Kampf gegen Korruption
Eine Untersuchung bei den irakischen Streitkräften hat ein Heer von „Geistersoldaten“ ans Tageslicht gebracht. Rund 50.000 Soldaten existierten nur auf Personalbögen und Soldlisten, ihre Namen seien „erfunden“, teilte das Büro von Regierungschef Haidar al-Abadi Ende November mit.
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Im Kampf gegen Korruption habe Abadi sämtliche Namen der „Geistersoldaten“, immerhin in der Stärke von etwa vier Divisionen, streichen lassen, hieß es dazu in einer Erklärung des Parlaments in Bagdad.
Betrug bis in die höchsten Militärränge hinauf
Die Untersuchungen hätten im Zuge der jüngsten Soldzuteilungen begonnen, zitierte die Nachrichtenagentur AFP Abadis Sprecher Rafid Dschaburi. Dabei sei das tatsächliche Personal der Streitkräfte gezählt worden. Der Sold wird irakischen Soldaten nur unregelmäßig gezahlt. So beklagten Soldaten, dass sie erst nach zweimonatiger Pause wieder bezahlt worden seien. Ein Grund wurde nicht genannt.
Nach Angaben eines langgedienten Offiziers gibt es in den irakischen Streitkräften zwei gängige Wege, um das Salär aufzubessern. Jedem Offizier stehen demnach fünf Wächter zu - manche begnügten sich aber mit zwei und strichen die Gehälter für die drei vakanten Stellen selbst ein. Der weitaus größere Betrug findet laut dem Offizier aber auf Brigadeebene statt: Immer wieder hätten Kommandanten 30 bis 40 Soldaten auf der Soldliste stehen, die gar keinen Dienst leisteten oder nicht einmal existierten.
Tausende tote Soldaten nicht gemeldet
„Diese Kommandanten wiederum müssen ihre Vorgesetzten mit hohen Geldbeträgen schmieren, um selbst den Posten zu behalten“, sagte der Offizier. Oder sie kauften sich aus dem schlecht bezahlten Militärdienst frei und gingen anderen Arbeiten nach. Auch seien Tausende Soldaten, die in diesem Jahr im ganzen Land verwundet oder getötet wurden, nicht gemeldet worden. Ihre Gehälter strichen die Offiziere ein, zitierte AFP einen Offizier.
Seit seiner Amtsübernahme im September dieses Jahres hat Premier Abadi bereits mehrere hohe Militärs gefeuert oder in Pension geschickt. Seine Worte sind daher als direkte Kampfansage an den mächtigen Militärapparat zu verstehen, der unter Vorgänger Nuri al-Maliki kaum Kontrollen unterworfen war. Aber nicht nur auf das Militär kommen neue Zeiten zu. „Dieser Reinigungsprozess wird über das Militär hinaus auch auf andere Behörden ausgedehnt“, kündigte der Sprecher des Regierungschefs an.
Armee zerbricht an IS-Ansturm
Die Defizite in der irakischen Armee wurden mit dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) deutlich sichtbar. Als IS im Juni die Stadt Mossul einnahm, brachen manche Einheiten völlig zusammen. Bereits im Oktober warnte Oppositionspolitiker Mohammed Osman al-Chalidi in der Nachrichtenwebsite Al-Monitor vor „Geistern innerhalb des Militärs“. Nach dem Fall von Ex-Diktator Saddam Hussein hatte die irakische Armee unter der Führung der USA noch 400.000 Soldaten, heute sind nur noch 170.000 Soldaten gelistet. Davon sind laut Schätzungen Chalidis 30 Prozent „Geister“.
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