Zwei Mrd. Dollar Sparpotenzial
Der Ölpreisverfall führt zu einer Großfusion in der US-Ölindustrie. Der auf Dienstleistungen rund um die Förderung spezialisierte Konzern Halliburton kündigte am Montag die Übernahme des kleineren Rivalen Baker Hughes für 34,6 Milliarden Dollar an. Damit schließen sich die Nummer zwei und drei der amerikanischen Öldienstleister zusammen und schaffen einen neuen Branchengiganten.
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Durch die Hochzeit der Nummer zwei und drei unter den Ölförderdienstleistern in den USA brächten es die Firmen zusammen auf mehr als 136.000 Angestellte und wären weltweit in über 80 Ländern vertreten. Der gemeinsame Umsatz wäre im vergangenen Jahr bei knapp 60 Mrd. Dollar gelegen. Der US-amerikanische Branchenführer Schlumberger hätte allerdings auch weiterhin deutlich die Nase vorn.
Der neue Konzern soll von Halliburton-Chef Dave Lesar geleitet werden. Er erhofft sich Kosteneinsparungen von fast zwei Milliarden Dollar im Jahr. Das sei der treibende Faktor hinter dem Zusammenschluss, da die Ölfirmen ihre Ausgaben bremsten, konstatierten die Analysten vom Broker Global Hunter Securities. Die beiden Unternehmen leiden unter dem zunehmenden Preisdruck der Ölproduzenten, die ihrerseits mit dem Ölpreisverfall zu kämpfen haben.
Rohölpreis um 25 Prozent gefallen
Der Zusammenschluss erfolgt vor dem Hintergrund eines Ölpreisverfalls, der es der US-Energiebranche derzeit erschwert, profitabel zu produzieren. Seit Sommer hat sich Rohöl um etwa 25 Prozent verbilligt. Als Hauptursache gilt der Schieferölboom in den USA. Das Fracking, bei dem tief liegende Gesteinsschichten angebohrt werden und das dort lagernde Schiefergas und -öl mit Hilfe von Chemikalien gelöst wird, hat die USA auf Augenhöhe mit dem bisher weltgrößten Förderland Saudi-Arabien gebracht.
Die Saudis versuchten zuletzt, ihre Marktanteile mit Preisnachlässen für US-Kunden zu verteidigen. Dadurch könnten die Ölpreise unter die Produktionskosten der US-Förderindustrie gesenkt werden. Fracking ist vergleichsweise teuer und rechnet sich bei zu niedrigen Ölpreisen für viele Firmen nicht mehr. Der Preisverfall sorgt deshalb seit einiger Zeit für Unruhe in der Branche.
Halliburton drohte mit feindlicher Übernahme
Die Einigung war eine zähe Angelegenheit. Wochenlang hatten die Geschäftsführer verhandelt, noch am Samstag drohte die Lage zu eskalieren. Baker-Hughes-Chef Martin Craighead griff sein Halliburton-Pendant Dave Lesar scharf an und bezeichnete dessen Vorgehen als „vollkommen unangemessen“. Nachdem das erste Kaufoffert abgelehnt worden war, hatte Halliburton mit einer feindlichen Übernahme gedroht und das gesamte Baker-Hughes-Management austauschen wollen.
Auch wenn diese Vorgeschichte daran zweifeln lässt, ob der Deal unter guten Vorzeichen steht, gaben sich die Entscheider am Ende zufrieden und professionell. „Gemeinsam mit den Leuten von Baker Hughes werden wir ein Team aufstellen (...), das die Fusion so nahtlos, effizient und produktiv wie möglich macht“, sagte Lesar. „Durch den Zusammenschluss (...) werden wir eine neue Welt der Möglichkeiten schaffen, um mit neuen Technologien für unsere Kunden voranzukommen“, ließ Craighead verlauten.
Zugeständnisse für Wettbewerbshüter wohl nötig
Die Fusionspartner müssen den Wettbewerbshütern wohl Zugeständnisse anbieten. Halliburton erklärte sich schon bereit, sich von Geschäften mit einem Gesamtumsatz von bis zu 7,5 Milliarden Dollar zu trennen. Nach Einschätzung des Managements dürften die Behörden allerdings mit deutlich weniger zufrieden sein. Wenn der Deal allerdings an deren Widerstand scheitern sollte, muss Halliburton Baker Hughes eine Kompensation von 3,5 Milliarden Dollar zahlen.
Die Unternehmen bieten Dienstleistungen und Technologie für Ölproduzenten. Dazu gehören Bohrer, Bohrlochsicherung sowie künstliche Hebevorrichtungen, die für eine bessere Förderausbeute sorgen. Halliburton und Baker Hughes hatten ihre Gespräche vor mehr als einem Monat begonnen. Der Zusammenschluss soll in der zweiten Jahreshälfte 2015 abgeschlossen werden. Halliburton zahlt in bar und in Aktien. Der Kaufpreis sieht einen kräftigen Aufschlag von 31 Prozent auf den Baker-Hughes-Schlusskurs vom Freitag vor. Halliburton-Anleger reagierten mit Verkäufen auf den Deal. Während die Titel des Ölfeldausrüsters Baker Hughes um knapp neun Prozent auf 65,23 Dollar stiegen, sackten die von Halliburton um fast elf Prozent ab.
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