Obama: „Vive la France!“
Weltweit herrscht Entsetzen über das Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris am Mittwoch. Die USA boten Frankreich als „ältestem Verbündeten Amerikas“ jede Hilfe an. Die Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats verurteilten den Anschlag als „barbarisch“, „feige“ und „inakzeptabel“. Papst Franziskus verurteilte das „grausame Attentat“ entschieden.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
US-Präsident Barack Obama trug sich am Donnerstagabend in der französischen Botschaft in Washington in ein Kondolenzbuch ein. Er zeigte sich solidarisch mit Frankreich und betonte die Verbundenheit beider Nationen. „Wir stehen an der Seite unserer französischen Brüder“, schrieb er nach Angaben des Weißen Hauses. Terror passe nicht zu „Freiheit und den Idealen, für die wir stehen“, fügte er hinzu. „Vive la France!“
Frankreich habe mit den USA gemeinsam gegen die Bedrohung durch Terroristen in der Welt gekämpft, sagte Obama noch am Mittwoch. Er habe seine Regierung angewiesen, den französischen Behörden „jede benötigte Unterstützung“ zukommen zu lassen, um die Verantwortlichen für die „abscheuliche Attacke“ zur Rechenschaft zu ziehen. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern dieser Terrorattacke und der Bevölkerung Frankreichs in dieser schwierigen Zeit.“
Russland sieht Gemeinsamkeiten
Russlands Präsident Wladimir Putin betonte seine Bereitschaft zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus. „Kein Land der Welt kann alleine effektiv gegen den Terrorismus kämpfen“, sagte Putins Sprecher Dimitri Peskow Agenturen zufolge. Wegen der umstrittenen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim und seiner Unterstützung für moskautreue Separatisten im Bürgerkriegsgebiet Ostukraine ist Russland seit Monaten international isoliert. Mit dem Aufruf zum vereinten Kampf gegen den Terror könnte die Führung in Moskau versuchen, die Isolation zu durchbrechen, meinen Beobachter.
„Die Tragödie in Paris zeigt, dass nicht Russland Europa und seine Sicherheit bedroht. Die wahre Gefahr geht von den Agenten des Terrors aus“, kommentierte der bekannte russische Außenpolitiker Alexej Puschkow am Donnerstag im Kurznachrichtendienst Twitter. Auf Französisch fügte er mit Blick auf islamistisch motivierte Anschläge hinzu: „Die Terrorattacken in Frankreich und Russland haben dieselbe Ursache. Ein Grund mehr, zusammenzuarbeiten und nicht in Konflikt zu stehen.“ Vor allem im russischen Nordkaukasus kommt es immer wieder zu Anschlägen radikaler Islamisten.
EU: „Barbarischer“ Akt gegen Demokratie
Die EU-Kommission verurteilte den Anschlag ebenfalls, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sicherte Frankreich die Solidarität der EU zu. Er sei „zutiefst schockiert über den brutalen und unmenschlichen Angriff“, so Juncker am Mittwoch als Reaktion auf den Anschlag. Er sprach von einem „nicht hinnehmbaren Akt“ und bezeichnete die Tat als „Barbarei“.
Auch die NATO erklärte ihre Solidarität mit Frankreich. „Die NATO-Verbündeten halten im Kampf gegen Terrorismus zusammen“, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel. Terrorismus „in allen seinen Formen“ könne „niemals toleriert oder gerechtfertigt werden“. „Das war ein barbarischer Akt und ein abscheulicher Angriff auf die Pressefreiheit“, so Stoltenberg weiter. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilt den Angriff als „entsetzliches, nicht zu rechtfertigendes und kaltblütiges Verbrechen“.
Papst: Gewalt „niemals zu rechtfertigen“
Papst Franziskus sprach von einem „grausamen Attentat“, das Tod gesät, die gesamte französische Gesellschaft in Trauer gestürzt und alle Menschen, die Frieden liebten, tief aufgewühlt habe. „Was auch immer der Grund ist, tödliche Gewalt ist abscheulich und niemals zu rechtfertigen“, hieß es in einer Mitteilung des Vatikans. „Papst Franziskus nimmt im Gebet an den Leiden der Verletzen und der Familien der Verstorbenen teil und fordert alle dazu auf, sich mit jedem Mittel der Verbreitung des Hasses und jeder Form der Gewalt entgegenzustellen.“
Arabische Liga verurteilt Anschlag
Die Arabische Liga (AL) und die Al-Ashar-Universität als wichtigste Autorität des sunnitischen Islam verurteilten den Anschlag „mit Schärfe“. Al-Ashar beklagte einen „kriminellen Angriff“ und betonte, dass „der Islam jede Gewalt anprangert“. Der französische Rat des muslimischen Glaubens (CFCM) verurteilte am Mittwoch im Namen der „Muslime Frankreichs“ entschieden den „barbarischen“ Akt „gegen Demokratie und Pressefreiheit“. Auch die den Muslimbrüdern nahestehende Union der islamischen Organisationen Frankreichs (UOIF) kritisierte den „kriminellen Angriff und diese schrecklichen Morde“.
