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Kein Land mit AKWs vor Gefahren gefeit

Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima sind ins kollektive Bewusstsein eingegangen. Bedrohliche Stör- und Unfälle in Atomkraftwerken gab es von allem Anfang an. Das erhöhte Bewusstsein hinsichtlich der möglichen Gefahren von Nuklearkraft führt jedoch dazu, dass derartige Vorfälle zum Unterschied von früheren Jahrzehnten zumindest vermehrt publik werden. Im Folgenden eine Chronologie:

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29. September 1957, Majak: Im russischen Atomkomplex Majak im Ural kommt es zu einer Störung des Kühlsystems und einer Explosion, durch die 23.000 Quadratkilometer radioaktiv verstrahlt werden. Nachträglich wird der Vorfall auf der siebenstufigen Internationalen Bewertungsskala für atomare Ereignisse (INES) als schwerer Unfall der Kategorie sechs eingestuft.

28. März 1979, Three Miles Island: Im Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania kommt es zu einer Teilkernschmelze, durch die im Reaktor Radioaktivität freigesetzt wird. 140.000 Menschen werden vorübergehend in Sicherheit gebracht, Bevölkerung und Umwelt bleiben aber verschont. Nach der INES-Skala handelt es sich um einen ernsten Unfall der Stufe fünf.

August 1979, Erwin: Aus einer geheimen Atomanlage nahe Erwin im US-Bundesstaat Tennessee tritt Uran aus. Etwa tausend Menschen werden verstrahlt.

Jänner bis März 1981, Tsuruga: Viermal tritt in diesem Zeitraum Radioaktivität aus dem Atomkraftwerk Tsuruga in Japan aus. Laut offiziellen Angaben werden 278 Menschen verstrahlt.

26. April 1986, Tschernobyl: Im ukrainischen Tschernobyl ereignet sich die bisher schwerste Reaktorkatastrophe überhaupt. Nach einer Explosion in Reaktor 4 wird eine riesige radioaktive Wolke freigesetzt. Der Unfall wird erst öffentlich, als in Nordeuropa erhöhte Radioaktivität gemessen wird. Laut halbamtlichen Angaben sterben mehr als 25.000 Menschen, Hunderttausende Menschen werden nach Schätzungen verstrahlt, vor allem in den damaligen Sowjetrepubliken Ukraine, Weißrussland und Russland. Laut INES-Skala bedeutet Tschernobyl die höchste Stufe sieben, einen katastrophalen Unfall.

April 1993, Tomsk: Durch eine Explosion in der geheimen Wiederaufbereitungsanlage Tomsk-7 in Westsibirien wird radioaktives Material freigesetzt, darunter Uran-235, Plutonium-237 und verschiedene andere Spaltmaterialien. Das Ausmaß der Schäden und Opferzahlen sind unbekannt.

November 1995, Tschernobyl: Beim Abbau von Brennmaterialien aus einem Reaktor in Tschernobyl wird Radioaktivität von großem Ausmaß freigesetzt. Erst nach Versuchen, den Vorfall geheim zu halten, wird er doch öffentlich gemacht.

11. März 1997, Tokaimura: Nach einem Brand und einer Explosion in der japanischen Versuchsanlage zur Aufbereitung in Tokaimura im Nordosten von Tokio sind 37 Menschen Strahlung ausgesetzt. Teilweise werden die Arbeiten deshalb vorübergehend stillgelegt.

30. September 1999, Tokaimura: Um Zeit zu sparen, geben Angestellte in Tokaimura zu viel Uran in einen Fülltank. Daraufhin ereignet sich der schwerste Atomunfall seit Tschernobyl, laut INES ein Unfall der Stufe vier. Es ist zudem der bis dahin schwerste in der Geschichte Japans. Mehr als 600 Menschen werden verstrahlt. Rund 320.000 Menschen werden aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht. Zwei verantwortliche Mitarbeiter sterben Monate nach dem Unglück.

9. August 2004, Mihama: Einer der drei Reaktoren der Atomanlage in Mihama westlich von Tokio schaltet sich automatisch ab. Daraufhin tritt nicht verstrahlter, aber extrem heißer Wasserdampf aus. Vier Arbeiter werden getötet, sieben weitere erleiden schwerste Verbrennungen. Es ist der bis dahin tödlichste Zwischenfall in einem japanischen Kraftwerk.

23. Juli 2008, Tricastin: In der südfranzösischen Atomanlage Tricastin entweicht bei Wartungsarbeiten radioaktiver Staub, rund hundert Mitarbeiter werden leicht verstrahlt.

11. März 2011, Fukushima: Nach einem schweren Erdbeben kommt es im AKW Fukushima an Japans Ostküste zur Kernschmelze in mehreren Reaktoren. Erst spät reagieren der Betreiber TEPCO und die japanische Regierung. Großflächige Verstrahlungen sind die Folge, die Reaktorruine ist weiterhin nur begrenzt unter Kontrolle.