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Sorge über italienische Banken

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den erfolgreichen Abschluss des Stresstests der Europäischen Zentralbank (EZB) als wichtigen Schritt zur Stärkung der Geldinstitute begrüßt. Die Untersuchung spiegle den substanziellen Fortschritt wider, der auf dem Weg zu einer Bankenunion erreicht worden sei, sagte der Sprecher Gerry Rice im Namen der IWF-Chefin Christine Lagarde am Sonntag.

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Das „hohe Maß an Transparenz und die Vergleichbarkeit der Ergebnisse“ würden es Marktteilnehmern ermöglichen, die Gesundheit der Geldinstitute selbst einzuschätzen, hieß es in der Stellungnahme weiter. „Das sollte helfen, das Vertrauen zu stärken.“ Insgesamt sei die Überprüfung „eine wichtige Grundlage für eine weitere Stärkung der Bankenbilanzen, den Umgang mit schwachen Geldinstituten und die zusätzliche Gewährung von Krediten zur Unterstützung der Erholung“.

Deutliche Reaktion an den Börsen

Gespannt wurde auf die Reaktion auf den Finanzmärkten gewartet. Konkret geht es um die Frage, ob die Ergebnisse wie erhofft das seit der Finanzkrise geschwundene Vertrauen der Investoren in die Kreditwirtschaft wieder stärken können. In Deutschland gingen die Werte nach oben, auch die heimischen Bankaktien zogen auf dem Wiener Finanzplatz an. In Italien dagegen stürzten etwa die Aktien der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena zu Handelsbeginn um 15 Prozent ab. Das älteste noch existierende Bankhaus der Welt war eine der sieben italienischen Banken, die beim Stresstest nicht bestanden.

25 von 130 fielen durch

Unter dem Strich ergaben die Untersuchungen, dass die meisten großen Banken für künftige Krisen gewappnet sind. 25 der 130 geprüften Institute im Euro-Raum fielen beim Stresstest zum Stichtag 31. Dezember 2013 durch, aber zwölf von ihnen haben ihre Kapitalpuffer in diesem Jahr schon gestärkt. Aus Österreich scheiterte wie erwartet die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG). Alle anderen heimischen Banken bestanden die strengen Belastungstests. Neben der ÖVAG wurden BAWAG, Erste Group, RZB, die Raiffeisenlandesbanken von Niederösterreich und Oberösterreich und indirekt über UniCredit auch die Bank Austria geprüft.

Grafikübersicht zum Bankenstresstest

APA/ORF.at

Ab November ebenfalls unter direkter Aufsicht der EZB stehen die Sberbank Europe (ehemals Volksbank International) und die VTB Bank mit Sitz in Wien. Sie müssen die Stresstests erst nächstes Jahr absolvieren.

Volksbanken fehlen 865 Mio. Euro

Für die 25 im EZB-Test durchgefallenen Banken wurde ein kumulierter Kapitalbedarf von 25 Mrd. Euro ausgemacht, um im Schockszenario, das den Berg an faulen Krediten steigen ließe, die Mindestkapitalvorgaben zu erfüllen. Das Kapitalloch für die ÖVAG/Volksbanken-Gruppe wurde im Stresszeitraum bis 2016 mit 865 Mio. Euro errechnet. Die ÖVAG wird es 2016 aber nicht mehr geben, ihre Abwicklung ist bereits eingeläutet, im Geschäft bleiben dann nur noch die regionalen Volksbanken.

Sieben italienische Banken durchgefallen

Besondere Besorgnis bereitete die Tatsache, dass gleich sieben italienische Banken den Stresstest nicht bestanden. Der deutsche Finanzexperte Wolfgang Gerke kommentierte das kritisch: „Dass Italien mit seinen Banken so schlecht abgeschnitten hat, bereitet mir große Sorgen“, sagte der Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums den „Ruhr Nachrichten“ (Montag-Ausgabe).

Stresstest - was ist das?

Auf Verbraucher übertragen könnte der Bankenstresstest so aussehen: Reichen Einnahmen, Ersparnisse oder Versicherungsschutz auch dann, wenn Auto und Waschmaschine gleichzeitig kaputtgehen, der Arbeitgeber pleitegeht und man erst im nächsten Jahr einen neuen Job findet?

„Wenn die Europäische Zentralbank jetzt diesen Kreditinstituten Finanztitel abkauft, die nicht erster Güte sind, kommt es auf indirektem Weg doch zu einer weiteren Umverteilung der Schuldenlast“, sagte Gerke. Er befürchte eine Vergemeinschaftung von Schulden auf Umwegen. Für besonders problematisch hält Gerke, dass mit Mario Draghi ein Italiener an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) stehe.

Münchener Hypothekenbank durchgefallen

Als einzige deutsche Bank ist die Münchener Hypothekenbank auf Grundlage der Zahlen von 2013 durchgefallen. Sie habe jedoch ihr Kapital bereits im laufenden Jahr deutlich gestärkt, so dass diese Lücke geschlossen sei, teilte die Deutsche Bundesbank am Sonntag in Frankfurt mit. Knapp die Hälfte der 25 Durchgefallenen ist aber bereits auf der sicheren Seite: Sie haben im Laufe der vergangenen Monate ihre Kapitalpuffer für Krisenzeiten verbessert. Zwölf der 25 Banken stärkten ihr Kapital nach EZB-Angaben um insgesamt 15 Mrd. Euro. Die übrigen müssen nun in den nächsten sechs bis neun Monaten die Lücken schließen.

Folgende Institute haben den Stresstest nicht bestanden:

  • Belgien: Axa Bank Europe (ausreichend Kapital aufgestockt), Dexia
  • Deutschland: Münchener Hypothekenbank (ausreichend Kapital aufgestockt)
  • Frankreich: C.R.H. Caisse des Refinancement de l’Habitat (ausreichend Kapital aufgestockt)
  • Griechenland: Eurobank, National Bank of Greece, Piräus Bank (ausreichend Kapital aufgestockt)
  • Irland: Permanent tsb
  • Italien: Monte dei Paschi di Siena, Banca Carige, Veneto Banca (ausreichend Kapital aufgestockt), Banco Popolare (ausreichend Kapital aufgestockt), Banca Popolare di Milano, Banca Popolare di Vicenza, Credito Valtellinese (ausreichend Kapital aufgestockt), Banca Popolare di Sondrio (ausreichend Kapital aufgestockt), Banca Popolare dell’Emilia Romagna (ausreichend Kapital aufgestockt)
  • Österreich: ÖVAG (Sonderfall: Die Weichen für die teilweise Abwicklung des Instituts sind schon gestellt)
  • Portugal: Banco Comercial Portugues
  • Slowenien: Nova Kreditna Banka Maribor, Nova Ljubljanska banka
  • Spanien: Liberbank (ausreichend Kapital aufgestockt)
  • Zypern: Bank of Cyprus (ausreichend Kapital aufgestockt), Cooperative Central Bank (ausreichend Kapital aufgestockt), Hellenic Bank

Wie viel Kapital in Stressszenario?

Die Überprüfung der größten europäischen Banken besteht aus zwei Teilen. Im ersten wird kontrolliert, ob die von den Banken angegebenen Aktiva wirklich die Qualität haben, mit der sie ausgewiesen werden. Das ist der Asset Quality Review (AQR). Banken müssen auch nach der Aussortierung weniger werthaltigen Kapitals eine Kapitalquote von acht Prozent aufweisen.

Anschließend wird berechnet, wie jede Bank im Falle eines Wirtschaftseinbruchs dasteht und wie viel Kapital sie dann noch zur Verfügung hätte. Die getesteten Banken müssen in simulierten Krisen ihr hartes Kernkapital über der Mindesthürde von acht Prozent halten, im harten Stressszenario müssen es mindestens 5,5 Prozent sein. Im Kern geht es um die Frage: Verfügen die Institute über genügend eigenes Kapital, um im Fall einer neuen Krise nicht in die Knie zu gehen?

Kapitalplan muss innerhalb von zwei Wochen stehen

Die Banken, die bei dem Stresstest durchgefallen sind, haben sechs bis neun Monate Zeit, ihr Kapital aufzustocken. Den Plan, wie sie zu genug Geld kommen wollen, müssen sie aber schon innerhalb von 14 Tagen vorlegen. Wenn eine Bank schon ohne Stress zu wenig Kapital hat - gefordert ist eine Quote von acht Prozent - dann muss diese Lücke innerhalb von sechs Monaten geschlossen werden. Wenn eine Bank hingegen erst bei einem Wirtschaftseinbruch, also unter Stress, zu wenig Kapital hat, dann hat das Institut neun Monate Zeit, die nötigen Mittel aufzubringen. Sollte sich abzeichnen, dass private Investoren nicht bereit sind, einem Institut über den Kapitalmarkt genug Geld zur Verfügung zu stellen, dann müssen die Staaten einspringen.

EZB will nicht Katze im Sack kaufen

Hintergrund der Prüfungen ist der Start der neuen zentralen Bankenaufsicht bei der EZB. Die Notenbank in Frankfurt übernimmt am 4. November die zentrale Aufsicht über die 120 wichtigsten Banken in der Währungsunion - und muss dazu genau über den Zustand der Kreditwirtschaft Bescheid wissen. Mit den Checks will die EZB sicherstellen, dass ihr nach der Übernahme der Bankenaufsicht keine bösen Überraschungen drohen. Im Test durchgefallene Institute haben sechs bis neun Monate Zeit, um die Lücken zu schließen.

Mit Aufsicht, Stresstests und strengeren Kapitalanforderungen an die Banken werden Lehren aus der Finanzkrise 2008 gezogen. Damals gerieten etliche Institute ins Wanken und wurden zum Teil mit Steuermilliarden gerettet. Die damalige Krise hat auch gezeigt, dass Schieflagen wichtiger Banken das gesamte Finanzsystem lähmen können - zum Beispiel weil das Vertrauen der Banken untereinander verloren geht und sie einander kein Geld mehr leihen. Fachleute nennen die größeren Banken deswegen auch „systemrelevant“.

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