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„Wir werden weitermachen“

Trotz des blutigen Anschlags mit zwölf Toten soll die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in der kommenden Woche erscheinen. „Wir werden weitermachen“, sagte der „Charlie Hebdo“-Autor Patrick Pelloux am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. „Wir haben uns entschieden, kommende Woche eine Ausgabe herauszugeben. Wir sind alle einverstanden.“

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Die linksliberale „Liberation“ will die verbliebenen Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“ ab Freitag in ihren Redaktionsräumen unterbringen, weil die Büros des Satireblatts wegen der laufenden Ermittlungen zunächst nicht genutzt werden können. Auch die Pariser Abendzeitung „Le Monde“ und der private Fernsehsender Canal+ boten Unterstützung an. Bereits im Jahre 2012, als die Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“ nach der Veröffentlichung vom Mohammed-Karikaturen durch einen Brandanschlag verwüstet wurden, hatte „Liberation“ die Kollegen des Satiremagazins vorübergehend beherbergt.

Auflage von einer Million geplant

„Wir werden zurechtkommen“, sagte Pelloux. Die Zeitung werde sich nicht unterkriegen lassen. „Das ist sehr hart, wir alle sind voller Leid, Schmerz, Angst“, so der Autor weiter. „Aber wir machen es trotzdem, denn die Dummheit wird nicht gewinnen. Charb (Chefredakteur Stephane Charbonnier, Anm.) hat immer gesagt, dass die Zeitung erscheinen muss, koste es, was es wolle.“ Bei dem Anschlag auf die Redaktion starben acht Mitarbeiter der Zeitung, unter ihnen ihr langjähriger Leiter Charbonnier und vier weitere Karikaturisten.

Bilder der ermordeten Cartoonisten Georges Wolinski, Cabu, Tignous und Charb

Reuters/Gonzalo Fuentes

Zeichen der Trauer und Solidarität mit „Charlie Hebdo“

Statt einer Auflage von 60.000 Stück solle kommende Woche eine achtseitige Ausgabe mit einer Million Exemplare gedruckt werden, hieß es vonseiten des Magazins.

Die bisher erschienenen Ausgaben von „Charlie Hebdo“ sind unterdessen auf der Internetauktionsplattform eBay heiß begehrt. Rund zwei Stunden vor Ende der Bieterfrist wurden rund 1.500 US-Dollar (1.270 Euro) für die am 19. September 2012 erschienene Ausgabe mit umstrittenen Mohammed-Karikaturen geboten. Der Originalpreis betrug 2,50 Euro.

Mohammed-Karikaturen veröffentlicht

„Charlie Hebdo“ sorgte in den letzten Jahren immer wieder für Skandale. Inhaltlich ist das wöchentlich erscheinende Heft in etwa mit dem deutschen Satiremagazin „Titanic“ vergleichbar. Die Autoren und Zeichner kümmerten sich nie besonders um politische Korrektheit, wenn sie ihre Attacken gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft und auch gegen Sekten, Rechtsextreme und religiöse Eiferer ritten.

Die Redaktion mit rund 20 Mitarbeitern veröffentlichte bereits 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. 2011 verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris, Chefredakteur Charbonnier erhielt Morddrohungen. Zuvor hatte „Charlie Hebdo“ zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit dem Titel „Charia Hebdo“ herausgebracht.

Houellebecq in jüngster Ausgabe

Im September 2012 sorgte „Charlie Hebdo“ erneut mit Mohammed-Karikaturen für Aufsehen. Nach der Veröffentlichung mussten französische Einrichtungen in einigen Ländern aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden. Die Website von „Charlie Hebdo“ war tagelang von Hackern gestört. Die jüngste Ausgabe vom Mittwoch widmete die Zeitung dem neuen Roman des französischen Skandalautors Michel Houellebecq, der darin die Machtübernahme durch einen muslimischen Präsidenten in Frankreich im Jahr 2022 beschreibt.

Zu sehen ist auch ein Cartoon, auf dem ein islamistischer Terrorist mit einer umgehängten Kalaschnikow auf dem Rücken zu sehen ist, der sagt: „Noch immer kein Attentat in Frankreich, aber man darf sich ja bis Ende Jänner was wünschen.“

Immer wieder vor Gericht

Die 1970 gegründete Satirezeitung ging aus dem verbotenen Vorgängerblatt „Hara-Kiri“ hervor. Das zwischen Ende 1981 und 1992 wegen Geldmangels vorübergehend eingestellte Blatt muss sich auch regelmäßig vor Gericht verantworten. So gab es unter anderem Klagen nach einer bitterbösen Papst-Sonderausgabe. „Charlie Hebdo“ erscheint auf Zeitungspapier.

Unter Frankreichs Medien herrscht große Solidarität mit dem Satiremagazin. „Nous sommes tous Charlie“ („Wir sind alle Charlie“), schrieb etwa die linke „Liberation“. Die konservative Zeitung „Le Figaro“ titelte mit „Die ermordete Freiheit“.

Allerdings sind auch kritische Stimmen zu hören. Die britische „Financial Times“ schreibt von der „Unverantwortlichkeit“ des Satiremagazins. Zwar sei Frankreich das Land von Voltaire, doch bei „Charlie Hebdo“ seien zu häufig unverantwortliche redaktionelle Entscheidungen getroffen worden. Schweigen wollte Charbonnier mit seinem Magazin nie: „Ich ziehe es vor, mit erhobenem Haupt zu sterben, als auf den Knien zu leben“, sagte er in einem Interview.

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