Themenüberblick

Zweifel an Aussagen der Behörden

Über einen Monat nach dem Verschwinden Dutzender Studenten im Südwesten Mexikos haben mutmaßliche Mitglieder der kriminellen Organisation Guerreros Unidos die Morde an den jungen Leuten gestanden. Sie hätten eine größere Gruppe Personen getötet und anschließend verbrannt, sagten die drei Verdächtigen nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft im Verhör.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Nahe der Ortschaft Cocula im Bundesstaat Guerrero entdeckten Ermittler Asche, Knochenreste und Zähne. Die Proben würden nun in einem Universitätslabor in Innsbruck untersucht, um die Opfer zu identifizieren, sagte Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Karam am Freitag (Ortszeit). Solange keine Beweise vorlägen, würden die jungen Leute allerdings offiziell weiterhin als vermisst gelten. Die Regierung hatte etwa 1.200 Sicherheitskräfte für die Suche nach den jungen Leuten mobilisiert.

Von Bandenmitgliedern ermordet und verbrannt

Die 43 Studenten eines linksgerichteten Lehrerseminars waren Ende September in der Stadt Iguala von Polizisten entführt worden. Später wurden sie nach Zeugenaussagen Mitgliedern der Guerreros Unidos, einer kriminellen Organisation im gleichnamigen Bundesstaat, übergeben.

Polizei

APA/AP/Alejandrino Gonzalez

Hunderte Polizisten und Soldaten suchten nach den Verschwundenen

Diese hätten die jungen Leute auf einer Mülldeponie nahe Cocula getötet, ihre Leichen mit Benzin übergossen und anschließend in Brand gesteckt, sagten die festgenommenen Tatverdächtigen nun aus. Die sterblichen Überreste seien dann in Plastiksäcke gestopft und in einen Fluss geworfen worden.

Dutzende weitere Leichen gefunden

Bereits vor mehreren Wochen hatten festgenommene Mitglieder der Guerreros den Mord an 17 der Studenten gestanden und die Ermittler zu Massengräbern bei Iguala geführt. Bei den dort entdeckten Leichen handelte es sich allerdings nicht um die Vermissten. Die Polizei fand bisher mehrere Massengräber mit rund 40 Toten, zumeist wahrscheinliche Opfer des mexikanischen Dogenkriegs. Der Fall löste in ganz Mexiko eine Welle der Empörung aus, teilweise kam es zu gewalttätigen Protesten.

Bürgermeister als Drahtzieher verdächtigt

Der Bürgermeister von Iguala und seine Frau waren am Dienstag als mutmaßliche Drahtzieher der Tat festgenommen worden. Offenbar wollte Jose Luis Abarca verhindern, dass die Studenten eine Rede seiner Frau als Vorsitzende des örtlichen Wohlfahrtsverbands stören. Die Lehramtsstudenten waren Indigene aus einfachen Verhältnissen und für ihren politischen Aktivismus bekannt.

Der Bürgermeister von Iguala, Jose Luis Abarca, und seine Frau

AP/Alejandrino Gonzalez

Der festgenommene Bürgermeister Abarca und seine Frau

Bürgermeistergattin Maria de los Angeles Pineda stammt aus einer Drogenhändlerfamilie mit Verbindungen zum Beltran-Leyva-Kartell. Sie soll ein führendes Mitglied der Guerreros Unidos sein. Nach Einschätzung der Ermittler arbeiten in der Region lokale Politiker, korrupte Polizisten und Kriminelle Hand in Hand.

Präsident verspricht restlose Aufklärung

„Unsere Nation erlebt schwierige Zeiten. Die Ereignisse von Iguala empören uns alle“, sagte Präsident Enrique Pena Nieto am Freitag. „Ich gebe den Familien der Verschwundenen und allen Mexikanern mein Wort: Wir werden nicht innehalten, bis der Gerechtigkeit Genüge getan ist.“

Angehörige

APA/AP/Alejandrino Gonzalez

„Solange es keine Beweise gibt, sind unsere Kinder für uns noch am Leben“

Die Angehörigen hingegen erhoben erneut schwere Vorwürfe gegenüber den Behörden. „Es war der Staat, der die Jungen entführt hat“, sagte der Sprecher der Opferfamilien, Felipe de la Cruz. Ihr Vertrauen in die Regierung ist erschüttert, auch den jüngsten Ermittlungsergebnissen schenken sie keinen Glauben. „Solange es keine Beweise gibt, sind unsere Kinder für uns noch am Leben“, sagte eine Mutter.

Links: