Bandion-Ortner fühlt sich missinterpretiert
Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner fühlt sich nach ihrem „profil“-Interview missinterpretiert. In einer schriftlichen Stellungnahme des König-Abdullah-Zentrums beklagt sie sich, das Interview sei nicht autorisiert, nicht korrekt und aus dem Kontext gerissen.
Zudem heißt es in der Aussendung, dass Bandion-Ortner wiederholt ihre klare Ablehnung der Todesstrafe geäußert habe. Freilich ist diese ablehnende Haltung auch dem „profil“-Text zu entnehmen. Über die schriftliche Stellungnahme hinaus wolle sie sich zu dem Thema öffentlich nicht äußern, so Bandion-Ortner auf Anfrage der APA.
„Profil“ widerspricht
In einer Reaktion dementierte „profil“ „mit aller Entschiedenheit“ den Vorwurf, dass das Interview nicht autorisiert worden sei. Der Interviewtext sei der Aussendung zufolge Donnerstagabend per Mail an Bandion-Ortners persönlichen Pressesprecher Christoph Hasslböck geschickt worden.
Von der Mailadresse des Pressesprechers des KAICIID, Peter Kaiser, wurde das Interview spät am Abend mit kleinen Änderungen retourniert. In dieser Fassung fehlte der Satz bezüglich der Todesstrafe, der sich so am Tonband befand: „Das ist nicht jeden Freitag, das ist ein Blödsinn. Natürlich bin ich da dagegen.“
Am Tag darauf retournierte das Magazin den Text mit dem Hinweis, dass man „fast alle Änderungen akzeptiert“ habe, und sandte das gesamte Interview, wie es dann auch gedruckt wurde. Die entsprechende Passage lautete nun: „Das ist nicht jeden Freitag. Natürlich bin ich gegen die Todesstrafe.“
In der Antwort von Kaiser hieß es kurz darauf: „Ich habe verstanden.“ Er werde „in etwa 20 Minuten Frau B-E (sic!)“ erreichen können, so „Profil“. Um 11.52 Uhr kamen laut „Profil“ ein Dankeschön und freundliche Grüße und die Nachricht, dass Rabbi David Rosen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit doch nach Saudi-Arabien werde einreisen können.
Aussagen für Richterchef „schockierend“
Bestürzt reagiert der Vorsitzende der Richtervereinigung, Werner Zinkl, auf die umstrittenen Aussagen Bandion-Ortners zur Todesstrafe in Saudi-Arabien. Die karenzierte Richterin hatte im „profil“ gemeint, dass nicht jeden Freitag geköpft werde.
Diese „Verharmlosung der Todesstrafe“ sei „eigentlich schockierend“, meinte Zinkl auf Anfrage der APA. Er verstehe Bandion-Ortner nicht, so der Richterpräsident. Denn eigentlich wäre es angemessen gewesen, wenn sie sich bei einem Besuch in Saudi-Arabien dort gegen die Todesstrafe ausgesprochen hätte. Stattdessen verharmlose sie diese.