Im Visier von Sonden und Rover
Gäbe es intelligentes Leben auf dem Mars, den Betroffenen würden aufregende Tage bevorstehen - schließlich kündigt sich für den Nachbarplaneten der Erde Besuch an: Sonntagabend wird der Komet „C/2013 A1“, auch als „Siding Spring“ bezeichnet, knapp am Roten Planeten vorbeirasen.
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Für die Astronomen ist die Flugroute des im Jänner 2013 entdeckten Kometen ein wahrer Glücksfall - seit Monaten warten Wissenschaftler gespannt auf diesen „kosmischen Streifschuss“ mit unvorstellbarer Geschwindigkeit. Der Komet ist mit etwa 200.000 km/h unterwegs, er schrammt am Mars in einer Distanz von nur knapp 140.000 Kilometern vorbei - das entspricht nicht einmal einem Drittel der Entfernung zwischen Erde und Mond.
„Kosmisches Geschenk“
„Wir erwarten, dass sich der Kometenschweif und die Marsatmosphäre zum Teil vermischen werden“, sagte der Wissenschaftler Markus Fränz vom deutschen Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen. Dabei hätte sich der Komet - zumindest aus Sicht der Wissenschaftler - keine günstigere Flugroute aussuchen können. „Das ist ein kosmisches Geschenk an die Wissenschaft“, sagte kürzlich John Grunsfeld, Chef des NASA-Wissenschaftsdirektorats.

NASA/JPL-Caltech
NASA-Grafik des Kometen „Siding Spring“
Einzigartige Perspektive
Kein anderer Planet wird an Ort und Stelle von so vielen Messinstrumenten überwacht: Weil fünf Forschungssonden den Mars umkreisen, werden spektakuläre Bilder von diesem einzigartigen Schauspiel im All erwartet. Auch vom Mars aus sollten die Objektive zweier Marsrover eine einzigartige Perspektive auf das Geschehen bieten - insgesamt sind 16 Geräte im All und auf dem Mars an den Analysen beteiligt, heißt es von der NASA.
So hat die NASA mit „Curiosity“ und „Opportunity“ gleich zwei Rover auf der Marsoberfläche im Einsatz. Die beiden ferngesteuerten Fahrzeuge sowie die übrigen irdischen „Spione“, darunter die europäische Raumsonde „Mars Express“, die US-Forschungssonden „Mars Reconnaissance Orbiter“ und „Mars Odyssey“ werden die Kometenpassage ins Visier nehmen. Auch die erst im September am Mars eingetroffene NASA-Sonde „Maven“ soll viele Daten liefern - ebenso das Weltraumteleskop „Hubble“.
Nachhaltige Erkenntnisse
Das Schauspiel soll auch zu nachhaltigen Erkenntnissen verhelfen: einerseits über die Beschaffenheit des Kometenschweifs, andererseits über die Atmosphäre, die den Mars umgibt. Schließlich soll der Schweif des Kometen, der mit einem Teleskop des australischen Observatoriums Siding Spring entdeckt wurde, den Erwartungen der Experten zufolge in die dünne Atmosphäre des Mars eindringen.
Da Kometen als Zeitkapseln gelten, die primitives Material aus der Geburtszeit des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren enthalten, könnten die Daten von Siding Spring auch Hinweise auf die Frühzeit unserer kosmischem Umgebung liefern. Damit würden die Astronomen dann „ein weiteres Puzzleteil zum Verständnis der Entstehung unseres Sonnensystems“ in Händen halten, hofft Experte Fränz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.
Experten hielten Einschlag für möglich
Unmittelbar nach der Entdeckung von Siding Spring zu Beginn des Vorjahres hatten die Wissenschaftler sogar mit einem noch weitaus dramatischeren Verlauf der kosmischen Begegnung gerechnet. Aufgrund erster Bahndaten des Kometen schien es zunächst möglich, dass Siding Spring auf dem Mars einschlagen würde. Erst nach genaueren Berechnungen in den Folgemonaten gaben die Astronomen dann Entwarnung.
Es wäre das zweite derartige Ereignis gewesen: Im Juli 1994 waren die Trümmer des Kometen „Shoemaker-Levy 9“ mit 180-facher Schallgeschwindigkeit auf den Jupiter geprallt. Die Einschläge hatten damals die größten Explosionen ausgelöst, die je von Menschen auf einem Planeten unseres Sonnensystems beobachtet wurden.
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