Terroranschläge gegen unschuldige Menschen hätten nichts mit dem Islam zu tun und seien daher inakzeptabel, sagte die Sprecherin des iranischen Außenministeriums, Marsieh Afcham. Gleichzeitig fügte sie jedoch hinzu, dass Beleidigung von Religion und religiösen Persönlichkeiten unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit genauso inakzeptabel sei.
Jüdischer Weltkongress: Westen muss kämpfen
Der Westen muss sich nach Ansicht des Jüdischen Weltkongresses (WJC) gegen islamistischen Terror zusammenschließen und für Meinungsfreiheit kämpfen. „Das Ziel des Angriffs von Paris waren die Medien, aber es geht uns alle an“, sagte WJC-Präsident Ronald S. Lauder. „Wir dürfen uns von solchen Aktionen nicht einschüchtern lassen und müssen unsere westlichen Werte hochhalten und verteidigen, auch das Recht auf Meinungsfreiheit“, so Lauder.
Merkel verurteilt Angriff auf Pressefreiheit
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich ebenfalls erschüttert über den „niederträchtigen Anschlag“, der auch einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit darstelle - ein Angriff auf „ein Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur, der durch nichts zu rechtfertigen ist.“ Deutschland stehe „in diesen schweren Stunden eng an der Seite unserer französischen Freunde“, so Merkel weiter. Sie drückte in dem Telegramm dem französischen Präsidenten und seinen Landsleuten „die Anteilnahme der Menschen in Deutschland und mein ganz persönliches Mitgefühl“ aus.
Großbritannien stehe an der Seite seines Verbündeten gegen „jegliche Form von Terrorismus“, sagte der britische Premierminister David Cameron am Mittwoch im britischen Unterhaus. „Wir stehen voll und ganz für die freie Meinungsäußerung und die Demokratie“, so Cameron weiter. Zuvor hatte er über den Kurznachrichtendienst Twitter den Anschlag mit zwölf Toten als „widerwärtig“ verurteilt. Der britische Außenminister Philip Hammond zeigte sich „entsetzt“ über die Tat.
MI5 warnt vor weiteren Anschlägen
Gleichzeitig warnte der britische Geheimdienst MI5 vor der Gefahr neuer Terroranschläge auf Ziele im Westen. Es sei zu erwarten, dass weitere und komplexere Anschläge nach dem Muster des Terrornetzes Al-Kaida und Nachahmergruppen geplant seien, sagte MI5-Generaldirektor Andrew Parker am Donnerstag bei einem seltenen Auftritt in London. Es gebe beispielsweise Erkenntnisse, dass eine Kerngruppe von Al-Kaida-Terroristen in Syrien Anschläge gegen Ziele in westlichen Ländern mit einer Vielzahl von Opfern plane.
Wegen der wachsenden Gefahr aus Syrien, die nicht allein von der Terrormiliz Islamischer Staat ausgehe, sei bereits im vergangenen Sommer die Terrorwarnstufe erhöht worden, sagte Parker.
Erdogan warnt vor Intoleranz
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte den Terroranschlag in Paris und warnte zugleich vor Intoleranz. Terrorismus könne nicht religiös oder national sein und durch nichts gerechtfertigt werden, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Präsidenten. Die Türkei werde weiterhin jede Art von Terrorismus bekämpfen. Erdogan teilte weiter mit, Intoleranz gegenüber Andersartigkeit und Hassreden hätten Spannungen den Weg geebnet. Das türkische Staatsoberhaupt hatte erst am Dienstag eine zunehmende Fremden- und Islamfeindlichkeit in Europa kritisiert.
Kurz: „Nicht einschüchtern lassen“
Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) sagte, ein solches Attentat könne die Werte der freien, aufgeklärten Gesellschaft nicht angreifen. „Unsere Werte - Demokratie und Menschlichkeit, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit - werden siegen“, sagte der Kanzler am Mittwoch laut einer Aussendung. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) betonte in seiner Reaktion, dass Grundwerte wie die Presse- und Meinungsfreiheit „mit Nachdruck“ verteidigt werden müssten. „Demokratische Gesellschaften wie unsere dürfen sich dadurch nicht einschüchtern lassen“, so Kurz in einer Aussendung am Mittwoch.
Vertreter der Muslime in Österreich verurteilten den Anschlag „mit Abscheu und Entsetzen“ scharf - mehr dazu in religion.ORF.at.
Links: