Keine Kürzung der Fördermengen
Saudi-Arabien will trotz des rasanten Ölpreisverfalls unabhängig vom Verhalten anderer Förderländer an seinem Produktionsniveau festhalten. Selbst wenn Länder außerhalb des OPEC-Kartells ihre Förderung drosseln sollten, werde sein Land das nicht tun, sagte Ölminister Ali Al-Naimi am Wochenende in Abu Dhabi.
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„Wenn sie ihre Produktion kürzen wollen, können sie das gerne tun. Saudi-Arabien wird mit Sicherheit nicht kürzen“, sagte Naimi. Mit den derzeitigen Preisen sei er zwar völlig unzufrieden, das würde jedoch nichts an der Einstellung seines Landes ändern. Auch wenn der Ölpreis auf 20 Dollar pro Barrel fiele, würde das Königreich nicht eingreifen, so Naimi in einem Interview mit dem Middle East Economic Survey (MEES). „Ob er auf 20, 40, 50, 60 Dollar sinkt, ist irrelevant“, erklärte der Minister.
Auch OPEC überzeugt
Saudi-Arabien ist der mächtigste Vertreter unter den OPEC-Staaten und hat seinen Standpunkt dort deponiert. Er habe die übrigen Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder überzeugt, dass es nicht im Interesse der Gruppe liege, die Produktion zu kürzen, ganz gleich, wie weit der Preis falle, erklärte Naimi. OPEC-Generalsekretär Abdullah Al-Badri versicherte wenig später, dass auch er nun die Überzeugung von Saudi-Arabien teile.
Jahrelang hat die OPEC alles darangesetzt, einen Preis von rund 100 Dollar pro Barrel zu gewährleisten. Dieser Preis sei essenziell für die Wirtschaft der Ölländer, wurde stets argumentiert. Von diesem Kurs ist die OPEC jetzt abgegangen. „Einen Preis von 100 Dollar je Barrel wird es möglicherweise nie mehr geben“, so Badri am Montag.
Die OPEC hatte sich bereits bei ihrem Treffen Ende November trotz eines weltweiten Überangebots bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage auf Druck von Saudi-Arabien gegen eine Senkung der Fördermenge entschieden. Seitdem hat sich die Talfahrt des Ölpreises beschleunigt. Öl ist so billig wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr, wodurch der Druck auf die einzelnen Mitglieder zuletzt stark stieg.
Golf-Staaten können Preisverfall verkraften
Die Saudi-Arabien, und mit ihnen auch die OPEC-Länder, verfolgen mit der Billigpreisstrategie zwei Ziele. Zum einen wollen sie politische Gegner wie Iran und Irak, aber auch Russland schwächen. Deren Währungen fallen gemeinsam mit dem Ölpreis. Saudi-Arabien selbst kann dank seiner Reserven den Preisverfall derzeit noch ausgleichen. Die Ratingagentur Moody’s etwa ist überzeugt, dass die Haushalte der meisten Golfstaaten einen tiefen Ölpreis auch 2015 verkraften können. Lediglich Bahrain und Oman könnten Probleme bekommen, Riad und Abu Dhabi könnten hingegen auf ihre Reserven vertrauen.
Zum anderen verfolgt Saudi-Arabien den Plan mit vorübergehend niedrigen Preisen teure Fördermethoden unrentabel zu machen und so Marktanteile zurückzugewinnen. Das würde vor allem die USA und die dortige Schieferölproduktion treffen.
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