüsse auf die Redaktion der Satirezeitung gesucht wurden.
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Die Geisel, die die beiden in ihrer Gewalt hatten, sei frei. Es sollen zwei Polizisten verletzt worden sein, berichtete der Sender BFMTV. Auch der Geiselnehmer, der sich in einem jüdischen Supermarkt in Paris verschanzt hatte, sei tot, berichtete die Zeitung „Le Monde“ unter Berufung auf Polizeikreise. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie mehrere Menschen aus dem Supermarkt im Osten von Paris rannten. Vier Geiseln sollen unbestätigten Angaben zufolge getötet worden sein.

APA/EPA/Etienne Laurent
Am späten Nachmittag begann die Polizei mit dem Zugriff auf die Druckerei
Die Polizei hatte in Dammartin-en-Goele die mutmaßlichen Attentäter, die am Mittwoch die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ überfallen und zwölf Menschen getötet hatten, eingekreist. Unbestätigten Angaben zufolge handelt es sich bei dem Geiselnehmer in dem Supermarkt um ein Mitglied der Dschihadistengruppe, zu der auch die mutmaßlichen „Charlie Hebdo“-Attentäter gehörten.
Brüder wollten als „Märtyrer“ sterben
Die beiden Brüder Cherif (32) und Said Kouachi werden verdächtigt, am Mittwoch die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ gestürmt und zwölf Menschen getötet zu haben. Seitdem waren die schwer bewaffneten Dschihadisten auf der Flucht. Laut dem konservativen Abgeordneten Yves Albarello sollen die Brüder gesagt haben, sie wollten als „Märtyrer“ sterben. Das berichtete der britische „Telegraph“ (Onlineausgabe).
Schulen wurden evakuiert
Rund um das Industriegelände herrschten massive Sicherheitsvorkehrungen: Die Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Drei Schulen in der Nähe der Druckerei wurden evakuiert. Auf dem nahe gelegenen Flughafen Charles de Gaulle wurden die beiden Bahnen im Norden für Landungen gesperrt.
Am Vormittag hatten französische Medien von Schüssen und einer Verfolgungsjagd berichtet. Meldungen, wonach es zu Verletzten und gar Todesopfern gekommen sei, wurden von offizieller Seite dementiert.
Die Polizei bat die Medien, keine Bilder von dem Großeinsatz zu zeigen. Ansonsten könnten die Terroristen womöglich wissen, wie sich die Sicherheitskräfte im Industriegebiet positionieren, hieß es am Freitag auf einer Facebook-Seite der Sondereinheit GIPN.
Hollande: Müssen alles zum Schutz der Franzosen tun
Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande sagte am Freitag, dass jetzt alles zum Schutz der Franzosen getan werden müsse. Die nach dem Attentat mit zwölf Toten erhöhte Sicherheitsstufe im Großraum Paris und in Teilen Nordfrankreichs diene auch dazu, beruhigend zu wirken, sagte der Präsident im Innenministerium. Terrordrohungen gegen Einrichtungen im Land seien nicht neu, fügte Hollande an. „Wir wussten, dass jederzeit etwas geschehen konnte.“ In der vergangenen Monaten seien mehrere Attentatspläne durchkreuzt worden.
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Großaufgebot der Sicherheitskräfte
Die Regierung hatte landesweit 88.000 Einsatzkräfte mobilisiert, um die mit Kalaschnikows und einer Panzerfaust bewaffneten Brüder Kouachi zu fassen und weitere Terrorakte zu verhindern. Unter den zwölf Todesopfern waren acht Journalisten von „Charlie Hebdo“ und ein weiterer Kollege, der unter anderem für den Radiosender France Inter arbeitete. „Charlie Hebdo“ war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen angefeindet worden.
Terrortraining im Jemen
Unterdessen wurde mehr zur Vergangenheit der beiden jungen Männer bekannt. Said Kouachi, der ältere der Brüder, sei 2011 einige Monate bei einem Al-Kaida-Ableger im Jemen im bewaffneten Kampf ausgebildet worden, berichteten der Fernsehsender CNN und die „New York Times“ („NYT“) am Donnerstagabend. Laut CNN war einer der Brüder außerdem im vergangenen Jahr in Syrien - welcher, ist unklar, berichtete der Sender unter Berufung auf französische Sicherheitskreise.

APA/EPA/Französische Polizei
Die Fahndungsbilder der beiden Hauptverdächtigen wurden veröffentlicht
Die Männer befanden sich auch im Visier der US-Behörden: Ein US-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag, die Brüder seien „seit Jahren“ auf den Überwachungslisten des Landes gestanden. Sie seien dort als Terrorverdächtige geführt worden, und ihre Namen seien auch auf der Flugverbotsliste gestanden, sagte der Vertreter, der anonym bleiben wollte. Zuvor galt eher der jüngere Bruder Cherif Kouachi als amtsbekannt. Er war 2008 wegen Unterstützung von Al-Kaida im Irak verurteilt worden. Von der dreijährigen Haftstrafe wurden anderthalb auf Bewährung ausgesetzt.
Von Behörden überwacht
Dass die Brüder Kouachi im islamistischen Umfeld aktiv waren, war den Behörden bekannt. Schon seit längerem wurden sie überwacht, sagte Innenminister Cazeneuve. Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt habe es aber nicht gegeben. Es sei auch kein juristisches Verfahren vorgelegen, so Cazeneuve im Interview mit dem Sender Europe 1: „Wir treffen hundertprozentig Vorsichtsmaßnahmen, ein Nullrisiko gibt es aber nicht.“
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